Entwicklungen der Impfungen in Schleswig-Holstein
4. Gelbfieber Krankheit Gelbfieber Erreger Gelbfieber-Virus, ein Flavivirus, Übertragung durch Stechmücken (Aedes) Inkubationszeit 3-6 d Diagnostik IgM-, IgG-Antikörper Meldepflicht seit Einführung des IfSG (2001) namentliche Labor-Meldepflicht Epidemiologie Deutschland 2001-2018 insgesamt 3 Meldungen, nicht in Schleswig-Holstein 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 D 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 3 Therapie symptomatisch Prophylaxe Expositionsprophylaxe, Moskitonetz, Repellentien Impfstoff Lebendimpfstoff 17D; WHO-Gelbfieber-Impfstellen; einmalige Impfung, Zertifikat ist lebenslang gültig Impfindikationen Reise-Indikation: vor Aufenthalt in Gelbfieber-Endemiegebiete im tropischen Afrika und Südamerika; ggf. Voraussetzung zur Einreise oder zum Transit; Berufliche Indikation bei Tätigkeiten mit Kontakt mit Gelbfieber-Virus Impfquoten keine Erfassung, selten Bewertung Tropen, zuletzt besonders in Angola und Brasilien; keine Gefährdung in Schles- wig-Holstein 4
5. Grippe, Influenza Krankheit Virusgrippe, Influenza Erreger Influenza-A-Viren, v.a. H1N1, N3N2; Influenza-B-Viren, v.a. Victoria- und Yama- gata-Linien; ggf. auch neue, pandemische oder Stämme der aviären Influenza Inkubationszeit 1-2 d Diagnostik RT-PCR aus Nasen-/Rachen-Abstrich gegenüber Antigentest zu bevorzugen, Antikörper-Teste in der Akutsituation nicht nützlich Meldepflicht seit Einführung des IfSG (2001) namentliche Labor-Meldepflicht Epidemiologie Deutschland 2001-2018 insgesamt 893.490, in SH insg. 22.526 Meldungen 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 3.797 1.558 1.482 1.636 2.438 8.816 72 54 332 70 364 174 387 242 99 833 79 93 D 2.493 2.577 8.490 3.496 12.737 3.805 18.906 14.857 3.471 7.511 175.661 43.767 11.575 70.214 77.804 65.852 96.000 274.274 Therapie bei Risikopatienten Neuraminidase-Inhibitoren Prophylaxe Händehygiene, Kontakte meiden; Neuraminidase-Inhibitoren bei Kontakt-Perso- nen zur Prophylaxe nosokomialer Infektionen Impfstoff inaktivierter, quadrivalenter Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination (A: H1N1, H3N2; B: Victoria, Yamagata). Kinder/Jugendli- che von 2-17 Jahren können ersatzweise mit attenuiertem Lebendimpfstoff geimpft werden. Impfindikationen In Schleswig-Holstein besteht eine allgemeine Impfempfehlung für die gesamte Bevölkerung. Jährliche Impfung im Herbst empfohlen. Standardimpfung für Personen ≥ 60. Alle Schwangeren ab 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab 1. Trimenon. Personen ab 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens; mit angeborener oder erworbener Immundefizienz mit Restfunk- tion bzw. Immunsuppression; HIV-Infektion; in Alters- oder Pflegeheimen. Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können. Berufliche Indikation: Personen mit erhöhter Gefährdung, z. B. medizinisches Personal, in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr, Personen, die als Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können; Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln. Reiseindikation: für Reisende ab 60 generell empfehlenswert, für andere Rei- sende nach Risikoabwägung sinnvoll. Epidemische Indikation: Wenn eine schwere Epidemie droht und der Impfstoff die neue Variante enthält. Impfquoten keine umfassende Erfassung, ca. 20-30%, steigende Tendenz Bewertung hoch relevante, epidemisch auftretende Krankheit. Steigerung der jährlichen Impfquoten wesentlich, besonders bei Krankenhauspersonal. 5
