Gutachten Folgekosten Braunkohleausstieg - Anlage 2
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® Verwendung Beschreibung Quelle Anlagen zum Antrag der wasserrechtli- chen Erlaubnis zur Fortsetzung der https://www.fragdenstaat.de 29 Grundlage Modellierung Entnahme und Ableitung von Grund- Geologie wasser für die Entwässerung des Tage- Informationen, Dokumente, Fachwissen aus baus Hambach im Zeitraum 2020-2030 der Projektgruppe (April 2019) Validierung und Prüfung der bergbau- bedingten Rückstellungen für die allgemeine Informationen Gutachten (Clausthal, 1. Juni 2017) Braunkohlentagebaue, Altstandorte und und Planungsparameter Prof. Dr.-Ing. habil. H. Tudeskhi30 Kraftwerksreststoffdeponien der RWE power AG 3.3 Geologisches Modell Die Entwicklungsbasis für das geologische Modell wird aus der Kombination von Geodaten der Lan- desvermessung NRW (DGM1, Modellierung der Tagesoberfläche) mit den in Kapitel 3.2 genannten Anlagen des Antrags für die wasserrechtliche Erlaubnis gebildet. Während die Geodaten der Landes- messung NRW bereits georeferenziert sind, werden die Pläne der Anlagen gescannt, georeferenziert und von 2-D-Daten zu 3-D-Daten transformiert. Grundsätzlich gliedert sich die Erstellung eines geologischen Blockmodells in drei aufeinanderfol- gende Phasen. Datensichtung, -aufbereitung und -analyse bilden einschließlich einer Plausibilitäts- prüfung die Datenbasis der ersten Phase. Das Ergebnis der ersten Phase besteht aus 3-D-georeferen- zierten geologischen Stützpunkten als Ergebnis (zum Beispiel 3-D-Schnitte oder Positionen im Bö- schungssystem). 31 Im Verlauf der zweiten Phase werden die Liegend- und Hangendflächen der einzelnen Schichten entwickelt und im sogenannten Schichtenmodell zusammengefasst. Auf dessen Grundlage kann in der dritten Phase innerhalb des geologischen 3-D-Blockmodells jedem Block ein entsprechender Ma- terialwert (geologische Schicht) zugewiesen werden. Die Erstellung der Schichtgrenzen erfolgt ab- hängig von den geologischen Verhältnissen der Lagerstätte und der räumlichen Dichte der geologi- schen Datenbasis entweder durch einfache lineare Funktionen oder entsprechende komplexe geosta- tistische Interpolationsverfahren. Bei der Modellierung der geologischen Schichten im Bereich des Braunkohlentagebaus Hambach werden aufgrund der geringen Datendichte unterschiedliche Methoden der statistischen Analyse 29 Open Knowledge Foundation Deutschland e.V.: https://fragdenstaat.de/blog/2019/08/01/rwe-grundwasser-tagebau- hambach-abpumpen/ [Letzter Zugriff: 20.11.2019] 30 Tudeskhi 2017 31 Schichtgrenzflächen oberhalb einer Schicht (Hangendfläche) und unterhalb einer Schicht (Liegendfläche) - 14 -
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® räumlich referenzierter Daten kombiniert. Grundlage der Modellierung des Abraumkörpers wie auch der Braunkohlenflöze ist ein distanzbasiertes, gewichtetes Interpolationsverfahren, das sogenannte Inverse-Distance-Weighting (Inverse Distanzwichtung). Dabei wird ein bestimmtes Attribut, wie zum Beispiel Materialklassifizierung, chemischer Analysewert oder auch sein Höhenwert, invers pro- portional zu seiner Entfernung zum geschätzten Punkt gesetzt. 