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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Vertrag mit Elaman über Quellen-TKÜ

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Ausfertigung

Verkündet am: 04.09.2015

VERWALTUNGSGERICHT WIESBADEN

Eingegangen

01. OKT. 2065

J8B Rechtsanwälte
Jaschinski Biere Brex| Partnerschaft mb&

 

URTEIL

IM NAMEN DES VOLKES

In dem Verwaltungsstreitverfahren

Markus Beckedahl,

- Kläger -
bevollmächtigt:
JBB Rechtsanwälte,

Bundesrepublik Deutschland,
vertreten durch das Bundeskriminalamt Wiesbaden,

dieses vertreten durch Präsidenten,
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- Beklagte -

beigeladen:
Firma Elaman GmbH,

bevollmächtigt:
Rechtsanwälte Werner Rausch und Kollegen,

wegen

Datenschutzrecht
(Informationsfreiheitsgesetz)

hat die 6. Kammer des Verwaltungsgerichts Wiesbaden durch

Vorsitzenden Richter
Richterin am VG
Richterin
ehrenamtliche Richterin
ehrenamtlichen Richter

aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 4. September 2015 für Recht erkannt:

Der Bescheid des Bundeskriminalamtes vom 13.01.2015 und der Wider-
spruchsbescheid vom 28.04.2015 werden insoweit aufgehoben, als das Bun-
deskriminalamt verpflichtet wird, den Vertrag über die Erstellung eines Ge-
samtsystems ohne die Schwärzungen der Nrn. 1, 3, 5, 15, 17, 20, 21, 24, 25,
28, 31, 34, 35, 39, 40, 41, 42, 45, bei Nrn. 46 bis 48 nur der Anlagennummern
und bei Nr. 13 mit Ausnahme der Angaben zum Inhalt der Schulung und

