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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Optimierung von Public Events in der Bundeswehr

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pflegen und zu befördern. Deswegen bemüht sich die Bundeswehr, für Bür- gerinnen und Bürger authentisch und erlebbar zu sein – durch persönliche Haltung ihrer Angehörigen, durch Offenheit in der Kommunikation und durch Bereitschaft zur Diskussion“.128 Der Bedarf nach Möglichkeiten zur aktiven Imagegestaltung und Präsentation der eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten gründet außerdem auf der Einschätzung, nach der das Verteidigungsministerium in Bezug auf die Wahrnehmung und Bewer- tung der bundesweiten Öffentlichkeit das „schwerste“ Ressort in Deutschland ist. So ist die Grundeinstellung der deutschen Bevölkerung gegenüber diesem Ressort, inklusive der Bundeswehr, historisch eher negativ geprägt.129 Für die vergangenen Jahre identifizieren einige bundeswehrinterne Inter- viewpartner eine positive Entwicklung in Bezug auf die gesellschaftliche Wahrneh- mung der Bundeswehr. Dies ist unter anderem auf den zurzeit stattfindenden Wan- del der Gesellschaft, weg von pazifistischen Bewegungen der 1980er und 1990er Jahre, und die wahrgenommene außenpolitische Bedrohung durch andere Staaten zurückzuführen.130 Trotz dieser positiven Entwicklung betonen einige Inter- viewpartner die Notwendigkeit, seitens der Bundeswehr stärker proaktiv in den ge- sellschaftlichen Rückhalt und eine positive gesellschaftliche Wahrnehmung zu in- vestieren, um das positive Image der Bundeswehr im Inland und Ausland zu be- wahren und zu optimieren. Neben den Einschätzungen zentraler Akteure im Rahmen der vorliegenden Studie, untermauern auch aktuelle Ergebnisse einer jährlich durchgeführten Studie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw)131 den Bedarf nach einer stärkeren gesellschaftlichen Verankerung der Bundeswehr. Laut Studienergebnissen ist die grundlegende Haltung der Deutschen gegenüber der Bundeswehr positiv. So geben 80% (entspricht 1971 Personen) der Befragten (N=2464) an, eine positive Einstellung gegenüber der Bundeswehr zu haben (10% = sehr positiv; 36% = positiv; 34%= eher positiv).132 128 Weißbuch zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr 2016. 129 Der präsentierte Inhalt stützt sich auf Aussagen zentraler Akteure im Rahmen der strate- gischen Interviews und der Interviews in AP 4. 130 Der präsentierte Inhalt stützt sich auf Aussagen eines zentralen Akteurs im Rahmen der strategischen Interviews. 131 Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (2018). Sicher- heit- und verteidigungspolitisches Meinungsbild in der Bundesrepublik Deutschland. Ergeb- nisse und Analysen der Bevölkerungsbefragung 2018. 132 Vgl. ZMSBw (2018). Sicherheit- und verteidigungspolitisches Meinungsbild in der Bundes- republik Deutschland, S. 74. 69
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Abbildung 19: Persönliche Einstellung zur Bundeswehr (in %) Quelle: ZMSBw (2018). Sicherheit- und verteidigungspolitisches Meinungsbild in der Bundes- republik Deutschland. Ergebnisse und Analysen der Bevölkerungsbefragung 2018. Trotz dieser positiven Grundstimmung innerhalb der deutschen Bevölkerung ver- weist auch die Studie auf die Herausforderungen, die sich aus dem Wegfall der Wehrpflicht im Jahr 2011 für die Bundeswehr ergeben haben. Hierzu gehört die höhere Abhängigkeit der Bundeswehr von den Medien, die insbesondere auf den Wegfall des