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D GK NT 2 Ministerium für Schule und Bildung NRW Seite 6 von 8 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit Name des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ Schule: _____________________________________________ Teilaufgabe 1 Anforderungen Lösungsqualität Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl 1 formuliert eine aufgabenbezogene … 3 2 erschließt das Thema … 3 3 beschreibt den formalen … 4 4 erschließt das Gedicht … 7 5 untersucht die Wortwahl … 8 6 untersucht die Bildlichkeit … 7 7 deutet das Gedicht … 8 8 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) …………………………………………………………….. …………………………………………………………….. Summe 1. Teilaufgabe EK 2 ZK DK 40 Teilaufgabe 2 Anforderungen Lösungsqualität Der Prüfling 2 maximal erreichbare Punktzahl 1 formuliert eine aufgabenbezogene … 3 2 erläutert das Zitat … 7 3 setzt Pinthus’ Gedanken … 8 4 stellt Traditionslinien expressionistischer … 7 5 ordnet das Gedicht … 7 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (6) …………………………………………………………….. …………………………………………………………….. Summe 2. Teilaufgabe 32 Summe der 1. und 2. Teilaufgabe 72 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch! EK ZK DK
D GK NT 2 Ministerium für Schule und Bildung NRW Seite 7 von 8 Darstellungsleistung Anforderungen Lösungsqualität Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl 1 strukturiert seinen Text … 6 2 formuliert unter Beachtung … 6 3 belegt Aussagen durch … 3 4 drückt sich allgemeinsprachlich … 5 5 formuliert lexikalisch und … 5 6 schreibt sprachlich richtig. 3 Summe Darstellungsleistung 28 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100 EK ZK DK aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach- folgender Tabelle Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte gemäß § 13 Abs. 2 APO-GOSt Paraphe Berechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 34 APO-GOSt Die Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet. Unterschrift, Datum: Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch!
D GK NT 2 Ministerium für Schule und Bildung NRW Seite 8 von 8 Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: Note Punkte Erreichte Punktzahl sehr gut plus 15 100 – 95 sehr gut 14 94 – 90 sehr gut minus 13 89 – 85 gut plus 12 84 – 80 gut 11 79 – 75 gut minus 10 74 – 70 befriedigend plus 9 69 – 65 befriedigend 8 64 – 60 befriedigend minus 7 59 – 55 ausreichend plus 6 54 – 50 ausreichend 5 49 – 45 ausreichend minus 4 44 – 40 mangelhaft plus 3 39 – 33 mangelhaft 2 32 – 27 mangelhaft minus 1 26 – 20 ungenügend 0 19 – 0 Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch!
D GK NT 3 Seite 1 von 4 Name: _______________________ Abiturprüfung 2019 Deutsch, Grundkurs Aufgabenstellung: 1. Analysieren Sie die Erzählung „Kohlen“ von Judith Hermann im Hinblick auf die beson- dere Bedeutung der Begegnung mit der Figur Vincent. Berücksichtigen Sie dabei ins- besondere die Gestaltung der Figurenkonstellation, des Raumes und der Atmosphäre. (42 Punkte) 2. In einem Zeitschriftenartikel merkt Sabine Burtscher zu Judith Herrmanns Erzählband „Sommerhaus, später“ an, dass die „Protagonisten […] auf der unbestimmten Suche nach etwas [sind], das sie selbst nicht genau benennen können, das sich jedoch im Text auf indirekte Weise mitteilt“. Erläutern Sie, inwieweit sich dieser Gedanke auf die Erzählung „Sommerhaus, später“ beziehen lässt. Vergleichen Sie die beiden Texte „Sommerhaus, später“ und „Kohlen“ im Hinblick auf den Aspekt der Sinnsuche. (30 Punkte) Materialgrundlage: • Judith Hermann: Kohlen. In: Dies.: Lettipark. Erzählungen. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2016, S. 7 – 12 • Zitatnachweis: Sabine Burtscher: „Glück ist immer der Moment davor“ – Judith Hermann: Sommerhaus, später. Gegenwartsliteratur der 90er-Jahre im Deutschunterricht. In: Der Deutschunterricht 5/2002, S. 80 – 84, hier S. 81 Zugelassene Hilfsmittel: • Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung • Unkommentierte Ausgabe von J. Hermann „Sommerhaus, später“ (liegt im Prüfungsraum zur Einsichtnahme vor) Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch!