3.4 Allgemeine Aspekte der Tagebauplanung Der Braunkohlentagebau Hambach grenzt im Nordosten an die Stadt Elsdorf, im Süden an Kerpen (Stadtteil Manheim, Buir) sowie an die Städte Düren und Niederzier (Kreis Düren). Im Nordwesten des Tagebaus schließt sich die zum größten Teil schon rekultivierte Sophienhöhe als ehemalige Ab- raumhalde an (Anlage 2.3). Für die Planung der Gewinnungsseite werden vier Szenarien entwickelt. Die oberste Prämisse für alle Abbauszenarien ist der Erhalt des Hambacher Forstes, so wie dieser zum Zeitpunkt der Erstellung des vorliegenden Gutachtens existiert. Es werden mehrere Berechnun- gen beziehungsweise Abschätzungen für die Gewinnungsseite mit unterschiedlichen Generalbö- schungsneigungen durchgeführt. Auf Basis des Szenarios B-2, das als Äquivalent für das im Gutach- ten beschriebene Ausstiegsszenario 1 für den Braunkohlentagebau Hambach übernommen wurde, wird anschließend die Abraumseite des Tagebaubetriebes modelliert. Um der komplexen Aufgabenstellung, die sich aus den behördlichen wie auch gesellschaftlichen Vor- gaben beziehungsweise Erwartungen für die Weiterführung des Braunkohlentagebaus Hambach ergibt, gerecht zu werden, wird die Planung der Abraumseite in insgesamt fünf Module aufgeteilt (Anlage 2.2). Jedes dieser fünf Module behandelt und dokumentiert einen wesentlichen Planungsas- pekt, den die Projektgruppe identifiziert hat. Modul 1 beinhaltet den möglichen Aufbau der Innenkippe sowie des wahrscheinlich notwendigen Depots für die Zwischenlagerung von Abraum zur späteren Modellierung der Tagebauendböschung. Die Modellierung des Endböschungssystems im Osten des Tagebaus im Bereich Elsdorf erfolgt in- nerhalb des Modul 2. Das durch die Standsicherheit geforderte Auflager analog zum Braunkohlenta- gebau Inden wird in Modul 3 modelliert. Die Module 4 und 5 beinhalten neben der Entwicklung eines Abraumbetriebes zur Förderung zusätzlicher für den Tagebauendstand notwendiger Massen (Ab- raumbetrieb Manheim) auch die Notwendigkeit zur Lieferung von Abraummassen zur Restverfüllung des ausgelaufenen Tagebaus Fortuna. Die Module 1 bis 3 unterteilen sich in die Untermodule a bis e, die jeweils für ein bestimmtes Szenario aufeinander abgestimmt sind (Kapitel 3.12 bis 3.14). Die Module 4 und 5 müssen entsprechend ihrer Untermodule mit dem Gesamtergebnis aus den Modulen 1 bis 3 kombiniert werden. Für weitere, nur auf den Förder- und Abraumbilanzen der einzelnen - 15 -
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® Untermodule aufbauende Analysen können die Untermodule frei kombiniert werden. Für Volumen- beziehungsweise Massenausgleich in der Förder- und Abraumgesamtbilanz müssen gegebenenfalls die Werte für die Innenkippe beziehungsweise das Abraum-Depot angepasst werden. Im Rahmen der vorliegenden Bergbauplanung werden beispielhaft drei Kombinationsmöglichkeiten der Module komplett durchgeplant und dargestellt. Dabei handelt es sich um die Module 1b bis 3b (Kapitel 3.12, Blatt 1 der Anlagen 2.6 und 2.7), die Module 1d bis 3d (Kapitel 3.13, Blatt 2 der An- lagen 2.6 und 2.7) sowie um die Module 1e bis 3e (Kapitel 3.14, Blatt 3 der Anlagen 2.6 und 2.7). Eine Übersicht über aller Module und Untermodule sowie die dazugehörigen Förder- und Abraum- bilanzen ist Anlage 2.2 zu entnehmen. 3.5 Gewinnungsseite Die Generalneigung der aktuellen Gewinnungsböschung des Braunkohlentagebaus Hambach liegt bei rund 1 : 7, die aus Grundlage des DGM1 ermittelt worden. Die Planung des Braunkohlenabbaus wird im Osten des Tagebaus durch die Abbaugrenze und im Süden durch den Hambacher Forst be- grenzt. Im Südwesten beziehungsweise Westen des zukünftigen Abbaugebietes ergeben sich durch die vorhandene Infrastruktur (Gleisanbindung und Verladebahnhof etc.), durch mitzuführende Gurt- bandförderanlagen zum Transport der geförderten