Sprachrohrs von jährlich rund 250.000 Wehrdienstleistenden zurück- geht.133 In Bezug auf den Kontakt zur Bundeswehr gaben 2018 im Vergleich zu 2017 weitaus weniger Befragte an, die Bundeswehr in den vergangenen zwölf Mo- nate in den Medien und ihrem Alltag wahrgenommen zu haben. Während beispiels- weise im Jahr 2017 noch 77% (entspricht 1898 Personen) der Befragten (N = 2464) angaben, die Bundeswehr bei Sendungen im Fernsehen wahrgenommen zu haben, sank diese Zahl für 2018 auf 62% (entspricht 1528 Personen). Ähnliche Ergebnisse zeigen sich für die Kommunikationskanäle „Zeitungen und Zeitschriften“ (2017: 62%, also 1528 Personen; 2018: 47%, also 1158 Personen), „Gespräche mit Freun- den, Verwandten oder Kollegen“ (2017: 38%, also 936 Personen; 2018: 29%, also 715 Personen) und „Beiträge im Internet“ (2017: 27%, also 665 Personen; 2018: 22%, also 542 Personen).134 Dieser Rückgang in der medialen und alltäglichen Wahrnehmung der Bürger führt zu einem potentiellen Rückgang der gesellschaftli- chen Verankerung, dem durch proaktive Kommunikation und Eigenpräsentation der Bundeswehr entgegen gewirkt werden kann. Diese Herausforderungen unterstreichen die gleichbleibend hohe Wichtigkeit von Veranstaltungen, die den Dialog und die Bindung zum Bürger in unterschiedlichen Formen in den Mittelpunkt stellen. Hierzu gehören neben dem Musikfest Bw bei- spielsweise auch der Tag der Bundeswehr oder Konzerte durch die Musikkorps der Bundeswehr. 133 Vgl. ZMSBw (2018). Sicherheit- und verteidigungspolitisches Meinungsbild in der Bundes- republik Deutschland, S. 94. 134 Vgl. ZMSBw (2018). Sicherheit- und verteidigungspolitisches Meinungsbild in der Bundes- republik Deutschland, S. 101. 70
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Zielgruppenspezifische Bedürfnisse Zahlreiche Befragte aus den strategischen und Off-Site-Interviews vertreten in Übereinstimmung mit dem ministeriellen Konzept zur Durchführung des Musikfes- tes die Einschätzung, dass das Musikfest ohne jegliche Priorisierung an die gesamte Bevölkerung adressiert ist.      135 An dieser Stelle sollen die zentralen Ergebnisse zur Definition der Zielgruppe noch einmal aufgeführt werden:136     Als strategisch besonderes relevante Zielgruppe wurde im Zuge des Per- sona-Workshops mit Angehörigen des Zentrums Militärmusik die Alters- gruppe der 25- bis 49-Jährigen definiert, da sie als Multiplikatoren fungieren und somit andere Zielgruppen anziehen. So wird von mehreren Inter- viewpartnern in den strategischen Interviews davon ausgegangen, dass diese Altersgruppe sowohl selbst als Zuschauer, aber auch als „Verteiler“ der Tickets fungiert (z.B. Verschenken der Tickets an Eltern und Kinder).     Nahezu alle Interviewpartner in den strategischen und Off-Site-Interviews betonen aber auch, dass die jüngere Generation als potentielles Publikum von Relevanz ist und daher verstärkt aktiv geworben werden muss. Ein weiteres Merkmal neben dem Alter, nach dem sich die Zielgruppe unterscheiden lässt, ist die Motivation, die den Kauf eines Tickets begründet. Im Zuge des Per- sona-Workshops wurden diesbezüglich vier mögliche Käufer-/Zuschauergruppen                   137 identifiziert: 1.   Multiplikator (Reiseveranstalter, Busunternehmen), 2.   Unterhaltungssuchende Person, 3.   Musikbegeisterte Person, 4.   