D GK NT 3 Seite 2 von 4 Name: _______________________ Judith Hermann (*1970) KOHLEN (2016) 5 10 15 20 25 30 Am Morgen waren die Kohlen gekommen. Wir waren früh aufgestanden und hatten das letzte Holz in den Ofen gelegt, wir hatten mit den Händen in den Jackentaschen frierend vorm Haus auf der Straße im Morgennebel gestanden und unseren weißen Atemwolken zugesehen. Die Kohlen kamen pünktlich, wir hatten den Kipper durch die schmale Gasse zwischen der Scheune und dem Traktorschuppen gewinkt, so weit wie möglich ran an den Stall, in dem schon seit Jahren kein Tier mehr gewesen ist. Die Briketts waren aufs Wintergras geprasselt, ein großer Haufen, gute Kohlen, kaum Bruch dabei, und der silbrige Kohlenstaub war in die Luft gestiegen. Wir hatten den Vormittag damit verbracht, die Kohlen von der Wiese in den Stall zu schippen. Sieben Tonnen Kohle, wir hatten Schaufeln und Forken, und wir bildeten anfangs eine Kette, aber dann schien das sinnlos zu sein, und jeder arbeitete für sich alleine weiter. Der Nebel löste sich auf, und die Sonne kam raus, in den kahlen Ästen der Sträucher ließen sich vorsich- tige Vögel sehen. Gegen Mittag machten wir eine Pause. Wir kochten Kaffee und setzten uns auf die Schwelle der Stalltür, die von den Schritten der Leute, die vor Jahrzehnten nach ihren Tieren gesehen hatten, ganz abgetreten war. Wir tranken den Kaffee und sprachen darüber, wie lange dieser Vorrat an Kohlen reichen würde. Sieben Tonnen – sieben Winter? Wir sag- ten, kommt auf den Winter an, und wir erinnerten uns an den letzten, der unwirklich kalt und lange gewesen war, ein Eiswinter mit Schnee bis in den Mai hinein. Wir verglichen den jetzi- gen mit den vergangenen Wintern, und wir sprachen über mögliche Anzeichen, die Borke der Bäume war in diesem Jahr besonders dick, und es hatte mehr Nüsse gegeben als in den Jahren zuvor, wir sagten, vielleicht würde dieser Winter noch kälter werden als der letzte. Aber mit diesem Vorrat an Kohlen konnte uns nichts passieren. Mit sieben Tonnen Kohlen im Stall waren wir in Sicherheit. Wir hatten den Kaffee ausgetrunken und den Kaffeesatz ins Gras geschüttet. Wir saßen noch einen Moment auf der Schwelle, die Arbeit war fast getan, es lagen nicht mehr viele Kohlen draußen, nur noch ein Halbkreis, wie ein Wall um uns herum. Durch das Tor zur Straße, das wir hinter dem Kipper noch nicht geschlossen hatten, kam Vincent mit dem Rad auf den Hof gefahren. Vincent war vier Jahre alt, soweit wir wussten, wurde er bald fünf. Er kam mit Schwung um die Ecke, und er sah uns sofort, und er rollte mit dem Rad durch die Gasse zwi- schen der Scheune und dem Traktorschuppen auf uns zu und stoppte vor dem Wall aus Koh- len. Er hatte eine grüne Jacke an und einen ordentlich geknoteten Schal, er trug eine Mütze, und er hatte keine Rotznase. Er blieb auf dem Rad sitzen und stützte sich mit verschränkten Armen auf den Lenker, als wäre er nicht vier, sondern fünfzehn Jahre alt. Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch!