Preisangaben und bei Nr. 14 mit Ausnahme der Ankreuzmöglichkeiten, zur
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-3- V e r f ü g u n g zu stellen, wie sie in der Auflistung des Bundeskriminalamtes v o m 07.08.2015 (Bl. 189 - 229 G A ) in d e m dortigen Vertrag gekennzeichnet sind. I Die Kosten des Verfahrens haben Kläger und Beklagte zu je Vi zu tragen. Die außergerichtlichen Kosten trägt die Beigeladene selbst. Die Hinzuziehung eines Bevollmächtigten im Vorverfahren wird für notwendig erklärt. Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der jeweilige Kos- tenschuldner darf die Zwangsvollstreckung durch Sicherheitsleistung oder Hin- terlegung in Höhe der festzusetzenden Kosten a b w e n d e n , falls nicht der j e w e i - lige Kostengläubiger vor der Vollstreckung Sicherheit in derselben Höhe leis- tet. Tatbestand Der Kläger begehrt vollständige ungeschwärzte Auskunft über den durch d a s B e - schaffungsamt des Bundesministeriums des Inneren mit der Firma E l a m a n G m b H geschlossenen Vertrages den „Bundestrojaner" - die Quellen-TKÜ - betreffend. Mit E-Mail v o m 19.11.2014 bat der Kläger d a s Bundeskriminalamt um Ü b e r s e n d u n g des Vertrages mit der Firma Elaman G m b H zur Quellen-TKÜ nach d e m Informations- freiheitsgesetz (IFG), d e m Verbraucherinformationsgesetz und d e m Umweltinforma- tionsgesetz. Mit Bescheid v o m 18.01.2015 w u r d e der Vertrag d e m Kläger zur V e r f ü g u n g gestellt, jedoch wesentliche Teile geschwärzt. Dabei w u r d e im Wesentlichen ausgeführt, dass ein Anspruch auf Informationszugang g e m ä ß § 3 Nr. 1c i.V.m. § 3 Nr. 2 IFG d a n n nicht bestehe, w e n n das Bekanntwerden der Informationen nachteilige A u s w i r k u n g e n auf die innere Sicherheit habe bzw. die öffentliche Sicherheit gefährden könne. Die Einsichtnahme in den vollständigen Vertrag w ü r d e den Erfolg der auf der Quellen- T K Ü basierenden polizeilichen M a ß n a h m e n gefährden, weil R ü c k s c h l ü s s e auf d a s
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-4- v e r w e n d e t e G e s a m t s y s t e m , d e s s e n Hardware, eventuelle Schwachstellen sowie po- lizeiliche Methoden/Einsatztechniken möglich w ä r e n . Dies führe zu einer einge- schränkten W i r k s a m k e i t polizeilicher gefahrenabwehrender sowie strafverfolgender M a ß n a h m e n der Q u e l l e n - T K Ü . Darüber hinaus bestehe ein A n s p r u c h auf Informati- onszugang g e m ä ß § 3 Nr. 4 IFG nicht, w e n n die begehrte Information einer G e h e i m - haltungspflicht unterliege. Vorliegend sei der Vertrag mit der Firma Elaman G m b H als V e r s c h l u s s s a c h e mit d e m Geheimhaltungsgrad „VS - NUR F Ü R D E N D I E N S T G E - B R A U C H " gekennzeichnet. Die formelle Einstufung des Vertrages der Firma Elaman G m b H als V S - N U R FÜR D E N D I E N S T G E B R A U C H gebiete vorliegend nicht schon per se die V e r s a g u n g der begehrten Information. Vielmehr sei auf materieller Ebene eine G e h e i m h a l t u n g nur dort angezeigt, wo tatsächlich den vorgenannten Ver- schlusssachengrad rechtfertigende Ausführungen im Vertrag enthalten seien. Schließlich bestehe g e m ä ß § 6 IFG ein Anspruch auf Informationszugang nicht, so- weit der S c h u t z geistigen Eigentums entgegenstehe. Zugang zu Betriebs- oder G e - schäftsgeheimnissen dürfe nur gewährt w e r d e n , soweit der Betroffene eingewilligt habe. Mit A u s n a h m e weniger Vertragsinhalte habe die Firma Elaman G m b H z u m damaligen Zeitpunkt ihr Einverständnis zur Teilauskunft durch S c h w ä r z u n g gegeben. Insoweit bestehe auch kein Grund für eine weitere Informationsversagung aus Grün- den d e s § 6 IFG. Hiergegen legte der Bevollmächtigte des Klägers mit Schreiben v o m 10.02.2015 W i - derspruch ein. Zur Begründung führte er aus, dass nach S c h w ä r z u n g d e s Vertrages nicht viel m e