Militärbegeisterte Person. Je nachdem, welcher Personenkreis adressiert werden soll, sind unterhaltungs-, musik- oder militärspezifische Faktoren in den Fokus der Bedürfnisse zu rücken. Eine Person kann entweder lediglich zu einer der oben definierten Gruppen, oder auch zu mehreren gleichzeitig gehören. Daher sind diese Gruppen nicht zwangsläu- fig als alternativ zu verstehen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Definition der Zielgruppe zwar im Minis- teriellen Konzept zur Durchführung des Musikfestes Bw schriftlich erfolgt. Eine fun- dierte Grundlage dieser Definition basierend auf einer umfassenden, strukturierten Zielgruppenrecherche ist jedoch nicht ersichtlich. Diese fehlende Recherche zeigt sich vereinzelt in der abweichenden Priorisierung von unterschiedlichen Altersgrup- pen durch zentrale Akteure und erschwert zusätzlich die klare Definition von ziel- gruppenspezifischen Bedürfnissen sowie einem darauf basierenden zielgruppenspe- zifischen Marketing. Die Ergebnisse der Besucherbefragung zeigen, dass das Gesamtprogramm des Mu- sikfestes und die Militärmusik als solche die größten Motivationen für Besucher zum Kauf eines Ticket darstellen.138 So herrscht bei einem Großteil der Besucher das Bedürfnis nach Unterhaltung und (Militär-)Musik vor. Insbesondere das jüngere 135 Vgl. Zentrum Militärmusik der Bundeswehr (2016). Konzept zur Durchführung des Musik- festes der Bundeswehr, S. 5. Für eine detaillierte Beschreibung der Zielgruppe(n) siehe Ab- schnitt Error! Reference source not found.. 136 Für eine detaillierte Ausführung, sie Abschnitt Error! Reference source not found.. 137 An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Käufer eines Tickets nicht automatisch dem Zu- schauer bei der Veranstaltung entspricht. So kann beispielsweise der Käufer das erworbene Ticket an eine andere Person verschenken. Da aber davon auszugehen ist, dass diese Wei- tergabe lediglich für einen geringen Anteil der Tickets gilt, sind die beiden Gruppen Käufer und Zuschauer hier zusammenfassend genannt. 138 Vgl. Ergebnisse der Besucherbefragung, Frage 3. 71
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Publikum erwartet von dem Musikfest Bw Darbietungen, die über klassische Militär- musik hinausgehen.139 Das Gesamt- und Showerlebnis steht für diese, aber auch andere Altersgruppen, im Vordergrund. Aus diesem Grund ist die Einbindung eines bekannten Moderators und eines möglichst modernen Stargastes zentral für das Erreichen eines jüngeren Publikums.        140 Grundsätzlich ist die Bundeswehr bestrebt, bewusst sehr diverse gesellschaftliche Gruppen (beispielsweise Vertreter von Kirchen und unterschiedlichen Glaubensrich- tungen, Wohltätigkeitsorganisationen, LGBTQ-Organisationen, etc.) zu erreichen, um so ihre Sichtbarkeit in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen zu erhöhen und die eigene Offenheit zu demonstrieren. Neben der Demonstration von Offenheit zielt die Bundeswehr auch auf die Multiplikatorfunktion unterschiedlicher Gesellschafts- gruppen ab. 6.3       Adressierung der definierten Bedarfe und Herausforderungen Der folgende Abschnitt dient der Beantwortung der Frage, inwieweit das Musikfest Bw geeignet ist, die zuvor beschriebenen Herausforderungen und Bedarfe zu ad- ressieren. Der „geschlossene Raum“, den eine derartige Veranstaltung bildet, bietet die Mög- lichkeit zur Verankerung in der Gesellschaft über die Musik und das gemeinschaft- liche Showerlebnis. Dieser Mechanismus funktioniert nach Einschätzung zentraler Akteure nicht im öffentlichen Raum. Ausgehend vom diesem Argument schließt das Musikfest Bw eine Fähigkeitslücke, die nicht durch andere Maßnahmen, wie bei- spielsweise Werbung oder direkte Ansprache der Bevölkerung