Kohlen und des Abraums sowie durch den not- 32 wendigen Anschluss an den Bandsammelpunkt räumliche Einschränkungen (Anlage 2.6, Blatt 4). Für den Abbau der Braunkohlen beziehungsweise für die Ausgestaltung der Gewinnungsböschung werden im Rahmen des vorliegenden Gutachtens vier Szenarien geplant. Ein Mindestabstand von 25 Meter an der schmalsten Stelle zwischen der Tagebauendböschung und dem Waldrand des Hamba- cher Forstes wird bei allen vier Szenarien eingehalten. Dieser Abstand ist innerhalb der Projektgruppe als Kompromiss zwischen Erhalt des Waldes und Maximierung der Kohlenförderung gewählt wor- den. Eine Verkleinerung des Abstandes zwischen der Böschungsoberkante und dem Waldrand wird mit großer Wahrscheinlichkeit Schäden an den noch vorhandenen Bäumen hervorrufen, eine Vergrö- ßerung des Abstandes hat direkten Einfluss auf die abbaubare Kohlenmenge. Im Rahmen des Szenarios A-1 (Anlage 2.4, Blatt 1) wird die abbaubare Kohlenmenge durch eine Steilerstellung der Gewinnungsfront maximiert. Zum Zeitpunkt der Einstellung der Kohlenförderung in Szenario A-1 beträgt die Generalböschungsneigung 1 : 3 (Hambacher Forst). Dieses Szenario wird aufgrund der hohen Abraummenge, die für die im Rahmen der Rekultivierung notwendigen 32 Gurtbandförderanlagen-Knotenpunkt, an dem alle Gurtbandförderanlagen zusammenlaufen, um die ankommenden Ma- terialen flexibel auf die Absetzer auf der Innenkippe beziehungsweise in die Kohlenbunker zu verteilen - 16 -
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® Abflachung der Gewinnungsböschung bis zur einer Generalneigung von 1 : 5 gebraucht wird und wahrscheinlich nicht zur Verfügung steht, nicht weiter berücksichtigt. Das Kernelement der Szenarien B-1 bis B-3 ist eine Gewinnungsböschung mit einer Generalneigung 33 in Höhe von rund 1 : 5. Dabei werden im Rahmen des Szenarios B-1 zunächst alle Sohlen auf eine maximale Breite von 100 Meter verkleinert. Die Sohlenanzahl und die Gewinnungsart (Hoch- oder Tiefschnitt) auf den einzelnen Sohlen werden bei diesem Szenario beibehalten (Anlage 2.4, Blatt 2). Bei Szenario B-2 werden die Ergebnisse des Szenario B-1 durch die Steilerstellung der Kohlensohlen im unteren Bereich der Gewinnungsböschung optimiert (Anlage 2.4, Blatt 3). Dies betrifft vor allem 34 den Bereich des Tagebautiefsten im Südosten des Tagebaus. In diesem Bereich wird für alle Koh- lensohlen die Generalböschungsneigung auf 1 : 3 erhöht. -348m NHN Bandsammelpunkt Abbildung 3: Tagebauendstand Hambach (Gewinnungsseite, Szenario B-2) Auf die Standsicherheit des Tagebauendstandes hat diese Steilerstellung der unteren Böschungssys- teme keinen Einfluss, da dieser Bereich durch die anschließende Rekultivierung und die damit ein- hergehende Aufschüttung im östlichen Böschungssystem (Elsdorf-Böschung) überschüttet wird. Ab- bildung 3 zeigt die konstruierte Gewinnungsböschung des Szenarios B-2. Aufgrund fehlender detaillierter geologischer Daten und Informationen wird auf eine weitere Opti- mierung des Szenarios B-2 mithilfe von CAD-Programmen verzichtet. Auf Basis der vorliegenden 33 horizontale Fläche im Tagebau, auf der bergbauliche Tätigkeiten durchgeführt werden im Gegensatz zur Berme, die als horizontale Fläche im Tagebau nicht mehr aktiv genutzt wird 34 tiefster Punkt eines Tagebaus - 17 -