D GK NT 3 Seite 3 von 4 Name: _______________________ 35 40 45 50 55 60 65 Er sah uns an und sagte, was macht ihr. Selbstverständlich. Er sagte das sehr selbstver- ständlich, und wir sagten, wir warten schon auf dich, wir schippen Kohlen, du kannst uns helfen. Im letzten Winter war Vincents Mutter gestorben. Vincents Vater hatte sich von ihr getrennt, und sie hatte darüber zuerst die Nerven verloren, dann war sie krank geworden. Oder es war umgekehrt, sie war zuerst krank geworden und hatte dann die Nerven verloren, das war aber einerlei, weil es durch ihren Tod auf dasselbe hinausgelaufen war. Sie hatte eine Grippe ver- schleppt, und dann war ihr Herz angegriffen gewesen, und sie hatte davon einen Schlaganfall bekommen, dann noch einen und einen dritten, und schließlich hatten sie aufgehört, ihre Schlaganfälle zu zählen. Sie hatte drei Monate im Krankenhaus gelegen, am Ende war sie blind, konnte nicht mehr sprechen und nur noch den linken Fuß bewegen; die Ärzte hatten ihre Gehirnströme gemessen und waren der Meinung gewesen, sie wäre auf eine geheimnis- volle Weise immer noch da, und sie nannten diesen Zustand das Insichselbereingeschlossen- sein. Vincents Mutter hatte sich in sich selber eingeschlossen, als Vincent vier Jahre alt gewe- sen war. Wir saßen in der winterlichen Mittagssonne mit den leeren Kaffeetassen vor dem Wall aus Kohlen. Uns war warm von der Arbeit, wir waren wach. Wir redeten mit Vincent, wir fragten ihn, ob ihn auf dem Weg zu uns nicht der Biber aufgehalten hätte, der Biber würde jedes Kind, das zu schnell auf dem Rad unterwegs sei, anhalten und dazu auffordern, langsamer zu fahren. Aber Vincent ließ sich nichts weismachen. Er sagte, ihr redet Quatsch, und er wurde so ärger- lich, dass wir aufhörten, auf diese Weise mit ihm zu sprechen. Wir sahen ihn an, wie er so auf seinem Rad saß und ein bisschen vor und zurück rollte und uns vorschlug, seine kleine Schub- karre zu holen und dabei zu helfen, die letzten Kohlen in den Stall zu schaffen, er sah aus wie einer, dem eine unsichtbare Hälfte fehlte, er sah aber auch aus wie einer, der eine halbe Glorie um sich herum hatte. Wir dachten an seine Mutter, die eine anziehende Frau gewesen war, groß und zerbrechlich, mit einer unnachahmlichen Weise, beim Gehen die langen Beine zu setzen, ungelenk, wie ein Fohlen. Sie hatte immer einen wehmütigen Eindruck gemacht, aber wir hatten sie auch toben gehört, und da war sie alles andere als hilflos gewesen. In den ersten Wochen ihrer Erkran- kung hatten wir sie auf der Station, auf der sie lag, besucht, da war sie schon blind gewesen und hatte immer wieder gesagt, es ist so schade, dass ich eure schönen Gesichter nicht sehen kann. Es ist so schade, dass ich eure schönen Gesichter nicht sehen kann. Wir hatten nicht gewusst, dass unsere Gesichter für Vincents Mutter schön gewesen waren, und wir waren mit dem Eindruck nach Hause gegangen, dass man manche Dinge erst sagen kann, wenn sie unwiderruflich vorbei sind. Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch!
D GK NT 3 Seite 4 von 4 Name: _______________________ 70 75 80 Vincent stieg von seinem Rad und ließ es los. Er nahm ein Stück Kohle in die Hand, drehte es prüfend hin und her, kam über den Wall geklettert, stieg zwischen uns hindurch und ließ es auf den Haufen in der Stallecke fallen. Er kam zurück und stützte sich beiläufig an uns ab. Als seine Mutter gestorben war, hatte er seinen Vater gefragt, wie lange der Tod dauern würde, sein Vater hatte uns das erzählt. Vincent sagte, ich glaub, ich lass das mit der Schubkarre. Ich kann euch auch ohne meine Schubkarre helfen. Und also standen wir von der Schwelle auf und vertraten uns die Beine, wir hielten uns das Kreuz und streckten uns in der Wintersonne, und dann machten wir weiter. Wir schafften den Rest der Kohlen in den Stall, wir bildeten doch wieder eine Kette, und Vincent half uns. Seine Mutter hatte uns gezeigt, dass man an der Liebe sterben kann. Sie war der lebendige Beweis dafür gewesen, dass man an einem gebrochenen Herzen sterben kann, sie hatte sich aus Liebe in sich selber eingeschlossen. Es war eigenartig zu denken, dass das Vincents ganzes Leben bestimmen würde, und wir nahmen die Kohlen aus seinen kleinen schmutzigen Händen ent- gegen wie Hostien. Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch!