durch Mitarbeiter der Bundeswehr, gewährleistet werden kann. Die Wahrnehmung, nach der die Etablie- rung des Musikfestes Bw eine bestehende Fähigkeitslücke geschlossen hat, teilt ein Großteil sowohl der Befragten der strategischen Interviews als auch der Off-Site- Interviews. Bei öffentlichen Veranstaltungen, die einen geschlossenen Raum bilden, findet nach Meinung mehrerer Interviewpartner nicht ad hoc eine Identifikation mit der Bun- deswehr statt. Stattdessen steht zunächst das musikalische und Showerlebnis im Vordergrund. Dieses positive Erlebnis färbt aber auf die Wahrnehmung der Bundes- wehr im Ganzen ab und schafft so die Möglichkeit einer proaktiven Imagegestaltung durch die Bundeswehr. Die Teilnehmenden des Musikfestes Bw werden durch die Besucher primär als Musiker, Akrobaten oder Sportler wahrgenommen und weniger ausschließlich als Soldat oder Soldatin. Diese Wahrnehmung schafft eine niedri- gere Schwelle zur Identifikation mit den Darbietenden und dem Dargebotenen und damit einen ersten Zugang zur Bundeswehr. Gleichzeitig bietet das Musikfest Bw der Bundeswehr so die Möglichkeit, ihre eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten über einzelne Soldaten und im Kollektiv auf unterhaltsame, emotionale Weise zu präsentieren. Das Musikfest Bw bietet außerdem die Möglichkeit, die Verankerung der Bundes- wehr in der Bevölkerung unter Zuhilfenahme von bekannten Persönlichkeiten zu steigern. Dieser Gestaltungsspielraum bietet sich bei anderen Maßnahmen der Bun- deswehr nicht. Die Involvierung eines bekannten Moderators und eines Stargastes beim Musikfest Bw ist an das Best Practice-Beispiel der Vereinigten Staaten von Amerika angelehnt. Hier hat die Nutzung berühmter Persönlichkeiten als Multiplika- tor und Identifikationsfigur durch die Streitkräfte eine Jahrzehnte lange Tradition. 139 Der präsentierte Inhalt basiert auf Aussagen im Rahmen der strategischen und Off-Site- Interviews. 140 Der präsentierte Inhalt stützt sich auf Aussagen zentraler Akteure im Rahmen der strate- gischen Interviews. 72
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Während Interviewpartner sowohl in den strategischen als auch Off-Site-Interviews durchweg die Passgenauigkeit des Musikfestes Bw zur Adressierung der definierten Bedarfe betonen, unterstützen die Ergebnisse der Besucherbefragung diese Ein- schätzung nur bedingt. So geben 75% (entspricht 203 Personen) der befragten Besucher an, ihr Bild über die Bundeswehr sei durch das [heutige] Musikfest gleich- geblieben. Hingegen antwortet fast ein Viertel der Befragten, ihre Meinung über die Bundeswehr sei sehr viel positiver (6%, entspricht 17 Personen) oder positiver (17%, entspricht 46 Personen) geworden. Lediglich 1% (entspricht zwei Personen) gibt an, ihr Bild habe sich durch das Musikfest verschlechtert. Diese Ergebnisse sind vor dem Hintergrund zu bewerten, dass 76% der Besucher (entspricht 205 Perso- nen) bereits vor dem Besuch des Musikfestes ein positives (57%, entspricht 154 Personen) oder sehr positives (19%, entspricht 51 Personen) Bild von der Bundes- wehr hatten.    