h r übrig bleibe, als das Formular eines EVB-IT- Standardsystemvertrages. Es sei offensichtlich, dass dies den A n s p r u c h des Klägers auf Informationszugang nicht erfülle. Diverseste Schwärzungen - w e l c h e im Einzel- nen benannt w o r d e n sind - erfüllten nicht den Ausschlusstatbestand der von d e m Bundeskriminalamt a n g e g e b e n sei. S o sei nicht ersichtlich, wie die Hardwarevorga- ben des Bundeskriminalamtes geheim sein sollten. A u s der Kenntnis der Hardware- vorgaben lasse sich für niemanden irgendetwas ableiten, w a s den Einsatz der Quel- len-TKÜ gefährden könnte. Gleiches gelte für die A n p a s s u n g der Standardsoftware, da diese bereits nicht bekannt sei. Mit Widerspruchsbescheid v o m 28.04.2015 w u r d e der Widerspruch zurückgewiesen. Zur Begründung w u r d e im W e s e n t l i c h e n ausgeführt, dass eine weitere Freigabe von
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S c h w ä r z u n g e n nicht erfolgen könne. So w e r d e die öffentliche Sicherheit gefährdet. Sie u m f a s s e die Unversehrtheit der Rechtsprechung und der grundlegenden Einrich- tungen u n d Veranstaltungen des Staates sowie die Individualrechtsgüter der Bürger wie Gesellschaft, Freiheit, Eigentum und sonstige Rechtsgüter. Diesem Schutz der Unversehrtheit der Rechtsordnung unterfielen sachlogisch auch die präventiven und repressiven Vorkehrungen der Behörden. S o seien insbesondere auch sensible ver- waltungsinterne Abläufe und Strukturen vor e i n e m Bekanntwerden zu schützen. Der Vertrag enthalte ausdrückliche Informationen zur Hard- und Software des beim B u n - deskriminalamt eingerichteten Gesamtsystems. Folglich w ü r d e eine Veröffentlichung die Funktionsfähigkeit der Sicherheitsbehörden beeinträchtigen, w o d u r c h eine wirk- s a m e Kriminalitätsverhütung mittels der Quellen-TKÜ und damit die innere bzw. öf- fentliche Sicherheit insgesamt beeinträchtigt w ä r e n . Zur V e r m e i d u n g von Wiederholungen wird im Übrigen insoweit voll inhaltlich auf d e n Inhalt d e s Widerspruchsbescheides (Bl. 63 - 71 der Gerichtsakte) Bezug g e n o m m e n . Mit Schriftsatz seines Bevollmächtigten vom 4. Juni 2015, eingegangen beim V e r w a l - tungsgericht W i e s b a d e n per Digi-Fax am selben Tage, hat der Kläger Klage erhoben. Der Kläger macht geltend, dass der Beklagte nicht eindeutig und nachvollziehbar das Vorliegen von Ausschlussgründen dargelegt habe, so dass diese geprüft werden könnten. Es werde lediglich im Widerspruchsbescheid ausgeführt „Aus dem                         Vertrag sind einzelne          Entwicklungsschritte   und detaillierte   Leistungsmerkmale       ersichtlich. Insbesondere           enthält er kaufmännische      Kalkulationen    in Verbindung  mit    konkreten Leistungen         oder Nichtleistungen.     Diese konkreten,     im Vertrag manifestierten     Wil- lensübereinkünfte             sind eigens im Hinblick auf die Materie der vertraglichen        Vereinba- rungen        grundsätzlich       von einem berechtigten   Interesse    an der Geheimhaltung       des Betroffenen           gedeckt." Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse lägen j e d o c h ebenso wenig vor wie eine G e - f ä h r d u n g der öffentlichen Sicherheit g e m ä ß § 3 Nr. 2 IFG. Es sei nicht ersichtlich, wie d a s B e k a n n t w e r d e n des Vertrages zwischen d e m Beschaffungsamt des Bundesin- nenministeriums und der Firma Elaman G m b H zu einer konkreten Gefahr für die öf- fentliche Sicherheit führen könne. Die vom Bundeskriminalamt g e g e b e n e B e g r ü n - d u n g entziehe sich einer Überprüfung, weil sie nicht ausreichend konkret, sondern