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® geologischen Daten ist die Erschließung weiterer Kohlenmengen ohne Auswirkungen auf den Ham- bacher Forst durch das Eindrehen (Schwenken) des Tagebauaus mit einer großen Wahrscheinlichkeit möglich. Der Drehpunkt würde dabei in Höhe des nordöstlichen Randes des Hambacher Forstes lie- gen, das Böschungssystem würde sich im Uhrzeigersinn in Richtung des Stadtteils Manheim bewe- gen. Im Rahmen des Gutachtens wird das Optimierungspotential für die Definition des Szenarios B-3 auf rund 5 Prozent der Kohlenförderung des Szenarios B-2 geschätzt. Das Szenario B-2 beziehungsweise die Schätzungen für das Szenario B-3 bilden die Basis für das Ausstiegsszenario 1. Tabelle 6: Förder- und Abraumbilanz (Basis 01/2016) Braunkohlengewinnung Abraumförderung Szenario [Mio. fm³] [Mio. t] [Mio. fm³] [Mio. tm³] [Mio. lm³] A-1 373,4 429,4 1 496,7 1 945,7 1 571,5 B-1 255,2 293,5 1 162,2 1 510,9 1 220,3 B-2 263,2 302,7 1 162,2 1 510,9 1 200,3 B-3 274,8 316,0 - - - (geschätzt) Tabelle 6 listet die Ergebnisse der Abbauplanung für den Braunkohlentagebau Hambach auf. Weitere Angaben zur Braunkohlengewinnung im Tagebau Hambach sind Anlage 2.2 zu entnehmen. Die Er- gebnisse der Abbauplanung und deren Umrechnung in Locker-Kubikmeter (lm³) bilden die Grund- lage für die Planungen der Innenkippe, des Abraum-Depots sowie aller anderen geometrischen Kom- ponenten des Tagebauendstandes. 3.6 Abraum-Modul 1 - Braunkohlengewinnung und Innenkippe Das Modul 1 ist das Kernelement der Abraumplanungen. Es beinhaltet die Konstruktionen und Er- gebnisse der Innenkippe sowie des für die frühzeitige (außerplanmäßige) Rekultivierung notwendi- gen Abraum-Depots. Um alle notwendigen Voraussetzungen für die Gestaltung des Tagebauendstan- des im Rahmen des Ausstiegsszenario 1 (Szenarien B-2 und B-3) erfüllen zu können, muss der Be- trieb der Innenkippe vom Betreiber umgeplant und der zuständigen Behörde zur Genehmigung vor- gelegt werden. Die Innenkippe verläuft zurzeit noch parallel zur Gewinnungsböschung. Zukünftig muss ein Teil des in der Gewinnung anfallenden Abraums in ein Abraum-Depot, das sich auf der heutigen Innenkippe befindet, für die spätere Rekultivierung umgeleitet werden. Zudem muss die Innenkippe (Regelbetrieb) im östlichen Drittel (Böschung Elsdorf) in einen Schwenkbetrieb überführt werden, damit so viele Abraummassen wie möglich schon während des Normalbetriebes des - 18 -
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® Tagebaus (parallel zur Kohlenförderung) aufgeschüttet werden können und für die Rekultivierung der Ostböschung zur Verfügung stehen. Die Tagebausituation bei Einstellung der Braunkohlenge- winnung (Gewinnungsseite, Innenkippe und Position des Abraum-Depots) ist in Anlage 2.5 darge- stellt. Die Ergebnisse der Berechnung für die Innenkippe, aufteilt in Regel- (parallel zur Gewinnungs- front) und Schwenkbetrieb, sowie die Größe des Abraum-Depots sind in der Anlage 2.2 aufgeführt. Die Volumina des Schwenkbetriebes sind zudem in die einzelnen Sohlen (Absetzerscheiben I bis IV) unterteilt. Die einzelnen Absetzerscheiben sind in Anlage 2.5 deutlich zu erkennen, wobei die unterste Abraumsohle die Absetzerscheibe I ist. 3.7 Abraum-Modul 2 - Ostböschung des Braunkohlentagebaus Für den Bereich der Ostböschung des Braunkohlentagebaus Hambach soll im Bereich der Stadt Elsdorf eine horizontale Fläche im Bereich des Ufers des zukünftigen Tagebaurestsees entstehen. Diese Aussage kann nicht belastbar verifiziert werden, da Gespräche mit dem Betreiber und den zuständigen Behörden nicht möglich waren." Tabelle 7: Breite des zusätzlichen Uferabschnittes (Ostböschung) Untermodul Breite des zusätzlichen Uferabschnittes [m] 2a 500 2b 434 2c 400 2d 313 2e 0 Im Rahmen des Moduls 2 werden deshalb bei der Rekultivierung des Ostböschung mehrere horizon- tale Flächen im Bereich des Ufers des zukünftigen Tagebaurestsees innerhalb der Untermodule 2a bis 2e modelliert. Die in Anlage 2.2 als Vorfeldbreite aufgeführte Breite des Uferabschnittes variiert dabei zwischen 0 Meter bis 500 Meter und wird in Tabelle 7 zusammenfassend als Breite des zusätz- lichen Uferabschnittes gelistet. In Anlage 2.6 wird der Tagebauendstand mit einem Uferabschnitt im Bereich der Ostböschung mit einer Breite von 434 Meter (Anlage 2.6, Blatt 1) beziehungsweise 313 Meter (Anlage 2.6, Blatt 2) dargestellt. Die Planung in Anlage 2.6 (Blatt 3) beinhaltet keinen Uferabschnitt außer der Wellenschlagzone. Die Ergebnisse der Volumenermittlung aller Untermo- dule werden in Anlage 2.2 gelistet. - 19 -
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® 3.8 Abraum-Modul 3 - Standsicherheit der Innenkippenböschung Gemäß den Vorgaben der Standsicherheitsbetrachtungen des vorliegenden Gutachtens soll bei der Modellierung der Tagebauendböschung des Braunkohlentagebaus Hambach für die Innenkippe ein 20 Meter mächtiges Auflager aus fest definiertem Material analog zu den aktuellen Rekultivierungs- plänen für den Braunkohlentagebau Inden berücksichtigt werden. Das Volumen dieses Auflagers va- riiert in Abhängigkeit von der Breite des Uferabschnittes im Bereich der Ostböschung. Die entspre- chenden Volumina werden in Anlage 2.2 gelistet. Da die einzelnen Untermodule untereinander kor- respondieren, lässt sich beispielsweise das Volumen des entsprechenden Auflagers für den Uferab- schnitt mit der Breite von 500 Metern (Untermodul 2a) im Untermodul 3a ablesen. 3.9 Abraum-Modul 4 - Abraumbetrieb Manheim Aufgrund einer möglichen, nicht geplanten frühzeitigen Beendigung der Braunkohlengewinnung im Tagebau Hambach müssen zusätzliche Abraummassen im südöstlichen Vorfeld im Bereich Manheim (Stadtteil von Kerpen, Anlage 2.3) gefördert werden. Der zusätzliche Abraum wird für die Herstel- lung der östlichen Böschung des Tagebauendstandes im Gebiet der Stadt Elsdorf benötigt. Analog zu der Beschreibung des Szenarios B-3 (Gewinnungsseite, Kapitel 3.5) müssen für den Abraumbetrieb Manheim (Modul 4) bis zu drei der obersten Abraumsohlen auf der Gewinnungsseite im Uhrzeiger- sinn Richtung Manheim schwenken. Der Drehpunkt liegt dabei in Höhe des nordöstlichen Randes des Hambacher Forstes. Tabelle 8: Förderzahlen des Abraumbetriebes Manheim Abraumförderung Abraumsohle [Mio. fm³] [Mio. tm³] [Mio. lm³] 1 (oberste Sohle) 179,3 233,1 188,3 2 (mittlere Sohle) 207,4 269,7 217,8 3 (untere Sohle) 108,1 140,5 113,1 Anlage 2.6 stellt die aus bergbautechnischer Sicht aufgrund des Winkels zwischen den Gurtbandför- deranlagen mögliche wie auch zum Schutz des Hambacher Forstes notwendige maximale Ausdeh- nung des Abraumbetriebes dar. Im Osten und Süden begrenzt die genehmigte Abbaugrenze die Ab- raumförderung. Um die Flächeninanspruchnahme des Abraumbetriebes zu minimieren, können wei- tere beziehungsweise alle Abraumsohlen in das Vorfeld in Richtung Manheim einschwenken. Die Lösung mit nur einer Sohle im Abraumbetrieb Manheim beinhaltet bei vergleichbar geringer - 20 -