Ministerium für Schule und Bildung NRW D GK NT 3 Seite 1 von 9 Unterlagen für die Lehrkraft Abiturprüfung 2019 Deutsch, Grundkurs 1. Aufgabenart Analyse eines literarischen Textes mit weiterführendem Schreibauftrag 2. 1 Aufgabenstellung 1. Analysieren Sie die Erzählung „Kohlen“ von Judith Hermann im Hinblick auf die beson- dere Bedeutung der Begegnung mit der Figur Vincent. Berücksichtigen Sie dabei ins- besondere die Gestaltung der Figurenkonstellation, des Raumes und der Atmosphäre. (42 Punkte) 2. In einem Zeitschriftenartikel merkt Sabine Burtscher zu Judith Herrmanns Erzählband „Sommerhaus, später“ an, dass die „Protagonisten […] auf der unbestimmten Suche nach etwas [sind], das sie selbst nicht genau benennen können, das sich jedoch im Text auf indirekte Weise mitteilt“. Erläutern Sie, inwieweit sich dieser Gedanke auf die Erzählung „Sommerhaus, später“ beziehen lässt. Vergleichen Sie die beiden Texte „Sommerhaus, später“ und „Kohlen“ im Hinblick auf den Aspekt der Sinnsuche. (30 Punkte) 3. Materialgrundlage • Judith Hermann: Kohlen. In: Dies.: Lettipark. Erzählungen. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2016, S. 7 – 12 • Zitatnachweis: Sabine Burtscher: „Glück ist immer der Moment davor“ – Judith Hermann: Sommerhaus, später. Gegenwartsliteratur der 90er-Jahre im Deutschunterricht. In: Der Deutschunterricht 5/2002, S. 80 – 84, hier S. 81 4. Bezüge zum Kernlehrplan und zu den Vorgaben 2019 Die Aufgaben weisen vielfältige Bezüge zu den Kompetenzerwartungen und Inhaltsfeldern des Kernlehrplans bzw. zu den in den Vorgaben ausgewiesenen Fokussierungen auf. Im Folgenden wird auf Bezüge von zentraler Bedeutung hingewiesen. 1. Inhaltsfelder und inhaltliche Schwerpunkte Inhaltsfeld Texte • strukturell unterschiedliche Erzähltexte aus unterschiedlichen historischen Kontexten – Sommerhaus, später (J. Hermann, Titelerzählung des gleichnamigen Erzählbands) 1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab. Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch!
Ministerium für Schule und Bildung NRW D GK NT 3 Seite 2 von 9 2. Medien/Materialien • entfällt 5. Zugelassene Hilfsmittel • Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung • Unkommentierte Ausgabe von J. Hermann „Sommerhaus, später“ (liegt im Prüfungsraum zur Einsichtnahme vor) 6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen Teilleistungen – Kriterien a) inhaltliche Leistung Teilaufgabe 1 Anforderungen Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl 1 verfasst eine aufgabenbezogene Einleitung unter Nennung von Autorin, Titel, Text- sorte, Erscheinungsdatum. 3 2 stellt den Inhalt der Erzählung kurz dar, etwa: • gemeinsames Arbeiten (Einlagern von Kohlen) einer Gruppe von Menschen in einem vormals landwirtschaftlich genutzten Gebäudekomplex, • eingeschobene Gedanken und Äußerungen über die Strenge des jetzigen und der kommenden Winter, • Erscheinen eines Jungen (Vincent), als Anlass für die in Rückblende erzählte Geschichte seiner Eltern, besonders seiner Mutter, • Tod der Mutter nach mehreren Schlaganfällen; nach Aussage des Erzählers infolge eines gebrochenen Herzens, • Leiden und Tod der Mutter verursacht durch gescheiterte Liebe. 5 3 erläutert die Gestaltung der Figurenkonstellation, etwa: • Gruppe um den Erzähler (wir) ohne Konturierung einzelner Figuren als Bewohner eines ländlichen Anwesens bei gemeinsamer Arbeit, • Aufgeschlossenheit der Gruppe gegenüber der besonderen Situation, • Begegnung mit der einzigen einen Namen tragenden und deutlich konturierten Figur Vincent (Vincent, wörtlich „der Sieger“), • außergewöhnliche Reife und Ernsthaftigkeit des Jungen, • Betonung der Individualität des vierjährigen Jungen durch genaue Beschreibung, Spiel mit Stereotypen, z. B. „er hatte keine Rotznase“; Hervorhebung der Beson- derheit, vor allem auch durch seine Bedeutung für die Gruppe, • Darstellung der Familiensituation Vincents: Trennung der Eltern, Krankheit und Tod der Mutter, • hierbei Fokussierung auf Mutter und deren Erkrankung und Tod. 8 Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch!