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-6- lediglich pauschal und floskelhaft sei. S o meine das Bundeskriminalamt „Bei Be- kanntwerden           des ungeschwärzten         Vertrages    würden empfindliche    Ausstattungs-  und Einsatzkonzepte           des Bundeskriminalamtes           veröffentlicht'. Dies sei fernliegend. Der Vertrag dürfte keine Ausstattungs- und Einsatzkomponenten enthalten. W a s die S c h w ä r z u n g e n im Einzelnen anbelange, so verweise m a n zur Vermeidung von W i e - d e r h o l u n g e n auf d a s Widerspruchsschreiben vom 10.02.2015. Der Kläger beantragt, 1. d e n Bescheid des Bundeskriminalamtes v o m 13. Januar 2015 und den W i - derspruchsbescheid v o m 28. April 2015 a u f z u h e b e n , soweit der Antrag d e s Klägers auf Informationszugang zurückgewiesen wurde, ferner, die Beklagte zu verpflichten, d e m Kläger den Vertrag zwischen der B u n - desrepublik Deutschland und der Firma Elaman G m b H in ungeschwärzter Form zur V e r f ü g u n g zu stellen; 2. die Hinzuziehung eines Bevollmächtigten im Vorverfahren für notwendig zu erklären. Das beklagte Bundeskriminalamt beantragt, die Klage a b z u w e i s e n . Es verweigerte die Aktenvorlage, weil diese eine V o r w e g n a h m e der Hauptsache be- deute. Insoweit w u r d e lediglich eine Inhaltsangabe b e k a n n t g e g e b e n . Ferner w u r d e mitgeteilt, dass bereits einmal von einem anderen Vertreter des Internetportals „Netzpolitik.org" A u s k u n f t begehrt w o r d e n sei und unter Beteiligung der Firma Ela- m a n G m b H und Einbindung des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in g l e i c h e r w e i s e , w i e vorliegend, der Auskunftsantrag bestands- kräftig beschieden w o r d e n sei. Seitdem habe sich an der S a c h - und Rechtslage nichts geändert. Ein weiterer A n s p r u c h auf Informationszugang bestehe nicht. Die Veröffentlichung der ungeschwärzten vertraglichen Vereinbarungen w ü r d e aufgrund der verminderten (bzw. nicht mehr v o r h a n d e n e n ) Einsatzfähigkeit der Q u e l l e n - T K Ü zu einer erheblichen Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit führen. Bei der
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Q u e l l e n - T K U handele es sich um eine verdeckte polizeiliche Einsatzmaßnahme, de- ren technische Funktionsweise aus einsatztaktischen und polizeilichen Gründen nicht offen gelegt w e r d e n dürfe. Mit Beschluss v o m 08.07.2015 w u r d e die Firma Elaman G m b H d e m Verfahren bei- geladen. Unmittelbar vor d e m anberaumten Termin zur mündlichen Verhandlung meldete sich der Vertreter der Beigeladenen. Er macht zunächst geltend, dass ein Rechtschutzin- teresse fehle. D e n n vorliegend w e r d e von der gleichen Institution das Rechtsschutz- ziel verfolgt. Die wiederholende Stellung gleichförmiger Anträge, die auf das gleiche Interesse gerichtet seien, verstoße gegen das Schikaneverbot. Die Klage sei auch unbegründet. Die Vertraulichkeit e r g e b e sich aus den allgemei- nen Grundsätzen des Vergaberechts. Danach hätten die Nachprüfungsinstanzen stets eine a m konkreten Einzelfall orientierte A b w ä g u n g zwischen d e m Recht auf w i r k s a m e n Rechtsschutz und d e m Recht von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen v o r z u n e h m e n . Dabei sei insbesondere das Hauptziel d e s Kartellvergaberechts, die Herstellung und W a h r u n g eines fairen gemeinschaftsweiten W e t t b e w e r b s zu beach- t e n . Darüber ergäbe sich aus dem Vergaberecht die Pflicht des Auftraggebers zur vertraulichen Behandlung sowohl w ä h r e n d des laufenden Vergabeverfahrens, als a u c h nach A b s c h l u s s des Vergabeverfahrens. A u c h seien sämtliche Bestandteile des Vertrages, die sich auf die Preiskalkulation auswirkten, nach § 6 IFG geschützt. Im vorliegenden Verfahren sei eine Beteiligung durch die Beklagte nicht erfolgt. In- soweit sei allenfalls ein Verbescheidungsurteil möglich. Unabhängig d a v o n seien sämtliche g e s c h w ä r z t e n Passagen Gegenstand der individuellen Preiskalkulation. Die Beigeladene hat keinen Antrag gestellt. A u f Aufforderung d e s Gerichtes legte das beklagte Bundeskriminalamt eine Auflis- tung zu d e n einzelnen Schwärzungen des Vertrages vor, in der festgehalten wurde, o b der V e r s a g u n g s g r u n d ein Betriebs- und Geschäftsgeheimnis nach § 6 IFG sei o d e r ob Sicherheitsgründe g e m ä ß § 3 Nr. 1c i.V.m. § 3 Nr. 2 und § 3 Nr. 4 IFG gege-
