SOP 01.12.2018 Floris Version
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Behandlungs- oder Transport- SOP verweigerung durch Patient/-in T4 Voraussetzungen o Erstevaluation nach ABCDE-Schema (bei Verweigerung Einschätzung aufgrund Klinischem Bild) o Eigen- und Fremdanamnese, Umfeld o Psychische Kurzeinschätzung: Orientierung, formale / inhaltliche Denkstörung, Affekt / Suizidalität, Antrieb / Verhalten o Notarzt erforderlich? o Notwendigkeit von Behandlung / Transport dem Patienten mitgeteilt? o Was ist der Grund für die Verweigerung? o Betreuungsverhältnis klären o Standarteinsatzdokumentation Erste Maßnahmen (Ziel: Einwilligung erreichen) o Überzeugungsarbeit leisten (medizinische und psychosoziale Aspekte) o Lösungen für nichtmedizinische Hinderungsgründe suchen o Angehörige / Vertrauenspersonen ggf. in Entscheidungsfindung einbeziehen Ist der Patient einwilligungsunfähig und damit die Transportverweigerung rechtlich unwirksam? o Suizidalität o Andere erhebliche psychiatrische Störung • der Orientierung (z.B. Delir, Demenz) • des formalen oder Inhaltlichen Denkens (z.B. Schizophrenie, wahnhafte / paranoide Gedanken) • der Affektivität (z.B. Manie) • des Antriebs (z.B. Depression) • des Verhaltens o Bewusstseins- oder Orientierungsstörung • GCS < 15 • örtlich, zeitlich oder situativ desorientiert • erhebliche Beeinträchtigung im Zusammenhang mit Alkohol, Drogen oder Arzneimitteln o Unmittelbar nach Bewusstseinsstörung • z.B. Krampfanfall, Hypoglykämie Sondersituation Kinder und Jugendliche o Beurteilung von Alter, Reife und Erkrankung • Kinder < 14 Jahre sind nicht einwilligungsfähig • Jugendliche > 16 sind oft schon einwilligungsfähig o Patient nicht einwilligungsfähig: Entscheidung durch Eltern (bzw. Vormund) o Eltern (Vormund) nicht vor Ort / erreichbar: Verweigerung nicht wirksam Sondersituation: Patient unter Berteuung, Pflegschaft, Vorsorgevollmacht o Prüfung der Anwendbarkeit (z.B. Aufgabenkreise, Gültigkeit) o Betreuer, Pflegeeltern, Bevollmächtigter nicht vor Ort / erreichbar: Verweigerung nicht wirksam Notwendigkeit der Hilfe o Notwendigkeit und Dringlichkeit der medizinischen Hilfe? o Schutzbedürftige oder hilflose Situation? Erstellt durch: Freigegeben durch: Seite: Verbindlich für den Einsatzdienst BFRA RN / Stab RD ÄLRD 99
Behandlungs- oder Transport- SOP verweigerung durch Patient/-in T4 Entscheidungsfindungen Gemeinsame Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit und der Notwendigkeit der Hilfe. Grundsatz: Je höher die Notwendigkeit der Hilfe und je weniger einwilligungsfähig der Patient ist, desto eher wird ein Transport gegen den willen des Patienten erfolgen. Dabei muss eine Rechtsgüterabwägung vorgenommen und die Verhältnismäßigkeit der Mittel stets beachtet werden. Einwilligungsfähigkeit Ja Nein 1. Hinzuziehung von Patient muss behandelt und/oder transportiert werden, Rechtsgrundlage: • Notarzt (medizinische • Mutmaßlicher Patientenwille (§ 630 d BGB) Indikation) • Rechtfertigender Notstand (§34 StGB) • andere Behörden • Vorläufige Unterbringung (§15 PsychKG) hoch (psychosoziale Indikation) (SOP S 3.4) bei Psychiatrischer Erkrankung Notwendigkeit der Hilfe • Beschluss Betreuungsgericht (§1906 BGB) 2. Aufklärung 3. Kein Transport gegen den Anwendung von unmittelbarem Zwang ist nur Willen des Patienten durch die Polizei oder auf der Grundlage § 34 StGB bis zum Eintreffen der Polizei möglich. 