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® 35 Abraumförderung einen großen Flächenbedarf bei geringer Abbauteufe . Dies kann sich aufgrund einer möglichen Versumpfung dieses Gewässerbereiches zur Gefahr für die Wasserqualität des Ta- gebaurestsees (Anlage 2.6, Blatt 3 und Anlage 2.7, Blatt 3) entwickeln. Bei einem geplanten Wasser- spiegel von +65 Meter NHN beträgt die Wassertiefe im Bereich des Abraumbetriebes nur 10 bis 20 Meter. Daher ist von diesem Lösungsansatz abzuraten. Die Ergebnisse der Ermittlung des Fördervo- lumens für drei Sohlen im Abraumbetrieb Manheim werden in Tabelle 8 und Anlage 2.2 gelistet. 3.10 Abraum-Modul 5 - Restverfüllung Braunkohlentagebau Fortuna Die offizielle Planung des Betreibers für den Braunkohlentagebau Hambach beinhalten auch einen Abraumtransport außerhalb des Tagebaus für die Restverfüllung des bereits stillgelegten Braunkoh- 36 37 lentagebaus Fortuna. Die recherchierten 36 Mio. Locker-Kubikmeter werden im Rahmen des Mo- duls 5 und der Abraumbilanzierung der nachfolgenden Szenarien berücksichtigt. 3.11 Tagebauplanung Szenarien Die Module 1 bis 5 beziehungsweise deren Untermodule können, wie in Kapitel 3.4 beschrieben, für eine erste belastbare Aussage über die Förder- und Abraumbilanzen möglicher Tagebauendstände des Braunkohlentagebaus Hambach frei untereinander kombiniert werden. Die in Anlage 2.2 darge- stellten Volumen- und Massenwerte für die Module basieren auf entsprechenden Tagebauplanungen auf Grundlage der Geodaten der Landesvermessung und dem entwickelten geologischen Modell. Obwohl die Module generell frei kombinierbar sind, sind sie für die Verwendung gleichnamiger Un- termodule optimiert (wie zum Beispiel eine Kombination aus Untermodul 1b, 2b und 3b). Davon abweichende Kombinationen bei der Bilanzierung müssen wahrscheinlich durch die Vergrößerung oder Verkleinerung der Innenkippe, des Abraum-Depots oder des Abraumbetriebes (durch eine wei- tere Abraumsohle) rechnerisch ausgeglichen werden. Als Grundlage für die Berechnungen einer möglichen Größe des verbleibenden Tagebaurestsees werden im Rahmen des vorliegenden Gutachtes drei Szenarien (Tagebauendstände) in Anlage 2.6 dargestellt. Tabelle 9: Übersicht der dargestellten Szenarien (Anlage 2.6) Anlage (Beschreibung) Kombination der Module beziehungsweise Untermodule Anlage 2.6, Blatt 1 (Kapitel 3.12) 1b & 2b & 3b & drei Abraumsohlen (Modul 4) Anlage 2.6, Blatt 2 (Kapitel 3.13) 1d & 2d & 3d & zwei Abraumsohlen (Modul 4) Anlage 2.6, Blatt 3 (Kapitel 3.14) 1e & 2e & 3e & eine Abraumsohlen (Modul 4) 35 Abbautiefe 36 Tudeskhi 2017 37 Tudeskhi 2017, Seite 94 - 21 -
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® Tabelle 9 listet die in Anlage 2.6 dargestellten Szenarien und die Kombination der zugrundeliegenden Module beziehungsweise Untermodule auf. 3.12 Tagebauplanung Szenario B-2 (Untermodule 1b bis 3b, Ausstiegsszenario 1) Das Szenario B-2 (Untermodule 1b bis 3b) ist eine Variante der Ausführungsplanung für das im Rah- men des vorliegenden Gutachtens definierten Ausstiegsszenarios 1 des Braunkohlentagebaus Ham- bach. Kernelement der Abraum- beziehungsweise Rekultivierungsarbeiten dieses Szenarios ist die Auf- schüttung eines 434 Meter breiten Uferstreifens innerhalb des östlichen Böschungssystems (Elsdorf). Alle anderen Abraumarbeiten sind darauf abgestimmt. Im Verlauf der Braunkohlenförderung muss ein Abraum-Depot für rund 287,6 Locker-Kubikmeter auf der aktuellen Innenkippe aufgeschüttet werden, das nach Beendigung der Kohlenförderung für die abschließenden Rekultivierungsarbeiten wieder rückgebaut werden muss. Das Volumen- beziehungsweise Massendefizit innerhalb der Re- kultivierungsarbeiten wird aus drei Abraumsohlen des Abraumbetriebes Manheim gefördert. Die