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-8- ben seien. D a z u wurde jeweils eine knappe Begründung in einer Auflistung a b g e g e - b e n , w e l c h e allerdings eine substantiierte Tiefe vermissen lässt. Die vorgelegte Auflistung und der geschwärzte Vertragstext wurden im R a h m e n der mündlichen Verhandlung im Einzelnen zu jeder einzelnen Schwärzung erörtert. W e g e n der w e i t e r e n Einzelheiten wird im Übrigen auf die Gerichtsakte und auf das Protokoll d e r mündlichen Verhandlung Bezug g e n o m m e n . Entscheidungsgründe Die Klage ist zulässig. G e m ä ß § 1 A b s . 1 IFG hat jeder nach Maßgabe des Informa- tionsfreiheitsgesetzes g e g e n ü b e r den Behörden des Bundes einen Anspruch auf Z u - g a n g zu amtlichen Informationen. Der Kläger ist eine Individualperson. Daran ändert sich auch nichts, als er mit einer Organisation verbunden ist, aus der bereits eine andere P e r s o n einen Antrag auf Auskunft gestellt haben soll. Insoweit ist der A u s - kunftsanspruch nicht verwirkt. Dies mit der Folge, dass der Auskunftsanspruch und damit die Klage zulässig ist. Die Klage ist auch in d e m im Tenor enthaltenen Umfang begründet. Das Bundeskri- minalamt verfügt über d e n streitgegenständlichen Vertrag, welcher v o m Beschaf- f u n g s a m t d e s Bundesministeriums des Inneren (BMI) und der Beigeladenen ge- schlossen w o r d e n ist. Insoweit ist das Bundeskriminalamt eine zur Auskunft verpflich- tete B e h ö r d e g e m ä ß § 1 A b s . 1 IFG. Auch ist der Kläger als natürliche Person „Je- der" im S i n n e des Gesetzes und damit anspruchsberechtigt. Dem steht a u c h der Einwand des Vergaberechtes nicht e n t g e g e n . Vorliegend handelt es sich u m kein Vergabeverfahren. O b und inwieweit ein Vergabeverfahren durchge- führt w o r d e n ist, ist anhand der spärlichen Informationen durch das beklagte Bun- deskriminalamt und der Beigeladenen nicht erkennbar. Soweit vergaberechtliche B e - denken von Seiten des Beschaffungsamtes beim BMI bestanden hätten, hätte dieses im R a h m e n der internen Beteiligung gegenüber der Beklagten die entsprechenden B e d e n k e n geltend m a c h e n m ü s s e n . Dass dies erfolgt ist, ist offensichtlich nicht der
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Fall. Das beklagte Bundeskriminalamt lässt insoweit jegliche Informationen vermis- s e n . Daraus kann das Gericht nur schließen, d a s s ein Vergabeverfahren im eigentli- chen Sinne nicht stattgefunden hat und w e n n , d a s s das Vergabeverfahren abge- schlossen ist. Dabei ist zu beachten, dass es nach den vergaberechtlichen Vorschriften keine Vor- schrift zu Informationsansprüchen nach d e m Vergabeverfahren gibt. Z w a r regelt § 14 A b s . 3 V O L / A 2009, dass die A n g e b o t e und ihre Anlagen sowie die Dokumentation über die Angebotsöffnung auch nach Abschluss des V e r g a b e v e r f a h - rens sorgfältig zu verwahren und vertraulich zu behandeln seien. Die V e r g a b e - und V e r t r a g s o r d n u n g für Leistungen - Teil A enthält aber nichts über die Vertraulichkeit d e s sich aus d e m Verfahren ergebenden Vertrags. Insoweit ist eine Kollision z u m Informationsfreiheitsgesetz des Bundes gerade nicht g e g e b e n . Vergabebeteiligt ist auch nicht das Bundeskriminalamt. Für die Zeit nach Abschluss des V e r g a b e v e r f a h - rens - so überhaupt eines stattgefunden hat - ist das Vergaberecht für die vorliegen- de Konstellation normativ aussagelos, dies mit der Folge, d a s s § 1 A b s . 