141 Laut der Ergebnisse der Besucherbefragung ist das Musikfest Bw gut geeignet zur Vermittlung von, für die Bundeswehr zentralen, Werten. So gibt ein Großteil der Befragten an, durch das Musikfest die folgenden Werte vermittelt bekommen zu haben: Präzision/Genauigkeit (96%, entspricht 259 Personen), Disziplin (94%, entspricht 253 Personen), Vielfältigkeit (92%, entspricht 249 Personen) sowie Nah- barkeit/Zugänglichkeit (68%, entspricht 168 Personen). Neben der Verankerung der Bundeswehr in der deutschen Gesellschaft, trägt das Musikfest Bw zusätzlich zu einer gesteigerten positiven Wahrnehmung der deut- schen Militärmusik, und damit einhergehend der Bundeswehr im Ganzen, im Aus- land bei.  142 Dies bildet zwar kein primäres Ziel des Musikfestes Bw, jedoch ist es als ein weiterer positiver Effekt zu bewerten. Im Hinblick auf die Verankerung der Bundeswehr in die Gesellschaft ist einschrän- kend anzumerken, dass das Musikfest Bw diese gesamtgesellschaftlich betrachtet nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen schafft. So definieren zwar so- wohl bundeswehrinterne Dokumente            143 als auch zentrale Akteure in den strategi- schen Interviews die gesamte Bevölkerung als Zielgruppe der Veranstaltung. Das tatsächliche Publikum des Musikfestes weist jedoch eine gehobene Altersstruktur auf.144 Somit ist davon auszugehen, dass die identifizierten positiven Effekte des Events auf die Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft insbeson- dere bei älteren Bürgern sowie deren sozialem Umfeld (die Besucher können im Nachgang durch Erzählungen als Multiplikatoren dienen) zum Tragen kommen. Die Schließung der identifizierten Fähigkeitslücke durch das Musikfest trifft daher nur im Hinblick auf ältere Bevölkerungsgruppen in vollem Umfang zu. Für jüngere Be- völkerungsgruppen ist dieser positive Effekt aufgrund ihres geringen Anteils inner- halb des Publikums lediglich bedingt anzunehmen. Weiterhin ist zu betonen, dass im Hinblick auf das Musikfest Bw und die Verankerung der Bundeswehr in der Ge- sellschaft aufgrund der positiven Resonanz des Publikums und der Einschätzungen von zahlreichen Akteuren aus den (strategischen) Interviews zwar von einem posi- tiven Zusammenhang zwischen diesen beiden Faktoren ausgegangen werden kann. Von einer Kausalität sollte aufgrund des kurzen Untersuchungszeitraums und der nicht repräsentativen Stichprobe (Besucherbefragung N=270) nicht gesprochen werden. 141 Vgl. Ergebnisse der Besucherbefragung am 21.09.2019. 142 Der präsentierte Inhalt stützt sich auf Aussagen zentraler Akteure im Rahmen der strate- gischen Interviews. 143 Siehe Ministerielles Konzept zum Musikfest Bw und Zentrum Militärmusik (2017): Erfah- rungen Musikfest der Bundeswehr 2017. 144 Siehe Abschnitt Error! Reference source not found. für eine detaillierte Beschreibung der Altersstruktur des Publikums. 73
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Zusätzlich ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass die Reichweite des Mu- sikfestes Bw mögliche Kritiker der Bundeswehr und Nicht-Interessierte nicht ein- schließt. So ist das Musikfest Bw als Instrument zu bewerten, das durchaus in der Lage ist, die gesellschaftliche Wahrnehmung und den Rückhalt der Bundeswehr bei den Besucherinnen und Besuchern der Veranstaltung zu steigern. Eine Veränderung der Einstellung gegenüber und Wahrnehmung der Bundeswehr von Kritikern wird durch das Musikfest Bw aber weder angestrebt noch herbeigeführt.            