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Von: Julia Neles <J.Neles@oeko.de> Gesendet: Dienstag, 3. Dezember 2019 16:00 An: Götz, Christian <Christian.Goetz@bmu.bund.de> Cc: Christian Küppers <C.Kueppers@oeko.de> Betreff: Entwurf zu ZBL Sehr geehrter Herr Götz, anbei erhalten Sie die Stellungnahme zur Bewertung des Standortes als Entwurf. Gerne stehen wir für Rückfragen zur Verfügung. Die zweite Stellungnahme erhalten Sie spätestens morgen Vormittag. Mit freundlichen Grüßen Julia Neles Öko-Institut e. V. Dipl.-Ing. (FH) Julia Mareike Neles Gruppenleiterin Entsorgung Rheinstr. 95 D-64295 Darmstadt Tel.: 06151-8191-0 ( ) Mobil: Fax: 06151-8191- www.oeko.de
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Bewertung der grundsätzlichen
Eignung des Standorts Würgassen
für die Errichtung und den Betrieb
eines Zentralen Bereitstellungslagers
Konrad (ZBL)
Gutachterliche Erstbewertung aufgrund des bislang ermittelten
Kenntnisstands
Darmstadt,
03.12.2019
Autorinnen und Autoren Geschäftsstelle Freiburg
Postfach 17 71
79017 Freiburg
Julia Mareike Neles Hausadresse
Öko-Institut e.V. Merzhauser Straße 173
79100 Freiburg
Telefon +49 761 45295-0
Christian Küppers
Öko-Institut e.V. Büro Berlin
Schicklerstraße 5-7
Manuel Claus 10179 Berlin
Telefon +49 30 405085-0
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Erstbewertung Standort Würgassen
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 4
1. Einleitung 5
2. Allgemeine Angaben zum Standort 6
2.1. Überregionale Lage und vorhandene kerntechnische Anlagen 6
2.2. Überblick über die derzeitige Flächennutzung 6
2.3. Standortumgebung 7
3. Bewertung der grundsätzlichen Eignung des Standorts für ein ZBL 11
3.1. Anforderung Gleisanschluss 11
3.2. Anforderung Straßenverkehrsanbindung 14
3.3. Anforderung Infrastruktur und Medien 16
3.4. Anforderung verfügbare Fläche 16
3.5. Anforderung hochwasserfreie Lage 17
3.6. Anforderung keine Bergsenkungen 19
3.7. Anforderung Einfluss von Störfallanlagen 19
3.8. Anforderung keine Brandrisiken 20
3.9. Anforderungen aus der Nachnutzung militärischer Flächen 21
3.10. Anforderung Sprengstofffreiheit 22
3.11. Anforderung maximal Erdbebenzone 0 22
4. Schlussfolgerungen und ergänzende Hinweise 25
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Erstbewertung Standort Würgassen
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2-1: Satellitenaufnahme des Standorts 7
Abbildung 2-2: Umspannwerk (im Hintergrund Reaktorgebäude) 8
Abbildung 2-3: Einzelwohnbebauung am Kernkraftwerksstandort 8
Abbildung 2-4: Campingplatz Axelsee 9
Abbildung 2-5: See nordwestlich des Anlagenstandortes 9
Abbildung 2-6: Lage des FFH Gebietes „Wälder von Beverungen“, DE-4322-304 10
Abbildung 3-1: DB Strecke am Standort (blau) und Abzweige (gestrichelt) 12
Abbildung 3-2: Eingleisige Bahnstrecke zwischen Lauenförde und Würgassen 13
Abbildung 3-3: Bahngleis in Richtung Kraftwerksgelände 13
Abbildung 3-4: Brücke über die Weser, Abzweig von der B 83 15
Abbildung 3-5: Hochwassersituation am Standort gemäß Hochwassergefahrenkarte
HQ extrem 18
Abbildung 3-6: Gewerbegebiet Würgassen, Brennholzhandel 21
Abbildung 3-7: Erdbebenzonen Deutschland 23
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Erstbewertung Standort Würgassen
1. Einleitung
Mit E-Mail vom 16.10.2019 wurde das Öko-Institut e. V. durch das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) beauftragt, die Standortempfehlung für ein Zentrales
Bereitstellungslager Konrad (ZBL) (BGZ 2019) der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH
(BGZ) gutachterlich zu bewerten. In einem in dieser Standortempfehlung durchgeführten Ranking
wurde der Standort des stillgelegten Kernkraftwerks Würgassen als potenziell geeigneter Standort
für das Bereitstellungslager ermittelt.
