Untersuchungen zur Wolfspopulation in Sachsen-Anhalt

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Landtag von Sachsen-Anhalt                          Drucksache 6/2945 24.03.2014 Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zur schrift- lichen Beantwortung Abgeordneter Ralf Bergmann (SPD) Untersuchungen zur Wolfspopulation in Sachsen-Anhalt Kleine Anfrage - KA 6/8218 Antwort der Landesregierung erstellt vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt 1.   Wie viele tote und verletzte Wölfe wurden bisher in Sachsen-Anhalt ge- funden? Bitte mit Funddatum und -ort sowie Todesursache angeben. Bislang liegen Informationen über sechs tote Wölfe in Sachsen-Anhalt vor: 06.06.2009       Illegaler Abschuss eines adulten Rüden westlich Tucheim (Landkreis Jerichower Land) 11.04.2012       Verkehrstod einer junge Fähe am Autobahnkreuz BAB 2/BAB 14 westlich Magdeburg (Landkreis Börde) 16.11.2013       Verkehrstoter Rüde auf der Bundesstraße 189 nördlich von Dol- le (Landkreis Börde) 14.12.2013       Verkehrstoter adulter Rüde auf der Bundesstraße 189 nördlich von Dolle (Landkreis Börde) 14.01.2014       Verkehrstoter junger Rüde auf der BAB 9 bei der Abfahrt Köse- litz (Landkreis Wittenberg) 14.02.2014       Verkehrstoter adulter Rüde auf der Landstraße 37 südlich der Ortslage Gentha (Landkreis Wittenberg) Ein weiterer Wolfsrüde wurde am 21.10.2012 durch die Kollision mit einem PKW auf der Bundesstraße 1 bei Körbelitz (Landkreis Jerichower Land) stark verletzt. Eine Nachsuche nach dem blutenden Tier verlief erfolglos. 2.   Was geschah mit den toten Wölfen? Welche Institutionen bzw. Personen wurden benachrichtigt? Sämtliche tot aufgefundenen Wölfe wurden unter Einbeziehung von Mitarbei- tern der örtlich zuständigen unteren Naturschutzbehörde, der Landesreferenz- (Ausgegeben am 25.03.2014)
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2 stelle Wolfsschutz oder auch in einem Fall von Mitarbeitern der Bundesforst- verwaltung sichergestellt. Es folgte umgehend eine Überführung in das Leibniz- Institut für Zoo- und Wildtierkunde (IZW) nach Berlin, wo eine detaillierte Unter- suchung der Tiere vorgenommen wurde. Nach Abschluss der Untersuchungen wurden die Tierkörper an die Martin- Luther-Universität Halle überführt. 3. Wurden Untersuchungen an den toten oder verletzten Wölfen vorgenom- men? Wenn ja, zu welchem Zweck und mit welchen Ergebnissen? Ja. Tot aufgefundene Wölfe werden generell der veterinärpathologischen Sektion am IZW Berlin zugeführt. Neben der Feststellung der Todesursache werden von morphologisch-anatomischen (Vermessung, computer-tomografische Aus- wertung) bis hin zu histologischen und mikrobiologischen Detailuntersuchungen verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Untersucht wird u. a. im Hinblick auf Grunderkrankungen, Parasitierung und Infektionen (z. B. Tollwut, Staupe, Räude, Aujeszky-Viren). Grundsätzlich wird auch eine genetische Analyse an- gestrebt. In der Gesamtheit liefern die wissenschaftlichen Untersuchungen Aussagen zur Beurteilung der Bestandssituation des Wolfes und Daten für die Grundlagenfor- schung. 4. Wurden genetische Untersuchungen der Wolfspopulation in Mittel- deutschland durchgeführt? Wenn ja, was war Gegenstand der Unter- suchungen und zu welchen Ergebnissen führten diese? Ja. Die genetischen Untersuchungen erfolgen im Senckenberg-Institut Geln- hausen, das von der Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz der Umweltminis- terkonferenz (LANA) als Nationales Referenzlabor für genetische Unter- suchungen am Wolf bestätigt wurde. Gegenstand der Untersuchungen der Tiere aus Sachsen-Anhalt war die popula- tionsbiologische Struktur. Die Untersuchungen liefern bei geeigneter Proben- qualität eine gesicherte Aussage zum Artstatus sowie ein individuelles geneti- sches Profil (genetischer Fingerabdruck). Daraus lassen sich - ein genügender Datenumfang vorausgesetzt - die Her- kunfts- und Verwandtschaftsbeziehungen ableiten. Beides ist zur Beurteilung der Bestandssituation innerhalb des Landes, Deutschlands und der zentraleu- ropäischen Flachlandpopulation von Bedeutung. Genetische Untersuchungen werden zunehmend wichtiger, um innerhalb größerer besiedelter Gebiete terri- toriale Vorkommen und Rudel voneinander unterscheiden zu können. Die Interpretation der genetischen Proben, insbesondere die Verwandtschafts- und Herkunftsbestimmung, ist vom Umfang der erfassten Referenzdatensätze abhängig. Dieser wird vom Nationalen Referenzlabor anhand der Proben aus den Bundesländern ständig erweitert.
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3 Bislang konnten anhand der genetischen Proben in Sachsen-Anhalt (ein- schließlich der auch im angrenzenden Brandenburg erfassten Tiere des Rudels der Altengrabower Heide) 45 Wölfe individuell identifiziert werden. Daneben gibt es eine Reihe von Proben, bei denen der Artstatus Wolf festgestellt wurde, je- doch kein individuelles Profil ermittelt werden konnte. 5. Falls die Fragen 3 und 4 mit ja beantwortet wurden, von wem wurden die- se Untersuchungen durchgeführt? Siehe Beantwortung zu den Fragen 3 und 4. 6. Gibt es fundierte Kenntnisse über die Herkunft der Wölfe in Mitteldeutsch- land? Wenn ja, bitte ausführen. Gesicherte Aussagen zur Herkunft einzelner Wölfe sind möglich, wenn entwe- der dieselben Individuen bereits vorher erfasst und analysiert wurden, oder wenn aufgrund genetischer Ähnlichkeit eine Zuordnung zu bestimmten Eltern- tieren bzw. einem Rudel möglich ist. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand sind die bisher in Sachsen-Anhalt festge- stellten Wölfe der zentraleuropäischen Flachlandpopulation zuzuordnen. Gesicherte Aussagen zur Rudelzuordnung sind gegenwärtig für das Rudel in der Altengrabower Heide möglich. Für alle weiteren Rudel liegen noch nicht ge- nügend Daten vor. Danach stammt die Fähe aus dem Neustädter Rudel in Sachsen, wo sie 2007 erstmals genetisch erfasst wurde. Der Rüde ist wahr- scheinlich aus Westpolen zugewandert. Alle in Altengrabow geborenen Welpen sind bislang Nachkommen dieses Elternpaares. Im Bereich Göritz-Klepzig wurde ein Wolf nachgewiesen, der erstmals in West- polen (Ołobok) registriert wurde. Ein weiteres dort erfasstes Tier stammt aus dem Welzower Rudel in Sachsen. Der im Jahr 2009 bei Tucheim geschossene Wolf ließ sich bisher keinem der bekannten Rudel zuordnen. 7. Wurden Proben des genetischen Materials der Wölfe aufbewahrt, um ggf. zu einem späteren Zeitpunkt Untersuchungen durchführen zu können? Ja.
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