145 Bezüglich alternativer Maßnahmen vertritt eine Vielzahl der zentralen Akteure im Rahmen der strategischen Interviews die These, dass das Musikfest Bw eine der wenigen Möglichkeiten für die Bundeswehr darstellt, sich auf einer menschlichen, unterhaltenden Ebene zu präsentieren. Somit erfüllt das Musikfest Bw nach Ein- schätzung nahezu aller Interviewpartner aus den strategischen und Off-Site-Inter- views ein Bedürfnis, das durch andere Maßnahmen der Bundeswehr (z.B. Tag der Bundeswehr oder Waffenschau) nur teilweise oder gar nicht adressiert wird. Zusammenfassend führt das Musikfest Bw zu einer positiven Wahrnehmung und damit einhergehend zu einer gesteigerten Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft. Dies ist mit der überwiegend positiven Assoziation von Musik und En- tertainment im Allgemeinen und unterhaltungsorientierten Veranstaltungsformaten wie dem Musikfest Bw im Speziellen begründet. Das Musikfest Bw schafft eine Plattform für ein (erstes) Kennenlernen der Bundeswehr durch die Bevölke- rung, ohne „typische“ Themen der Streitkräfte in den Vordergrund der Interaktion zu rücken.146 Letzteres bildet im Vergleich mit anderen Maßnahmen der Bundes- wehr aktuell ein klares Alleinstellungsmerkmal. 145 Der präsentierte Inhalt stützt sich auf Aussagen zentraler Akteure im Rahmen der strate- gischen Interviews. 146 Der präsentierte Inhalt stützt sich auf Aussagen zentraler Akteure im Rahmen der strate- gischen Interviews. 74
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7 Kohärenz des Musik- festes Bw Das nachfolgende Kapitel geht auf die Rolle und Be- deutung des Evaluationskriteriums Kohärenz ein. Im Anschluss werden anhand der vorliegenden Informa- tionen die Forschungsfragen beantwortet. 7.1       Die Bedeutung von Kohärenz Als Teil der Evaluation der Kohärenz wird untersucht, inwieweit eine Maßnahme in Hinblick auf ihren Inhalt selbst (interne Kohärenz) sowie gegenüber anderer Maßnahmen (externe Kohärenz) als schlüssig/zusammenhängend zu bewerten ist. Im Hinblick auf das Musikfest Bw wurde daher untersucht, wie das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Zielen und Maßnahmen des Musikfests Bw un- tereinander und mit anderen Maßnahmen und übergeordneten Strategien zu be- werten ist. Hierfür werden eventuelle Synergien, Überschneidungen und Wieder- sprüche identifiziert. Zentrale Fragen zur Evaluation der Kohärenz sind inwiefern die Zielsetzungen und das Konzept des Musikfests Bw in sich stimmig sind und inwiefern Lücken, Überlap- pungen, Synergien, etc. mit anderen Maßnahmen existieren. Diesbezüglich sollen folgende Forschungsfragen beantwortet werden:    Interne Kohärenz: Inwiefern bestehen zwischen den einzelnen Zielen des Musikfestes Bw Überschneidungen? Werden Synergien genutzt?    Externe Kohärenz: Inwiefern ist das Musikfest Bw vergleichbar mit anderen internen und externen Veranstaltungen und Events? Bestehen Überschnei- dungen und werden Synergien genutzt? 7.2       Interne Kohärenz des Musikfestes Bw Wie in Kapitel 3 bis 6 erläutert, wurden im Rahmen dieses Projektes folgende Ziele durch Sekundär- und Primärdatenerhebungen identifiziert:    Strategisches Ziel: o Verankerung der Bw in der Gesellschaft.    Spezifische Ziele: o Die Bw in der Gesellschaft sicht- & erlebbarer machen, o Den Ausbau der Marke „Bundeswehr“ unterstützen (Imagebildung), o Die Kompetenzen der Bw durch ein hochwertiges Militärmusikfest dar- stellen, o Die eigenen Fähigkeiten als Organisator und Veranstalter des Musikfes- tes Bw ausbauen.    Operative Ziele: o Angemessene Personalressourcen und Organisation sicherstellen, o Künstlerisches Konzept und Produktion des Musikfestes Bw angemes- sen umsetzen, o Angemessene Kommunikations- und Marketingmaßnahmen (intern und extern) ergreifen, 75