6. Haemophilus influenzae, invasive Erkrankungen Krankheiten Sepsis, Meningitis (invasive Infektionsformen), Pneumonie, Epiglottitis, Myositis Erreger Haemophilus influenzae, bekapselt (a-f) oder nicht bekapselt Inkubationszeit 2-5 d Diagnostik kulturelle Anzucht aus Atemwegs-Materialien Meldepflicht seit Einführung des IfSG (2001) namentliche Labor-Meldepflicht nur für invasive Infektionen, die aus Blut oder Liquor nachgewiesen wurden Epidemiologie Deutschland 2001-2018 insgesamt 5.424, in SH insgesamt 166 Meldungen 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 0 3 1 4 5 3 3 8 7 0 6 7 13 12 18 19 30 27 D 77 55 77 68 70 121 93 152 186 211 274 325 418 461 546 627 811 852 Therapie Ceftriaxon, Cefotaxim, Cefuroxim ggf. auch Ampicillin/Clavulansäure, Azithro- mycin, Clarithromycin, Fluorchinolone. Prophylaxe bei Kontakt: Chemoprophylaxe durch Rifampicin Impfstoff Haemophilus influenzae Typ b, Kapselpoysaccharid (Hib) Grundimmunisierung: 4 Dosen im Lebensmonat 2, 3, 4 und 11-14 meist zu- nächst als Sechsfach-Impfstoff (Diphtherie, Pertussis, Tetanus, Polio, Haemo- philus influenzae b, Hepatitis B). ® Nachholimpfung: einmalige Hib-Impfung (Act-Hib ) mit 1-4 Jahren; ab 5 Jahren Hib-Impfung nur in Ausnahmefällen Impfindikationen Indikationsimpfung: Personen mit anatomischer oder funktioneller Asplenie (z.B. Sichelzellanämie). Impfquoten D 92,6%, SH 91,8% (Schuleingangsuntersuchung 2016) Bewertung Impfung im Kindesalter wesentlich zur Vermeidung schwerer, invasiver Erkran- kungen. 6
7. Hepatitis A Krankheit Hepatitis A Erreger Hepatitis-A-Virus Inkubationszeit 25-30 (15-50) d Diagnostik HAV IgM aus Serum; HAV-RNA aus Stuhl und/oder Plasma Meldepflicht seit Einführung des IfSG (2001) namentliche, klinische und Labor-Meldepflicht Epidemiologie Deutschland 2001-2018 insgesamt 20.248, in SH insgesamt 564 Meldungen 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 77 44 48 38 39 35 31 21 27 17 17 20 16 21 30 23 22 38 D 2.276 1.481 1.370 1.941 1.219 1.231 1.075 1.234 1.043 939 928 791 833 832 779 682 857 737 Therapie symptomatisch Prophylaxe Hände- und Lebensmittel-Hygiene, Postexpositionsprophylaxe mit monovalen- tem HAV-Impfstoff Impfstoff Totimpfstoff: inaktiviertes Hepatitis-A-Virus, als monovalenter Impfstoff oder in Kombination mit der Hepatitis B Grundimmunisierung mit monovalentem Hepatitis-A-Impfstoff mit zwei Dosen im Abstand von 6-12 Monaten. Grundimmunisierung mit Kombinationsimpfstoff mit 3 Impfstoffdosen im Abstand 0, 1 und 6 Monaten. Impfindikationen Personen mit erhöhtem sexuellen Expositionsrisiko; z.B. MSM; Personen mit häufiger Übertragung von Blutbestandteilen, z.B. i.v.-Drogen-Konsumierende, Hämophile, oder mit Krankheiten der Leber; BewohnerInnen von psychiatri- schen Einrichtungen oder vergleichbare Einrichtungen. Berufliche Indikation: erhöhtes berufliches Expositionsrisiko, inkl. Auszubilden- de, PraktikantInnen, Studierende und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Expositionsrisiko in folgenden Bereichen: Gesundheitsdienst, Sanitäts- und Rettungsdienst, Küche, Labor, technischer und Reinigungsdienst, psychiatri- sche und Fürsorgeeinrichtungen; Personen mit Abwasserkontakt, z.B. in Kana- lisationseinrichtungen und Klärwerken Beschäftigte; Tätigkeit in Kindertages- stätten, Kinderheimen, Behindertenwerkstätten, Asylbewerberheimen u. a. Reiseindikation: Reisende in Regionen mit hoher Hepatitis-A-Inzidenz Impfquoten keine umfassende Erfassung Bewertung in Deutschland selten, im Jahr 2018 besonders als Lebensmittelinfektion durch kontaminierte, gefrorene Erdbeeren 7