Grundlage für die gutachterliche Bewertung der potenziellen Eignung stellt die Stellungnahme „Si-
cherheitstechnische und logistische Anforderungen an ein Bereitstellungslager für das Endlager
Konrad“ der Entsorgungskommission (ESK) vom 26.07.2018 dar (Entsorgungskommission (ESK)
2018). In der vorliegenden Stellungnahme erfolgt eine Einschätzung, in wie weit die Anforderungen
der ESK durch den Standort Würgassen erfüllt sind oder erfüllbar erscheinen. Darüber hinaus
werden ergänzende Hinweise gegeben, die sich im Rahmen der Betrachtung ergeben haben.
Der Bewertung zugrunde gelegt sind die zum jetzigen Zeitpunkt verfügbaren Informationen des
Auftraggebers sowie öffentlich verfügbare Informationen über den Standort. Zudem wurde im No-
vember 2019 eine Ortsbegehung durchgeführt, die weitere Erkenntnisse über den Standort und die
Standortumgebung lieferte. Diese Informationen ermöglichen eine erste Einschätzung der Eignung
des Standortes. Eine umfassende Bewertung hinsichtlich der Genehmigungsfähigkeit des Zentra-
len Bereitstellungslagers am Standort Würgassen erfolgt in dieser Stellungname nicht. Dazu ist
eine deutlich detailliertere Charakterisierung des Standortes erforderlich, für die in der vorliegen-
den Stellungnahme Hinweise gegeben werden.
Ebenfalls nicht untersucht wird in dieser Stellungnahme, inwieweit der Standort von Seiten der
Anwohner als tolerier- oder akzeptierbar angesehen wird. Aufgrund der kerntechnischen Vornut-
zung des Standorts bestehen in der Region bereits Erfahrungen mit kerntechnischen Anlagen.
Das Gutachten ist wie folgt gegliedert:
In Kapitel 2 werden die zum Zeitpunkt der Stellungnahme dem Öko-Institut vorliegenden bzw.
durch das Öko-Institut ermittelten allgemeinen Informationen zusammenfassend dargestellt.
In Kapitel 3 wird der Standort hinsichtlich dessen grundsätzlicher Eignung für die Errichtung und
den Betrieb des ZBLs bewertet. Bewertungsgrundlagen sind die Kriterien der oben genannten
ESK-Stellungnahme.
In Kapitel 4 folgen ergänzende Hinweise zu Themen, die im Rahmen der Planung und des Ge-
nehmigungsverfahrens von besonderer Relevanz sein können. Abschließend werden in diesem
Kapitel Schlussfolgerungen gezogen und dargelegt.
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Erstbewertung Standort Würgassen 2. Allgemeine Angaben zum Standort 2.1. Überregionale Lage und vorhandene kerntechnische Anlagen Der Standort liegt in Nordrhein-Westfalen an der Oberweser zwischen Bad Karlshafen und Bever- ungen, Ortsteil Würgassen, im Kreis Höxter. Im so genannten Drei-Länder-Eck sind die Landes- grenzen von Niedersachsen und von Hessen einige Hundert Meter entfernt. Von 1971 bis 1994 wurde am Standort das Kernkraftwerk Würgassen betrieben. Anfang 1997 wurde es endgültig stillgelegt. Anschließend begann der sofortige Rückbau des Kernkraftwerks. Der nukleare Rückbau wurde 2014 abgeschlossen. Der konventionelle Abriss der Gebäude des Kraftwerks, ausgenommen der Zwischenlager, ist nach derzeitiger Planung erst ab 2026 vorgese- hen (Degner et al. 2019). Demnach sollen die Fundamente bis 2 m unter GOK am Standort ver- bleiben und die Baugrube mit Recycling-Material aus dem Abriss verfüllt werden. Am Standort verbleiben die Zwischenlagereinrichtungen, bestehend aus dem UNS-Gebäude, das vor dem Rückbau das unabhängige Nachkühlsystem beherbergte, und der Transportbereitstel- lungshalle (TBH). Auf Basis des Entsorgungsübergangsgesetzes wird das Zwischenlager TBH inklusive der darin befindlichen Abfälle zum 1.1.2020 an die BGZ übergeben. Gemäß der Angaben der PreussenElektra GmbH (PreussenElektra GmbH 2017) befinden sich mit Stand Mai 2017 in der TBH 300 Container, die mit Fässern und mit Schnittstücken von Reaktor- komponenten beladen sind. Im UNS-Gebäude stehen derzeit 3.047 Fässer, die noch in Container eingeladen werden müssen. Die Konditionierung ist Aufgabe des Abfallerzeugers und wird von der PreussenElektra GmbH im UNS-Gebäude durchgeführt. 