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o   Zielgenaues Ticketing und angemessener Rahmen für den VIP-Emp- fang, o   Angemessene Logistik und Catering sicherstellen, o   Nachbearbeitung innerhalb eines angemessenen Prozesses durchführen und Ergebnisse der Nachbearbeitung angemessen in die zukünftige Or- ganisation und Durchführung des Musikfestes Bw einfließen lassen. Hinsichtlich der internen Kohärenz der Ziele des Musikfestes Bw lässt sich sagen, dass sie auf ihren Inhalt selbst als schlüssig/zusammenhängend zu bewerten sind. So ermöglicht die Durchführung eines qualitativ hochwertigen Militärmusikfestes, dass Besucher die Bundeswehr bewusst wahrnehmen und sich die Bundeswehr in der Gesellschaft verankert. Auch kann dadurch die Marke „Bundeswehr“ aus- und aufgebaut werden und den Besuchern kann durch das Medium Militärmusik Kom- petenz und bundeswehrspezifische Werte wie Präzision, Disziplin und Vielfältigkeit vermittelt werden, während sich die Bundeswehr gleichzeitig offen und von ihrer „menschlichen Seite“147 präsentieren kann. Neben diesen auf Außenwirkung abzielenden Zielen ist es zudem erwünscht, dass die Bundeswehr ihre Fähigkeiten als Organisator und Veranstalter ausbaut. Dieses „interne“ Ziel steht in keiner Weise im Konflikt zu den zuvor genannten Zielen, sondern ergänzt diese. Zudem sind alle operativen Ziele gut mit den spezifischen und dem strategischen Ziel abgestimmt und tragen zu deren Erreichung bei. Folglich kann geschlussfolgert werden, dass die Ziele des Musikfests Bw aufeinander abgestimmt und in sich logisch sind. 7.3        Externe Kohärenz des Musikfestes Neben dem Musikfest der Bw verfolgt auch der Tag der Bundeswehr das Ziel, durch eine gesteigerte Erleb- und Erfahrbarkeit die Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft zu stärken. Der Tag der Bundeswehr wird seit 2015 jährlich durchgeführt und fand im Jahr 2019 zeitgleich an 14 verschiedenen Standorten innerhalb Deutschlands statt. Besucht wurde das Event zuletzt von 270.000 Men- schen.148 Der Unterschied zwischen beiden Veranstaltungen besteht insbesondere in der in- haltlich unterschiedlichen Ausgestaltung der Veranstaltungen. Im Gegensatz zum Musikfest Bw möchte der Tag der Bundeswehr seine Besucher hauptsächlich über die Bundeswehr informieren. Hierzu gehört unter anderem auch die aktive Infor- mationsvermittlung über Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr. Daher zieht der Tag der Bundeswehr nicht musikbegeisterte oder unterhaltungssuchende Bür- ger an, sondern vermehrt Personen mit einem beruflichen Interesse und/oder ei- nem Informationsbedürfnis im Hinblick auf die Bundeswehr. Durch die unterschied- lichen Zielgruppen ergeben sich weder Synergien noch Überlappungen der beiden Veranstaltungen. Neben dem Musikfest Bw in Düsseldorf gibt es noch eine deutsche, kommerzielle Militärmusikparade, das Berlin Tattoo. Dieses wird jährlich im November aufge- führt und präsentiert seinem Publikum, ähnlich wie das Musikfest Bw, unter ande- rem Musikkorps, Pipes and Drums, Chöre und Tänzer aus verschiedenen Ländern. Im Unterschied zum Musikfest Bw wird dieses aber von einem kommerziellen Ver- anstalter organisiert. Inwieweit das Berlin Tattoo aufgrund der inhaltlichen und zeit- lichen Nähe als Konkurrenz zu dem Musikfest Bw gesehen werden sollte, wird durch die befragten Akteure in den strategischen und Off-Site-Interviews unterschiedlich 147 Dieser Ausdruck wurde durch verschiede Interviewpartner der Off-Site-Interviews ge- nutzt. 148 https://tag-der-bundeswehr.de/270-000-gaeste-beim-5-tag-der-bundeswehr/ 76