ein- zelnen Planungsergebnisse werden in Anlage 2.2 dargestellt und zusammen mit der Datengrundlage in Tabelle 10 gelistet. Tabelle 10: Abraumbilanz Szenario B-2 (Untermodule 1b bis 3b, Ausstiegsszenario 1) Tagebauendstand (Basis 2016) 1 220 288 475 lm³ ∑ Datengrundlage Datengrundlage38 Innenkippe (Regelbetrieb - 2016) -175 117 403 lm³ -216 812 023 tm³ Innenkippe (Regelbetrieb - 2017) -164 046 623 lm³ -203 105 343 tm³ -697 681 149 lm³ Innenkippe (Regelbetrieb - 2018) -184 096 835 lm³ -227 929 415 tm³ Innenkippe (Regelbetrieb - 2019) -174 420 287 lm³ -215 948 927 tm³ Innenkippe (Schwenkbetrieb ab 2020) -234 979 851 lm³ Aufbau Abraum-Depot -287 627 475 lm³ Elsdorf-Böschung (434 Meter) -645 579 500 lm³ Innenkippe (20-Meter-Auflager) -160 751 400 lm³ Abraumbilanz (Zwischenstand) -806 330 900 lm³ Rückbau Abraum-Depot 287 627 475 lm³ Abraumbetrieb Manheim (3 Sohlen) 519 604 785 lm³ Abraumbilanz 901 360 lm³ 39 Abweichung vom SOLL-Wert 0,05 % 38 Transport-Kubikmeter aus Tabelle 4 / 2019 als Mittelwert der Jahre 2015 bis 2018 39 Soll-Wert: Volumenwerte aus dem Tagebauendstand und dem Abraumbetrieb Manheim - 22 -
Mining Consulting HSEQ Management Energy and Process Engineering FUMINCO Gesellschaft mbH ® Die Größe des Abraum-Depots kann unter der Voraussetzung, dass detaillierte betriebliche Planungs- daten des Betreibers vorliegen, weiter an die Bedürfnisse der Rekultivierungsplanung des Braunkoh- lentagebaus Hambach angepasst beziehungsweise optimiert werden. Alternativ kann die notwendige Kapazität des Abraum-Depots durch die Auffahrung weiterer Abraum-Sohlen im Bereich des Ab- raum-Betriebes Manheim reduziert werden. Der geplante Abraumtransport für die Restverfüllung des Braunkohlentagebaus Fortuna kann entweder durch die Optimierung der Planungen für die Innen- kippe und des Abraumbetriebes Manheim oder durch die Auffahrung einer weiteren Abraumsohle innerhalb des Abraumbetriebes Manheim erfüllt werden. 3.13 Tagebauplanung Szenario B-2 (Untermodule 1d bis 3d, Ausstiegsszenario 1) Das Szenario B-2 (Untermodule 1d bis 3d) ist eine weitere Variante der Ausführungsplanung für das im Rahmen des vorliegenden Gutachtens definierte Ausstiegsszenario 1 des Braunkohlentagebaus Hambach. Tabelle 11: Abraumbilanz Szenario B-2 (Untermodule 1d bis 3d, Ausstiegsszenario 1) Tagebauendstand (Basis 2016) 1 220 288 475 lm³ ∑ Datengrundlage Datengrundlage40 Innenkippe (Regelbetrieb - 2016) -175 117 403 lm³ -216 812 023 tm³ Innenkippe (Regelbetrieb - 2017) -164 046 623 lm³ -203 105 343 tm³ -697 681 149 lm³ Innenkippe (Regelbetrieb - 2018) -184 096 835 lm³ -227 929 415 tm³ Innenkippe (Regelbetrieb - 2019) -174 420 287 lm³ -215 948 927 tm³ Innenkippe (Schwenkbetrieb ab 2020) -219 292 600 lm³ Aufbau Abraum-Depot -303 314 726 lm³ Elsdorf-Böschung (313 Meter) -529 778 200 lm³ Innenkippe (20-Meter-Auflager) -163 585 000 lm³ Abraumbilanz (Zwischenstand) -693 363 200 lm³ Rückbau Abraum-Depot 303 314 726 lm³ Abraumbetrieb Manheim (2 Sohlen) 406 090 755 lm³ Abraumbilanz 16 042 281 lm³ 41 Abweichung vom SOLL-Wert 0,99 % Kernelement der Abraum- beziehungsweise Rekultivierungsarbeiten dieses Szenarios ist die Auf- schüttung eines 313 Meter breiten Uferstreifens innerhalb des östlichen Böschungssystems (Elsdorf). Alle anderen Abraumarbeiten sind darauf abgestimmt. Im Verlauf der Braunkohlenförderung muss 40 Transport-Kubikmeter aus Tabelle 4 / 2019 als Mittelwert der Jahre 2015 bis 2018 41 Soll-Wert: Volumenwerte aus dem Tagebauendstand und dem Abraumbetrieb Manheim - 23 -