2.2. Überblick über die derzeitige Flächennutzung Die Umgebung und Lage des Kraftwerkstandortes sind der Satellitenaufnahme vom 17.09.2018 (Abbildung 2-1) zu entnehmen. Das Gelände liegt in einer Flussschleife der Weser. Für das Bereit- stellungslager steht die im Bild umrandete Fläche zur Verfügung. Die genaue Lage des ZBLs, der Logistikflächen, Zuwegungen und ggf. erforderlicher Nebengebäude werden im Rahmen der Pla- nung festgelegt. Auf der Fläche des Kraftwerkstandortes sind die noch vorhandenen Gebäude des Kernkraftwerks, der Zwischenlager, Verwaltungsgebäude sowie der Anlagenzaun zu erkennen. Nördlich des Anla- genzauns liegt die Fläche des ehemaligen Revisionsparkplatzes. Im Norden und Osten schließen sich landwirtschaftlich genutzte Flächen an sowie Streifen mit Baumbestand. Diese Flächen befin- den sich im Eigentum der PreussenElektra GmbH. Darüber hinaus reicht das Gelände der PreussenElektra GmbH im Süden bis fast an das Weser- ufer (außerhalb der Umrandung). Diese Flächen dienen dem Landschaftsschutz und sollen zukünf- tig nicht genutzt werden. 6
Erstbewertung Standort Würgassen
Abbildung 2-1: Satellitenaufnahme des Standorts
Quelle: Google Earth Pro
2.3. Standortumgebung
Im Westen des Kraftwerksgeländes schließt sich die Fläche des Umspannwerks an. Die Fläche
wird von Norden über eine Straße erschlossen. Der Bahnanschluss zum Umspannwerk wurde
stillgelegt. Das Foto in Abbildung 2-2 gibt den Blick auf das Umspannwerk von der Zufahrtsstraße
aus wieder. Im Hintergrund ist das Reaktorgebäude zu sehen.
Die Zufahrt zum Kraftwerksgelände erfolgt über die Straße „Zum Kernkraftwerk“. Die Straße mün-
det in die Lauenförder Straße, die in westliche Richtung als L 550 (ab Landesgrenze Niedersach-
sen) nach Lauenförde führt. In östliche Richtung, in Richtung Würgassen, mündet sie in die Land-
straße L 763, die nach Süden zur Bundesstraße B 83 führt.
Ebenfalls nördlich des Kraftwerksgeländes verläuft die Eisenbahntrasse mit den Abzweigen zum
Kraftwerk. Genauere Angaben zum Bahnanschluss finden sich in Kapitel 3.1.
Östlich der Straße „Zum Kernkraftwerk“ befindet sich eine Erschließungsfläche für ein Gewerbe-
gebiet. Derzeit befindet sich hier das umzäunte Gelände (ca. 3500 m²) eines Brennholzhandels (s.
Abbildung 3-6). Der überwiegende Teil der Erschließungsfläche wird landwirtschaftlich genutzt.
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Erstbewertung Standort Würgassen Abbildung 2-2: Umspannwerk (im Hintergrund Reaktorgebäude) Quelle: Öko-Institut e.V. Nördlich des Standortes an der Lauenförder Straße liegen zwei Einzelbebauungen mit Wohnhäu- sern. Die Entfernung der Einzelwohnbebauungen zum Kraftwerksstandort ist dem Luftbild (Abbildung 2-1) zu entnehmen. Die nächste Einzelwohnbebauung ist etwa 200 m vom Kraftwerks- gelände entfernt. Das Reaktorgebäude und die beiden Wohnbebauungen sind in der Abbildung 2-3 zu sehen. Der Abstand vom Anlagenzaun des derzeitigen Kraftwerksgeländes bis zur Ortschaft Würgassen beträgt ca. 400 m. Abbildung 2-3: Einzelwohnbebauung am Kernkraftwerksstandort Quelle: Öko-Institut e.V. 8
Erstbewertung Standort Würgassen
Etwa 670 m Luftlinie in nordwestliche Richtung liegt der Campingplatz „Camping Axelsee“ (s. Ab-
bildung 2-4). In gleiche Richtung etwa 350 m entfernt liegt ein See (Abbildung 2-4). Weitere Seen
schließen sich nordwestlich des Campingplatzes an.
Abbildung 2-4: Campingplatz Axelsee
Quelle: Öko-Institut e.V.
Abbildung 2-5: See nordwestlich des Anlagenstandortes
Quelle: Öko-Institut e.V.
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