8. Hepatitis B Krankheit Hepatitis B, akute Hepatitis B, Zirrhose, Leberzellkarzinom Erreger Hepatitis-B-Virus, hoch ansteckend bei parenteralen Kontakten Inkubationszeit 60-120 (45-180) d Diagnostik HBs-Antigen, anti-HBc, HBV-Viruslast Meldepflicht seit Einführung des IfSG (2001) namentliche, klinische und Labor-Meldepflicht Epidemiologie Deutschland 2001-2018 insgesamt 28.154, in SH insgesamt 747 Meldungen, seit 2015 nur aufgrund von Laborbefunden, ohne klinische Kriterien 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 49 33 31 32 27 34 27 25 21 21 24 13 12 16 52 87 105 138 D 2.301 1.424 1.314 1.275 1.238 1.189 1.005 2.026 3.040 3.555 4.508 823 754 770 807 676 693 756 Therapie primär PEG-IFN-alpha; ansonsten nukleosidische und nukleotidische Polymera- se-Inhibitoren Prophylaxe Latex-Produkte zur Prävention der sexuellen Übertragung, sichere Nadeln und Instrumente zur Prävention der Nadelstichverletzung Impfstoff in Hefezellen rekombinant hergestelltes HBs-Antigen, häufig mit HAV Grundimmunisierung: 4 Dosen im Lebensmonat 2, 3, 4 und 11-14 meist zu- nächst als Sechsfach-Impfstoff (Diphtherie, Pertussis, Tetanus, Polio, Haemo- philus influenzae b, Hepatitis B). Bei Personen, die in der Kindheit gegen Hepatitis B geimpft wurden, sollte eine HB-Auffrischimpfung durchgeführt werden, wenn für diese Person ein neu auf- getretenes Hepatitis-B-Risiko besteht (z.B. Aufnahme einer Beschäftigung im Gesundheitsdienst). Anschließend soll eine serologische Kontrolle 4-8 Wochen nach der Impfung erfolgen. Impfindikationen Personen, bei denen wegen einer Immundefizienz bzw. -suppression oder wegen einer vorbestehenden Erkrankung ein schwerer Verlauf einer Hepatitis B zu erwarten ist, z.B. HIV-Positive, HCV-Positive, DialysepatientInnen. Personen mit einem erhöhten nichtberuflichen Expositionsrisiko, z. B. Kontakt zu HBsAg-Trägern in Familie/Wohngemeinschaft, Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko, i.v.-Drogenkonsumierende, Untersuchungshäftlinge und Straf- gefangene, ggf. PatientInnen psychiatrischer Einrichtungen. Berufliche Indikation: Personen mit erhöhtem beruflichen Expositionsrisiko, ein- schließlich Auszubildende, PraktikantInnen, Studierende und ehrenamtlich Täti- ge mit vergleichbarem Expositionsrisiko, z. B. Personal in medizinischen Ein- richtungen einschließlich Labor- und Reinigungspersonal, Sanitäts- und Ret- tungsdienst, betriebliche ErsthelferInnen, PolizistInnen, Personal von Einrich- tungen, in denen eine erhöhte Prävalenz von Hepatitis-B-Infizierten zu erwarten ist (z. B. Gefängnisse, Asylbewerberheime, Behinderteneinrichtungen). Reiseindikation nach individueller Gefährdungsbeurteilung Impfquoten D 87,3%, SH 87,6% (Schuleingangsuntersuchung 2016) Bewertung konsequente Impfung im Kindesalter wichtig; hohes Potential zur weitgehenden Elimination in Deutschland; relevant für Prävention von Leberkrebs 8
9. Hepatitis D Krankheit Hepatitis D Erreger Hepatitis-D-Virus, Delta-Agens, Delta-Virus; inkomplettes Virus, benötigt HBs- Antigen des HBV. Das Auftreten einer HDV-Superinfektion eines HBV-Trägers führt zu einer schwer verlaufenden Hepatitis. Die HDV-Überinfektion nimmt bei über 90% der Infizierten einen chronischen Verlauf. Sie führt zu einer erhöhten Inzidenz für Leberzirrhose und zu früherem Auftreten von Leberzellkarzinomen. Inkubationszeit schlecht definiert Diagnostik HDV-Antikörper aus Serum, HDV-RNA aus Plasma im Referenzlabor in Gießen Meldepflicht seit Einführung des IfSG (2001) namentliche, klinische und Labor-Meldepflicht Epidemiologie Deutschland 2001-2018 insgesamt 346, in SH insgesamt 16 Meldungen 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 1 0 0 0 2 2 1 0 0 0 1 1 0 0 0 2 5 1 D 8 12 10 7 15 21 9 8 7 10 17 18 31 17 22 36 39 59 Therapie PEG-IFN teilweise wirksam Prophylaxe Gegen HBV immune Personen können durch HDV nicht infiziert werden. Impfstoff s. Hepatitis B Impfindikationen s. Hepatitis B Impfquoten identisch wie für HBV: D 87,3%, SH 87,6% (Schuleingangsuntersuchung 2016) Bewertung sehr seltene Erkrankung, die durch konsequente HBV-Impfung eliminiert wer- den kann. 9