1. Aufklärung Bevollmächtigte einbeziehen und aufklären: 2. Patient verbleibt vor Ort 1. Einwilligung erteilt: Transport 2. Einwilligung nicht erteilt: niedrig Angemessene Hilfe sicherstellen 3. Bevollmächtigter nicht erreicht: • angemessene Hilfe sichergestellt: Patient verbleibt vor Ort • angemessene Hilfe nicht sichergestellt: Patient wird transportiert • Alle Entscheidungen und Maßnahmen sind ausführlich zu dokumentieren • Die gesonderte Zusatzdokumentation zur Transportverweigerung (Unterschrift, Zeugen) ist erforderlich • Bei Transport gegen den Willen ist die entsprechende Rechtsgrundlage zu dokumentieren Erstellt durch: Freigegeben durch: Seite: Verbindlich für den Einsatzdienst BFRA RN / Stab RD ÄLRD 100
Medizinische Handlungsanweisungen _____________________ Patientenversorgung MANV - SOP
Checkliste MANV Vorsichtung MANV 1.3 • Checkliste endet, sobald ein Punkt zutrifft. • Sichtungskategorie = Farbe des zutreffenden Punktes. Bei schweren Extremitäten-Blutungen: Tourniquet! Sammelstelle definieren, gehfähige Patienten dort hinschicken! Tödliche Verletzung? Tot Offenhalten der Atemwege erforderlich? A (mit Guedel-/Wendl-Tubus und Seitenlage) SK I A Inhalationstrauma mit Stridor? SK I SK I Atemfrequenz <10/min oder >30/min B (Untersuchungsdauer 10 sek) C Unstillbare Blutung? SK I Kein Radialispuls? C (Untersuchungsdauer 10 sek) SK I D SK I Kann Kommando ,,Heben Sie den Arm‘‘ nicht ausführen Keiner der genannten Punkte zutreffend? SK II Erstellt durch: Freigegeben durch: Seite: Verbindlich für den Einsatzdienst BFRA RN / Stab RD ÄLRD 102
Medizinische Handlungsanweisungen _____________________ Hygiene - SOP
Basishygiene HYG Hygienische Händedesinfektion BASIS 1 Warum? Wichtigste Maßnahme zur Infektionsprävention ! Vor Vor Wann? Nach Kontakt mit potentiell Nach Patienten- invasiven infektiösen Materialien Patientenkontakt kontakt Maßnahmen Einwirkzeit: Wie? ! Sekunden Virusinaktivierung (z.B. Noro): 60 Sek. Arm-/ Handschmuck Unabdingbar: Einhaltung der Individuelle künstliche Einwirkzeit von 30 Sekunden bzw. 60 3-5ml in die Einreibetechnik Fingernägel Sekunden zur Virusinaktivierung; trockene unter Beachtung verhindern eine von Einwirkzeit effektive Hände- Handfläche Augenmerk: auf vollständige geben. und vollständiger desinfektion und Benetzung, insbesondere auf typische Benetzung aller sind deshalb Benetzungslücken: Fingerkuppen, Hautareale. unzulässig. Daumen und Handzwischenräume. „Taschen Die „Taschenflasche“ (100ml Händedesinfektionsmittel) ist eine Alternative zu den ortsfesten Spendern. Sie ermöglicht auch unter den erschwerten hygienischen Rahmenbedingungen des -flasche“ Rettungsdienstes, die ständige Verfügbarkeit eines Händedesinfektionsmittels. Durch- Flasche mit einer Hand (1) führung aus der Tasche entnehmen 3-5 ml in die freie, und mit dem Daumen den trockene, hohle Hand (2) Verschluss öffnen. gießen. Flasche mit Hand (1) wieder verschließen und in der Durchführung der Händedesinfektion: 1 1 Tasche verstauen. Hand 1+2 1 1 1 . 2 . 1 + 2 . Die Taschenflasche befindet sich standardmäßig im Rettungsrucksack (PSA), um jederzeit Unterbringung verfügbar zu sein. Eine weitere Flasche sollte das Einsatzpersonal als Ergänzung in einer gut erreichbaren und frei gewählten Tasche der Schutzkleidung tragen. Erstellt durch: Freigegeben durch: Seite: Verbindlich für den Einsatzdienst BFRA RN / Stab RD ÄLRD 104