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bewertet. So betonen einige Interviewpartner, dass Besucher des Musikfestes Bw vor allem dessen Authentizität schätzen. Dies kann bei dem Berliner Tattoo nicht geboten werden, da die teilnehmenden Künstler keine Soldaten oder Soldatinnen, sondern Zivilisten sind. Andere Interviewpartner betonen wiederum, dass die In- halte der Veranstaltungen aufgrund der bewussten konzeptionellen Anlehnung kommerzieller Events an Militär-Tattoos zumindest auf den ersten Blick nur schwer voneinander zu unterscheiden sind und kommerzielle Veranstaltungen wie bei- spielsweise die „Musikparade“ oder das Berlin Tattoo dementsprechend sehr wohl eine Konkurrenz zu der Bundeswehr Veranstaltungen darstellen. Abschließend lässt sich sagen, dass das Musikfest Bw sich klar von anderen bun- deswehrinternen Veranstaltungen und, nach Wahrnehmung des Laien, partiell von externen Events unterscheidet und somit auch weitgehend eine externe Kohärenz besteht. 77
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8 Schlussfolgerungen Das nachfolgende Kapitel fasst die Schlussfolgerun- gen der Evaluation anhand der einzelnen Evaluations- kriterien zusammen. Die in diesem Kapitel zusam- mengefassten Schlussfolgerungen dienen als Grund- lage für die Empfehlungen. 8.1        Einleitung Das nachfolgende Kapitel fasst die Schlussfolgerungen der Evaluation anhand der einzelnen Evaluationskriterien zusammen. Die in diesem Kapitel zusammengefass- ten Schlussfolgerungen dienen als Grundlage für die Empfehlungen. 8.2        Zielerreichung des Musikfestes Bw Bei der Evaluation der Zielerreichung (Effektivität) steht die Frage im Fokus, inwie- weit das Musikfest Bw seine operativen, spezifischen und strategischen Ziele er- reicht (hat). Dabei geht es vor allem um die Darstellung von Stärken und Verbes- serungspotenzialen für die Planung, Durchführung und Nachbereitung des Musik- festes Bw 2019. Unter den verschieden Zielebenen ist das Folgende zu verste- hen:  149     Operative Ziele: Unter operativen Zielen versteht man die Ziele von Akti- vitäten. Operative Ziele sind eng mit den Output Indikatoren verknüpft.     Spezifische Ziele: Spezifische Ziele beziehen sich auf das spezifische The- menfeld und die Art der Intervention. Die spezifischen Ziele beziehen sich auf Ergebnisindikatoren. Die Definition von spezifischen Zielen ist entschei- dend, weil sie angeben, was die Bw mit der Intervention erzielen will.     Strategische Ziele: Auf höchster Ebene werden die spezifischen Ziele zu- meist einem übergeordneten Ziel zugeordnet. Im Falle des Musikfestes Bw beziehen sich die strategischen Ziele auf die Vorgaben im Weißbuch. Stra- tegische Ziele beziehen sich auf Impact Indikatoren. Im Folgenden fassen wir zusammen, inwiefern das Musikfest Bw die operativen, spezifischen und strategischen Ziele erreicht hat. Erreichung der operativen Ziele Angemessene Organisation und Personalressourcen Die Organisation und Personalressourcen des Musikfestes Bw sind im Großen und Ganzen angemessen und tragen zur effektiven Planung und Durchführung des Mu- sikfestes Bw positiv bei. Erfolgsfaktoren für die effektive Planung und Durchführung des Musikfestes Bw sind einerseits die vom Organisationsteam eingeführten Strukturen (Aufgaben und Prozessteilung), andererseits die gut ausgebildeten Ressourcen. Eine echte Stärke besteht zudem in der hohen Motivation und dem Engagement des Organi- sationsteams. 149 Ein detaillierter Überblick über die Bedeutung von operativen, spezifischen und strategi- schen Zielen ist in Kapiteln 3.2 und 4.2 enthalten. 78
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