10. Keuchhusten, Pertussis Krankheit Keuchhusten, Pertussis Erreger Bordetella pertussis, Bordetella parapertussis, non-Fermenter, Gram-negatives Bakterium Inkubationszeit 9-10 (6-20) d Diagnostik DNA-PCR für B. pertussis und parapertussis; Antikörper-Serologie kann aussa- gekräftig sein, wenn im Stadium convulsivum keine Bordetellen-DNA mehr nachweisbar sind. Kulturelle Anzucht möglich. Geimpfte können Träger des Erregers sein. Meldepflicht seit 2013 namentliche Labor-Meldepflicht Epidemiologie Deutschland 2013-2018 insgesamt 75.501, in SH insgesamt 1.672 Meldungen 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 118 191 191 325 440 407 D 10.493 12.340 9.086 13.812 16.854 12.915 Therapie Makrolide: Azithromycin, Erythromycin, Clarithromycin; oder Trimethoprim-Sul- fomethoxazol Prophylaxe Chemoprophylaxe mit Makroliden Impfstoff Grundimmunisierung: 4 Dosen im Lebensmonat 2, 3, 4 und 11-14 meist zu- nächst als Sechsfach-Impfstoff (Diphtherie, Pertussis, Tetanus, Polio, Haemo- philus influenzae b, Hepatitis B). Die Impfung soll frühestmöglich begonnen wer- den, d.h. unmittelbar nach Vollendung des 2. Lebensmonats und konsequent fortgeführt werden. Impfindikationen Standard- und Auffrischimpfung: Auffrischimpfungen sind mit 5-6 Jahren und 9- 16 Jahren empfohlen. Ab 5-6 Jahren Impfstoffe mit reduziertem Pertussis- Antigengehalt (ap statt aP). Für Erwachsene soll die erste fällige Td-Impfung einmalig als Tdap verabreicht werden, ggf. als Tdap-IPV. Speziell vor Geburt eines Kindes sollte überprüft werden, ob ein adäquater Immunschutz (< 10 Jahre) gegen Pertussis für enge Haushaltskontaktpersonen und Betreuende des Neugeborenen besteht. Indikationsimpfung: Sofern in den letzten 10 Jahren keine Pertussis-Impfung stattgefunden hat, sollen folgende Personen eine Dosis Pertussis-Impfstoff er- halten: Frauen im gebärfähigen Alter, enge Haushaltskontaktpersonen (Eltern, Geschwister) und Betreuende (z. B. Tagesmütter, Babysitter, ggf. Großeltern) eines Neugeborenen spätestens vier Wochen vor Geburt des Kindes. Erfolgte die Impfung nicht vor der Konzeption, sollte die Mutter bevorzugt in den ersten Tagen nach der Geburt des Kindes geimpft werden. Berufliche Indikation: Sofern in den letzten 10 Jahren keine Pertussis-Impfung stattgefunden hat, sollte Personal im Gesundheitsdienst sowie in Gemein- schaftseinrichtungen eine Dosis Pertussis-Impfstoff erhalten. Impfquoten D 94,2%, SH 93,7% (Schuleingangsuntersuchung 2016) Bewertung Einerseits hoch relevante Erkrankung, welche durch frühzeitige Impfung mit hoher Impfquote eingegrenzt werden kann. Andererseits Tendenz zur Überdia- gnostik und zur Überinterpretation leichten Hustens. Geimpfte können mit Bor- detellen besiedelt sein und diese auch weitergeben. 10
11. Masern Krankheit Masern, ggf. mit Enzephalitis oder subakuter sklerosierender Panenzephalitis Erreger Masernvirus, hohe Kontagiosität, hohe Manifestationsrate Inkubationszeit 13-14 (7-21) d Diagnostik Masern-IgM aus Serum; RNA-PCR aus Atemwegssekret und Urin, Typisierung im Referenzlabor am Robert Koch-Institut wesentlich Meldepflicht seit Einführung des IfSG (2001) namentliche, klinische und Labor-Meldepflicht Epidemiologie Deutschland 2001-2018 insgesamt 25.762, in SH insgesamt 588 Meldungen 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 23 25 69 14 