Ministerium für Schule und Bildung NRW D GK NT 3 Seite 3 von 9 4 untersucht die Gestaltung des Raumes und der Atmosphäre, etwa: • relativ geschlossener Schauplatz im Außenbereich eines ehemals landwirtschaft- lichen Gebäudekomplexes, mit Scheune, Stall und Schuppen, zur Gruppe um den Ich-Erzähler gehörend, • auffällige Gestaltung von Räumen durch deren Abgrenzungen sowie der Übergangs- möglichkeiten (Tore, Türen, Schwellen, Gassen) zur Erzeugung eines Innenraums, dem Hof als Schauplatz der Erzählung, und einem Außen der Herkunft von Vincent, • z. T. archaisch, unwirklich anmutende Verweise, • Gestaltung des zeitlichen Rahmens und der Atmosphäre: früher Morgen, Kälte, Atemwölkchen, • Verweis auf Außenwelt: Vincents Auftauchen durch das versehentlich nicht ge- schlossene Tor, • gehäufte Verweise auf Winter und Kälte, wie z. B. kahle Äste, Wintergras, • im Verlauf des Vormittags, mit Voranschreiten der Arbeit, sich auflösender Nebel, Sonne und auch durch die Arbeit verursachte Wärme (Entwicklung und Änderung des Wetters verbunden mit Vincents Auftauchen). 9 Angestrebt ist hier keine vollständige Darstellung der beispielhaft genannten Aspekte, sondern eine differenzierte Schwerpunktsetzung durch den Prüfling, die allerdings mehrere Gesichtspunkte aufgreift. 5 untersucht weitere erzählerische Mittel, etwa: • symbolische Aufladung einzelner Handlungen und Gegenstände, teilweise ohne konkrete Auflösbarkeit: Wärme, Kälte, Kohle, Raumsituation, Warten auf Vincent u. a. als Mittel zur Betonung der Bedeutung, • überwiegend parataktischer Satzbau, • gezielte, sparsame Verwendung von Adjektiven, insgesamt lakonisch anmutende Schilderungen, dadurch Betonung der archaischen, unbestimmten Atmosphäre, • personaler (homodiegetischer) Erzähler in der ersten Person Plural, • überwiegend Erzählbericht, geprägt von subjektiver (Innen-)Sicht mit vereinzelter Figurenrede, • teilweise Unsicherheiten des Erzählers im Hinblick auf die erzählte Handlung („Vincent war vier Jahre alt, soweit wir wussten, wurde er bald fünf“, Z. 28; „dann war sie krank geworden. Oder es war umgekehrt“, Z. 38 f.), • Fokussierung auf den Zeitpunkt der Begegnung der Gruppe mit Vincent, zudem Verweise auf Zeiträume lange vor der Begegnung und auf Vincents Zukunft, • Tempuswechsel (Plusquamperfekt, Präteritum) zur Markierung der unterschied- lichen Zeitebenen, z. B. beim Eintreffen von Vincent, • religiöse Anspielungen (Glorie, Hostie) als Verweis auf die sinnstiftende Bedeu- tung, • Einschub der Geschichte der Mutter von Vincent in Rückwendungen/Analepsen, • insgesamt: kontrastierende Darstellung von zeitlichen Bezügen der tatsächlichen äußeren Handlung und langfristigen Zeitspannen und z. B. jahreszeitlichen Ver- läufen. Angestrebt ist hier keine vollständige Darstellung der beispielhaft genannten Aspekte, sondern eine differenzierte Schwerpunktsetzung durch den Prüfling, die allerdings mehrere Gesichtspunkte aufgreift. Abiturprüfung 2019 – Nur für den Dienstgebrauch! 9