Basishygiene HYG Desinfektionsmittel BASIS 2 HYG BASIS 1 Aseptoman® Viral ist ein alkoholisches, voll viruzides Händedesinfektionsmittel für Arbeitsbereiche mit erhöhter Händedes- Infektionsgefährdung. Neben den infektionsmittel ortsgebundenen Spendern, steht den Einsatzkräften die sogenannte „Taschenflasche“, als mobile und jederzeit verfügbare Alternative zur Verfügung. Cutasept® F ist ein alkoholisches Haut- Hautdes- desinfektionsmittel zur Anwendung vor infektionsmittel invasiven Eingriffen mit umfassender Wirksamkeit bei intakter Haut. Octenisept® ist ein farbloses Wund- und Wund- Schleimhautantiseptikum mit breiten und antiseptischen Wirkungsspektrum, schnellem Schleimhaut- Wirkungseintritt, guter Schleimhaut- antiseptikum verträglichkeit und schmerzfreier Anwendung. Medizinprodukte Schülke mikrozid sensitive wipes® Zur schnellen und einfachen Desinfektion von Medizinprodukten auf alkoholfreier Basis. Anwendung für z.B. Geräte, Dlouhy-Tragestuhl, Zoll X-Serie, Ausrüstung Weinmann Accuvac, Braun Spritzenpumpe und sowie Oxylog. Flächen- Auch für Flächen < 1 qm geeignet desinfektions- mittel, HYG BASIS 5 Flächen Schülke wipes® (Pursept Tücher) entsprechend Umfassend anwendbare Feuchttücher des Flächen- (getränkt in Pursept - Gebrauchslösung) zur umfanges schnellen und einfachen Flächendesinfektion auf Alkoholbasis für Flächen < 1 qm. Perform® ist ein Flächendesinfektionsmittel (bei gleichzeitiger Reinigungswirkung) mit breitem Wirkspektrum für Flächen > 1qm auf Basis eines Sauerstoffabspalters. Erstellt durch: Freigegeben durch: Seite: Verbindlich für den Einsatzdienst BFRA RN / Stab RD ÄLRD 105
Basishygiene HYG Infektionsgefahren BASIS 3 Die Hauptübertragungswege rettungsdienstlich relevanter Erreger von Infektionserkrankungen konzentrieren sich auf drei Übertragungsarten, wobei es mitunter zu fließenden Übergängen kommt. Übertragungswege: Wie und womit schütze ich mich? Blut/Sekrete zum Beispiel: HIV - AIDS Hepatitis B,C,D Kontakt/- Schmierinfektionen zum Beispiel: Durchfallerkrankungen, Norovirus, Multiresistente Erreger in Wunden, Rotaviren Basismaßnahmen Erweiterte Basismaßnahmen Händedesinfektion Augen - Einmalhandschuhe Tröpfchen-/ Aerogene - und Übertragung zum Beispiel: RD-Schutzkleidung Mund-/Nasenschutz Multiresistente (FFP3 – Maske) Niesen Sprechen Erreger (Atemwege), Husten Norovirus, Mumps, Röteln, Scharlach Raum- Tuberkulose, luft Varizellen (Windpocken) zum Beispiel: Erkrankungen Desinfektionsmaßnahmen: mit besonders Lungenpest, Milzbrand, Ausschließlich auf Pocken, Infektions- amtsärztliche Anweisung hoher SARS/MERS, schutzset über Lagedienst Infektions- virale (38780831) durch hämorrhagische Fieber gefährdung Fieber externen Dienstleister. Erstellt durch: Freigegeben durch: Seite: Verbindlich für den Einsatzdienst BFRA RN / Stab RD ÄLRD 106
Übersicht Ansteckungsgefahren HYG Inhalative Infektionen BASIS 3.1a Personalschutz Desinfektion Meldepflicht nach IfSG durch RD Personal, RD Kleidung nach dem Einsatz wechseln Dosierung Perform ® Einwirkzeit in Minuten Kontaktflächen nach Patienten-übergabe Auf behördliche Anweisung über LD Übertragung der Patienten Mund/Nasenschutz wenn kein Arzt hinzugezogen wurde und Erkrankung Krankheitserreger Stützpunktdesinfektion (von Mensch zu Mensch) Infektionsschutzset (Pursept ®Tücher) FFP3 Maske Augenschutz kein Transport ins Krankenhaus erfolgte. Handlungsanweisung zur Inhalative Infektionen Flächendesinfektion beachten ! 