23 20 28 11 1 43 5 6 7 2 3 41 41 4 11 5 D 6.039 4.656 2.308 1.608 1.768 2.465 777 123 781 566 915 572 780 165 442 325 929 543 Therapie symptomatisch Prophylaxe Postexpositions-Impfung Impfstoff Trivalenter Lebendimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln. Die Impfung ge- gen Masern soll mit einem MMR-Kombinationsimpfstoff durchgeführt werden, in der Regel bei 11-14 Monaten. Zweite Impfung nach ≥ 4 Wochen, spätestens Ende des 2. Lebensjahrs, damit frühestmöglicher Impfschutz erzielt wird. Die 1. MMR-Impfung bereits ab 9 Monaten erfolgen: bevorstehende Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung (z. B. Kita); nach Kontakt zu Masernkranken. Sofern die Erstimpfung im Alter von 9-10 Monaten erfolgte, muss die 2. MMR- Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahrs gegeben werden. Nach Kontakt zu Masernkranken soll die passive Immunisierung bis 6 d nach Exposition bei kontraindizierter aktiver Impfung für ungeschützte Personen mit hohem Komplikationsrisiko, z. B. für Säuglinge < 6 Monaten, immundefiziente PatientInnen und empfängliche Schwangere erfolgen/erwogen werden. Die MMR-Impfung wird auch für alle nach 1970 Geborenen mit unklarem Impf- status, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit empfohlen, be- sonders im Gesundheitsdienst, in der Betreuung von Immundefizienten bzw. Immunsupprimierten oder in Gemeinschaftseinrichtungen (einmalig MMR). Impfindikationen Standardimpfungen: 2x MMR/V-Impfstoff. Bei Erstimpfung mit 6-8 Monaten sollen die 2. und 3. MMR/V-Impfung mit 11-14 und 15-23 Monaten erfolgen. Nach 1970 geborene Personen ≥ 18 Jahre mit unklarem Impfstatus, ohne Imp- fung oder mit nur einer Impfung: Einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff. Indikationsimpfung: Bei bevorstehender Aufnahme bzw. bei Besuch einer Ge- meinschaftseinrichtung (z.B. Kita): Säuglinge ab 9 Monaten. Berufliche Indikation: Im Gesundheitsdienst oder bei der Betreuung immunge- schwächter Personen oder in Gemeinschaftseinrichtungen Tätige: nach 1970 Geborene mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung. Impfquoten D 97,1%/92,2%, SH 96,8%/93,6% (1./2.; Schuleingangsuntersuchung 2016) Bewertung Höchst relevante Infektionskrankheit mit gefährlichen Komplikationen; hohe Impfquote notwendig. In Schleswig-Holstein besteht offenbar keine endemische Zirkulation mehr; aber aktuelle Meldungen zeigen, dass die Gefahr gefährlicher Ausbrüche weiter besteht. 11
12. Meningokokken-Meningitis und -Sepsis Krankheit Meningokokken-Meningitis und -Sepsis Erreger Neisseria meningitidis, Meningokokken Inkubationszeit 3-4 (2-10) d Diagnostik Blutkulturen, Liquorkulturen, ggf. DNA-PCR Meldepflicht seit Einführung des IfSG (2001) namentliche, klinische und Labor-Meldepflicht Epidemiologie Deutschland 2001-2018 insgesamt 8.412, in SH insgesamt 278 Meldungen 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 32 24 17 15 15 17 17 14 24 9 14 10 24 15 6 7 8 10 D 783 736 775 601 629 555 441 453 497 387 369 354 345 278 288 339 287 295 Therapie Penicillin G, Cefotaxim, Ceftriaxon Prophylaxe Basishygiene; Chemoprophylaxe durch Rifampicin Impfstoff Meningokokken C: Die Impfung mit einer Impfstoffdosis eines konjugierten Men- ingokokken-C-Impfstoffs ist für alle Kinder möglichst früh im 2. Lebensjahr emp- fohlen. Eine fehlende Impfung soll bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Meningokokken ACWY: Bei bestimmten Indikationen ist eine Meningokokken- Impfung gegen die Serogruppen ACWY empfohlen. Die 4-valenten ACWY-Kon- ® jugatimpfstoffe sind in Deutschland ab dem Alter von 6 Wochen (Nimenrix ) ® bzw. ab dem Alter von 2 Jahren (Menveo ) zugelassen. In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppe B ® ® zugelassen: Bexsero ab 2 Monaten und Trumenba ab 10 Jahren. Eine gene- relle Impfempfehlung liegt noch nicht vor. Allerdings wird für Personen mit spe- zifischen Grundkrankheiten zusätzlich zu einer Impfung gegen die Serogruppen A, C, W und Y auch eine Impfung gegen MenB empfohlen. Impfindikationen Indiziert für gesundheitlich gefährdete Personen mit angeborener oder erworbe- ner Immundefizienz bzw. -suppression mit Restfunktion, insbesondere: Komple- ment-/Properdindefizienz, Eculizumab-Therapie (C5-Mab), Hypogammaglobu- linämie, anatomischer oder funktioneller Asplenie (z. B. Sichelzellanämie): 4- valenter ACWY-Konjugat-Impfstoff und MenB-Impfstoff. Indikation bei Ausbrü- chen oder regionalen Häufungen auf Empfehlung der Gesundheitsbehörden. Berufliche Indikationen: Gefährdetes Laborpersonal. Reiseindikationen: Reisende in Länder mit epidemischem Vorkommen, beson- ders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung (z.B. Entwicklungshel- ferInnen, KatastrophenhelferInnen, medizinisches Personal, bei Langzeitaufent- halt); vor Pilgerreise nach Mekka. Impfung mit 4-valentem ACWY-Konjugat- Impfstoff; SchülerInnen/Studierende vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit empfohlener allgemeiner Impfung für Jugendliche oder selektiver Impfung für SchülerInnen/Studierende. Da höchste Risiko haben Personen mit terminalen Komplementdefekten sowie Properdindefizienz. Das Erkrankungsrisiko für Personen mit Asplenie ist ca. 20- bis 30-fach erhöht. Das Risiko für Personen mit anderen Immundefekten, z. B. HIV-Infizierte oder Personen mit Hypogammaglobulinämie, liegt niedriger. Impfquoten MenC: D 89,4%, SH 90,1% (Schuleingangsuntersuchung 2016) Bewertung Die Meningokokkenimpfungen sind wesentlich, die akute Gefährdung von Kin- dern und Jugendlichen zu vermeiden. 12
13. Mumps Krankheit Mumps, epidemische Parotitis, Ziegenpeter Erreger Mumspvirus Inkubationszeit 16-18 (12-25) d Diagnostik Mumps-IgM aus Serum, Bestätigung durch RNA-PCR; ggf. im Referenzlabor Meldepflicht seit 2013 namentliche, klinische und Labor-Meldepflicht Epidemiologie Deutschland 2013-2018 insgesamt 4.037, in SH insgesamt 175 Meldungen 2013 2014 2015 2016 2017 2018 SH 23 34 38 29 21 30 D 571 835 703 741 653 534 Therapie symptomatisch Prophylaxe Impfung Impfstoff Trivalenter Lebendimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln. Die Impfung ge- gen Mumps soll mit einem MMR-Kombinationsimpfstoff durchgeführt werden, in der Regel bei 11-14 Monaten. Zweite Impfung nach ≥ 4 Wochen, spätestens Ende des 2. Lebensjahrs, damit frühestmöglicher Impfschutz erzielt wird. Ein monovalenter Mumps-Impfstoff ist in Deutschland nicht mehr erhältlich. Eine zweite Impfung sollte mit einem Abstand von ≥ 4 Wochen erfolgen, späte- stens jedoch bis zum Ende des 2. Lebensjahres, um den frühestmöglichen Impfschutz zu erreichen. Eine bereits bestehende Immunität gegen einen oder zwei der enthaltenen Erreger des Impfstoffes stellt keine Kontraindikation für die Impfung dar. Impfindikationen Nach 1970 Geborene mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit, die in Gesundheitsdienstberufen in der unmittelbaren Patientenversorgung, in Gemeinschaftseinrichtungen oder Ausbildungseinrich- tungen für junge Erwachsene tätig sind: einmalige Impfung mit einem MMR- Impfstoff. Impfquoten D 96,8%/92,7%, SH 96,6%/93,7% (1./2.; Schuleingangsuntersuchung 2016) Bewertung Da die Wirksamkeit der MMR-Impfung für die Mumps am wenigsten beständig ist, kommt der möglichst hohen Impfquote auch hier eine besondere Beutung zu. 13