Chronik der Firma Bahlsen zum 135-jährigen Jubiläum im Jahr 2014

WER KEKS SAGT, MEINT BAHLSEN
EIN FAMILIENUNTERNEHMEN Jedes Kind in Deutschland kennt den Leibniz Butterkeks. Er schmeckt nach Vanille und beim Hineinbeißen knackt es laut. Eine Wirtschaftszeitung hat ihn mal als das „kleine deutsche Nationalgebäck“ beschrieben. Bahlsen gehört zu den bekanntesten Unternehmen in Deutschland. Mehr als 90 Prozent kennen und mögen Bahlsen. Mit den Dachmarken Bahlsen und Leibniz ist das Hannoveraner Familienunternehmen Markt- führer in Deutschland und europaweit einer der erfolgreichsten Anbieter für Süßgebäck. Die nationalen Marken Kornland (Österreich), Krakuski (Polen) und Brandt (Deutschland) komplettieren das vielfältige Angebot. An fünf Standorten (Barsinghausen, Berlin, Varel, Schneverdingen sowie in Skawina/Polen) werden die Produkte hergestellt und in mehr als 80 Länder exportiert. Seit 1999 firmiert Bahlsen als GmbH & Co. KG und Werner M. Bahlsen ist alleiniger Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung. Mit seinem Führungs- team leitet er die Geschicke des Unternehmens, das 2014 sein 125-jähriges Jubiläum feiert und gut aufgestellt ist. Bahlsen erwirtschaftete 2013 einen Umsatz von 530 Millionen Euro. Das Umsatzvolumen liegt bei 142.000 Tonnen. Zu diesem Erfolg haben die mehr als 2.500 Mitarbeiter bei Bahlsen ihren Beitrag geleistet, davon knapp 2.000 in Deutschland. 3
UNTERNEHMERISCHE MISSION „Wir versüßen das Leben“ lautet die unternehmerische Mission von Bahlsen. Und das ist wörtlich zu verstehen: Generationen sind mit Klassikern wie dem berühmten Leibniz Butterkeks, Ohne Gleichen oder Afrika aufgewachsen. Bahlsen-Kekse wurden zum Begleit- gebäck der Industrialisierung und später des Wirtschaftswunders, der Wiedervereinigung und des Zusammenwachsens in Europa. Besonders der berühmte Leibniz-Keks mit seinen legendären 52 Zähnen ist zum unverzichtbaren Bestandteil von zahllosen Klassenfahrten und Familien-Picknicks geworden – bis heute. Mit PiCK UP!, der erfolgreichsten Riegel-Inno- vation der vergangenen Jahre, knüpft Bahlsen an diese Erfolgsgeschichte an. Das Unterneh- men steht für höchsten Genuss, für den kleinen Snack zwischendurch und vor allem für ein glaubwürdiges Qualitätsversprechen. Das beginnt bei der Rohstoffauswahl und geht über die Verarbeitung bis hin zur Verpackung und Auslieferung. Der schonende und nachhaltige Umgang mit Rohstoffen und der Umwelt gehört ebenso zur Unternehmensphilosophie wie das Engagement für die Mitarbeiter: Schon Hermann Bahlsen strebte nicht nur nach höheren Gewinnen, sondern hatte stets auch seine Mitarbeiter im Blick und zeigte gegenüber seinen Beschäftigten starkes soziales Engagement. 1899 gründete er eine Betriebskrankenkasse und stellte Arzt-, Kranken- und Fürsorgepersonal ein. Auch die enge Bindung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an das Unternehmen hat Bahlsen zu dem gemacht, was es heute ist: ein erfolgreiches und modernes Familienunternehmen. Das soll auch künftig so bleiben. WER KEKS SAGT, MEINT BAHLSEN Bahlsen mit seinen Produkten ist heute für Verbraucher der Inbegriff von Süßge- bäck: Wer Keks sagt, meint Bahlsen. Die Wünsche der Verbraucher und die Verzehrgewohn- heiten haben sich im Laufe der Zeit immer wieder geändert. Der Wettbewerb wird globaler, die Marktmacht des Handels größer und die Kommunikation vielfältiger und vernetzter. Drei Generationen der Familie Bahlsen haben sich den Herausforderungen ihrer Zeit gestellt. Sie haben dies immer mit einem Team von motivierten und engagierten Mitarbeitern getan und sie waren klug genug, sich weltweit Anregungen und die richtigen Berater zu suchen. Der Weitblick, den Markt nicht nur vor der Haustür zu bedienen, hat das Unternehmen von Anfang an stark gemacht. Das gilt erst recht im Zeitalter der Globalisierung. Neue Märkte, auch jenseits von Europa, sind Herausforderung und Chance zugleich. Bahlsen zeigt, dass es sich lohnt, auf die über Generationen gewachsenen Werte eines Familienunternehmens aufzubauen und dass der Spagat zwischen Kontinuität und Wandel gelingen kann. Zu ver- danken ist das seinen Mitarbeitern, seinen starken Marken und seinen innovativen Produkten. Dazu beigetragen haben modernste Technik, stetig optimierte Prozesse, faire Geschäftspartner und treue Konsumenten. Seit 125 Jahren steht Bahlsen für erstklassiges Gebäck und wird dies auch weiter tun – weltweit. 4 Das Wahrzeichen des Unternehmens an der Fassade des Stammhauses: Die Brezelmänner mit dem goldenen Keks von Georg Herting, 1913