2% Diphtherie Tröpfchen-/Schmierinfektion * 30 2% Influenza Tröpfcheninfektion, ggf. Schmierinfektion * 30 2% Pertusis (Keuchhusten) Tröpfcheninfektion * 30 Lungenpest Tröpfcheninfektion, ggf. Schmierinfektion 2% Masern Aerogen, kontaminierte Objekte * 30 Meningitis (Meningokokken, 2% Tröpfcheninfektion * Hämophilus influenzae)** 30 Multiresistente gramnegative 2% Erreger (MRGN) Tröpfcheninfektion, Urin, Stuhl, Wunden * 30 Atemwegsinfektion 2% MRSA/ORSA/VRSA Tröpfcheninfektion, Körperkontakt Haut * 30 2% Mumps (Ziegenpeter) Tröpfcheninfektion, kontaminierte Objekte * 30 Pocken Atemwegsekrete, Hautkontakt 2% Röteln Tröpfcheninfektion, Sekrete * 30 SARS / MERS Aerogen, Tröpfcheninfektion, (`Coronavirus Infektionen´) Schmierinfektion 2% Scharlach Tröpfcheninfektion, Körperkontakt * 30 3% Tuberkulose Aerogen * 30 virale hämorragische Fieber Atemwegsekrete, Körperflüssigkeiten, (Ebola, Lassa, Marburg u.a.) Haut 2% Varizellen (Windpocken) Aerogen, Sekrete, Schmierinfektion * 30 * bei massiver Kontamination durch Sekret o.ä. ** PEP (Postexpositionsprophylaxe) nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Infizierten über: Inkorporation/Inhalation, Oral, Auge und Wunde Erstellt durch: Freigegeben durch: Seite: Verbindlich für den Einsatzdienst BFRA RN / Stab RD ÄLRD 107
Übersicht Ansteckungsgefahren HYG Schmier-und Kontaktinfektion BASIS 3.1b Personalschutz Desinfektion Meldepflicht nach IfSG durch RD Personal, RD Kleidung nach dem Einsatz wechseln Dosierung Perform ® Einwirkzeit in Minuten Kontaktflächen nach Patienten-übergabe Auf behördliche Anweisung über LD Übertragung der Patienten Mund/Nasenschutz wenn kein Arzt hinzugezogen wurde und Krankheitserreger Erkrankung Stützpunktdesinfektion (von Mensch zu Mensch) Infektionsschutzset (Pursept ®Tücher) FFP3 Maske Augenschutz kein Transport ins Krankenhaus erfolgte. Handlungsanweisung zur Schmier- und Kontaktinfektion Flächendesinfektion beachten ! Cholera Stuhl, Fäkal/Oral, Erbrochenes HIV-positive Personen; AIDS ** Blut und Körperflüssigkeiten * 2% 30 Durchfallerkrankungen (Enteritis Stuhl, Fäkal/Oral, Schmierinfektion * 2% 30 infectiosa) Erysipel (Wundrose) Wundsekrete * * 2% 30 Gasbrand (Erreger: clostridium Keine Übertragung von Mensch zu * 2% 30 perfringens u.a.) Mensch Hepatitis A Stuhl, Fäkal/Oral, Blut * * 2% 30 Hepatitis B, C und D ** Blut und Körperflüssigkeiten * * 2% 30 Hepatitis E Stuhl, Fäkal/Oral, Schmierinfektion * * 2% 30 Krätze (Skabies), Kopfläuse Körperkontakt Ansteckungsgefahr durch nicht intakte Milzbrand Haut bei Haut-Milzbrand Multiresistente gramnegative Stuhl, Wundsekret, Urin, Haut * 2% 30 Erreger (MRGN) Wundinfektionen Norovirus Stuhl, Erbrochenes, Tröpfcheninfektion * 2% 30 respiratorische Sekrete, Stuhl, Poliomyelitis (Kinderlähmung) * 2% 30 Erbrochenes Rotaviren Fäkal/Oral, Schmierinfektion * 2% 30 Mensch zu Mensch Übertragung selten Tollwut** * 2% 30 (Biss-/Kratzwunde, Speichel) Typhus, Paratyphus Fäkal/Oral, Blut, Urin, Erbrochenes 2% 30 In der Liste sind aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht alle Krankheitserreger aufgeführt. * bei massiver Kontamination durch Sekret o.ä. ** PEP (Postexpositionsprophylaxe) nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Infizierten über: Inkorporation/Inhalation, Oral, Auge und Wunde. Erstellt durch: Freigegeben durch: Seite: Verbindlich für den Einsatzdienst BFRA RN / Stab RD ÄLRD 108