3 IFG keine Sperrwirkung entfalten kann. Die Rechte der Beigeladenen werden vielmehr dadurch geschützt, d a s s , soweit Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse gegeben sind, diese nur mit Einwilligung des Betroffenen (Beigeladene) mitgeteilt werden dürfen (§ 6 Satz 2 IFG). Dass eine entsprechende Beteiligung der Beigeladenen in d e m vorliegenden A u s - kunftsantragsverfahren wohl im Verwaltungsverfahren durch das Bundeskriminalamt nicht erfolgte (trotz § 8 IFG - Verfahren bei Beteiligung Dritter), führt nicht dazu, dass d a s Gericht nicht durchentscheiden kann. Denn die Beigeladene hatte im Gerichts- verfahren ausreichend Gelegenheit ihr schutzwürdiges Interesse am A u s s c h l u s s des Informationszugangs darzulegen. D e m Z u g a n g zu dem Dokument stehen j e d o c h teilweise Ausschlussgründe entge- g e n . Nach d e n Ausführungen der Beklagten und des Beigeladenenvertreters in der mündlichen Verhandlung unterliegen zur Überzeugung des Gerichtes einzelne Punk- te des vorliegenden Vertrages d e m Schutz g e m ä ß § 3 Nr. 1c IFG bzw. den Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen g e m ä ß § 6 Satz 2 IFG.
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- 10- Soweit sich die Beklagte auf § 3 Nr. 4 IFG (Geheimnis) beruft, erkennt diese selbst bereits im W i d e r s p r u c h s v e r f a h r e n , dass die Kennzeichnung „VS - NfD" nicht zu einer A u s k u n f t s v e r w e i g e r u n g führt. Insoweit reicht die formelle Einstufung als Verschluss- sache vorliegend nicht aus. Begründungen, w a r u m nicht zu veröffentlichende Punkte materiell die Einstufung als Verschlusssache rechtfertigen, hat das Bundeskriminal- a m t nicht vorgetragen. Es fasst die Ablehnungsgründe vielmehr in toto z u s a m m e n in § 3 Nr. 1 c Nr. 2 und Nr. 4 IFG. Jeder Ausschlussgrund ist j e d o c h für sich selbst zu betrachten. Dezidierte Gründe, welche der Streichungen materiell die Einstufung als V e r s c h l u s s s a c h e rechtfertigen, wurden weder schriftsätzlich noch in der mündlichen V e r h a n d l u n g vorgetragen. Der wohl v o n d e m Bundeskriminalamt v o r g e n o m m e n e Umkehrschluss, alles w a s unter § 3 Nr. 1c IFG (Belange der inneren und äußeren Sicherheit) und § 3 Nr. 2 IFG ( B e k a n n t w e r d e n der Informationen, die die öffentliche Sicherheit gefährden kann) falle, führe a u c h zur Verschlusssache, lässt sich aus d e m Gesetz nicht herleiten. Be- lange der inneren oder ä u ß e r e n Sicherheit führen gerade nicht automatisch zu einer Verschlusssache. Diese zu bestimmen, obliegt vielmehr der zuständigen Behörde anhand objektiver Kriterien. Mithin liegt zur Überzeugung des Gerichtes kein Verwei- gerungsgrund des § 3 Nr. 4 IFG vor. Gleiches gilt auch für § 3 Nr. 2 IFG (Bekanntwerden der Informationen, das die öf- fentliche Sicherheit gefährden kann). Denn zu keinem der benannten Punkte hat das Bundeskriminalamt darlegen können, dass das Bekanntwerden der Informationen die öffentliche Sicherheit gefährden kann. Eine konkrete Gefährdung eines Schutzgutes und w e n n j a , welches, hat das Bundeskriminalamt nicht dargelegt. Dass bei Be- kanntwerden näherer Informationen über den „Bundestrojaner" dies zur Folge haben könnte, dass dieser möglicherweise in der bisherigen Form nicht oder nicht mehr eingesetzt w e r d e n kann, führt nicht zu einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit als konkrete Gefahrenlage, sondern lediglich d a z u , dass dieses Instrument als Er- mittlungsmethode in dieser F o r m , wie sie vorliegend vereinbart w o r d e n ist, ausfällt. Dass diese Ermittlungsmethode aktuell zur A b w e h r einer konkreten Gefahrenlage eingesetzt wird, hat das Bundeskriminalamt nicht dargetan; eine konkrete Darlegung, inwieweit ein zukünftiger Einsatz des Instrumentariums eine konkrete Gefahrenlage
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