STATIONEN
125 JAHRE BAHLSEN 1891 Bahlsens Butterkeks wird geboren und heißt ein Jahr später Leibniz-Cakes. 1889 8 Hermann Bahlsen (1859–1919) übernimmt am 1. Juli 1893 Die Firma zählt 100 Mitarbeiter. das „Fabrikgeschäft engl. Cakes und Biscuits“ von H. Höchste Auszeichnung bei der Schmuckler in der Friesenstraße in Hannover. Er nennt Weltausstellung in Chicago für seine Firma „Hannoversche Cakesfabrik H. Bahlsen“. den Leibniz-Cakes. 9
1896 Das springende Niedersachsen-Pferd wird als Fabrikzeichen eingetragen. In Berlin wird ein Büro eingerichtet, dem 1898 ein Auslieferungslager folgt. Bis 1914 werden in allen großen deutschen Städten neuartige Musterläden entstehen. 1900 Bahlsen erringt auf der Weltausstellung in Paris erneut eine Goldene Medaille für seine „Specialitäten“. 1898 10 Als zweite Leuchtreklame in Deutschland überhaupt erstrahlt in Berlin über dem Potsdamer Platz eine Werbung für den Leibniz-Cakes. 11
1906 Die Produkte ABC Russisch Brot und Noch Eine Eiswaffel werden 1904 eingeführt und sorgen für den Die staub- und feuchtigkeitsfeste TET-Packung kommt auf den Markt. Das TET- steilen Aufstieg des Unternehmens. Zeichen mit dem Oval mit der Schlange, dem Halbkreis und den drei Punkten wird eigentlich „dschet“ ausgesprochen, wurde aber zu „TET“ vereinfacht. Es ist von einer altägyptischen Hieroglyphe abgeleitet und bedeutet "ewig-wäh- rend". Es steht als Gütesiegel für die Bahlsen-Qualität. Erst reihen sich die Backbleche, 1905 dann wird das erste Fließband in Europa für die Verpackung von Leibniz-Cakes eingesetzt. 12
1911 Hermann Bahlsen deutscht das englische Wort „Cakes“ in „Keks“ ein. Die Fabrikansicht mit Tennisplatz davor verändert sich. Das neue Fabrikgebäude an der Lister Straße und der Verwaltungsbau von Karl Siebrecht an der Podbiel- 1912 Umbenennung des Unternehmens in „H. Bahlsens Keksfabrik“. skistraße werden bezogen. Außen sind die Gebäude durch Bauplastiken von Es werden etwa zwölf Millionen „TET-Pakete“ verkauft. Georg Herting, im Inneren durch Bilder, Skulpturen und Ornamente von Julius Die Mitarbeiterzeitschrift „Leibniz-Blätter“ erscheint erstmalig. Diez geschmückt, die für eine harmonische Arbeitsatmosphäre sorgen. 14 15
Das Modell für eine große Fabrik mit Wohnstadt in Hannover, 1917 die TET-Stadt, wird vorgestellt. Der weitere Verlauf des Krieges verhindert die Ausführung der Entwürfe des Planers Bernhard Hoetger. 16 Das TET-Stadt-Modell bei seiner öffentlichen Präsentation im Kunstverein Hannover, 1917
1918 Zu Kriegsende kommt die Fabrik infolge Rohstoffmangels fast völlig zum Erliegen. Von den 25 Öfen läuft nur noch eine Anlage. 1919 Am 6. November stirbt Hermann Bahlsen. Drei seiner vier Söhne treten die Nachfolge an: 1919 Hans Bahlsen (1901–1959), 1922 Werner Bahlsen (1904–1985) und 1930 Klaus Bahlsen (1908–1991). Die zweite Bahlsen-Generation beginnt mit einer jungen Führungsmannschaft die Umstrukturierung und Modernisie- rung der Firma nach dem wirtschaftlichen Niedergang, bedingt durch Inflation und Weltwirtschaftskrise. 1933 Die Express-Dose wird ein Verkaufsschlager für ein Vierteljahrhun- dert. Von der Dose (ein Pfund Kekse für 1 RM) werden in einem Jahr vier Millionen Exemplare verkauft. Bei Bahlsen sind nun 1.400 Mitarbeiter beschäftigt, davon sind 450 angestellte und 950 gewerbliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. 1935 Beginn der Salzletten-Herstellung. 18 Populäre Plakatwerbung für Salzletten, 1954