bsbp-f-endfassung-geseke-2019-07-09
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3.1 Eintreffzeiten (3) 31 Abgrenzung der Begrifflichkeiten „Eintreffzeiten“ und „Hilfsfristen“ Der im vorliegenden Brandschutzbedarfsplan verwendete Begriff „Eintreffzeit(en)“ wird wie folgt vom ebenfalls häufig benutzten Begriff „Hilfsfrist(en)“ abgegrenzt: Hilfsfrist: Zeitdifferenz zwischen Beginn der Notrufabfrage und dem Eintreffen an der Einsatzstelle (und somit inklusive Gesprächs- und Dispositionszeit in der Kreisleitstelle) Eintreffzeit: Da die Stadt Geseke die Bearbeitungszeiten in der Kreisleitstelle nicht beeinflussen kann, wird zur Abgrenzung zur o.a. Hilfsfrist der Begriff „Eintreffzeit“ genutzt. Zeitdifferenz zwischen Alarmierung der Feuerwehr und dem Eintreffen an der Einsatzstelle (und somit ohne Abfrage-, Gesprächs- und Dispositionszeit in der Kreisleitstelle ) 1. Eintreffzeit = 10 Minuten 2. Eintreffzeit = 15 Minuten Die Begriffe Eintreffzeit und Hilfsfrist unterscheiden sich durch die Bearbeitungszeiten für Notrufe in der Kreisleitstelle. Der Brandschutzbedarfsplan verwendet den Begriff „Eintreffzeit“, dessen Zeitanteile durch die Stadt bzw. Feuerwehr Geseke beeinflussbar sind. Dabei wird unterschieden zwischen 1. und 2. Eintreffzeit. Brandschutzbedarfsplan der Stadt Geseke Stand: 15.03.2019
3.2 Funktionsstärken 32
Stärken und Qualifikationen
Aus dem Bemessungsszenario „kritischer Wohnungsbrand“ leiten sich unter Berücksichtigung der Feuerwehr-
dienstvorschrift 3 (FwDV 3) nachfolgende Mindestanforderungen an Qualifikationen ab.
Schutzziel: Kritischer Wohnungsbrand
1. Eintreffzeit (10 Min.): 9 Funktionen, davon mind. 1 Gruppenführer, 1 Maschinist, 7 Truppmänner/
Truppführer, davon mind. 4 Atemschutzgeräteträger
2. Eintreffzeit (15 Min.): weitere 7 Funktionen, davon 1 weiterer Gruppenführer, 1 weiterer Maschinist,
(in Summe also: 16 Funktionen) 4 weitere Atemschutzgeräteträger sowie 1 Zugführer
Anmerkungen
Die 9 Funktionen der 1. Eintreffzeit entsprechen einer Gruppe nach FwDV 3.
Die 7 Funktionen der 2. Eintreffzeit entsprechen einer Staffel (6 Funktionen) zuzüglich eines Zugführers.
Die personellen Mindestanforderungen werden in Form von Funktionen (Fu) beschrieben, welche neben der
Anzahl der Kräfte (= Personalstärke) auch Qualifikationen beinhalten.
Brandschutzbedarfsplan der Stadt Geseke
Stand: 15.03.2019
3.3 Zielerreichungsgrad 33 Zielerreichungsgrad Grundsätzlich ist erstrebenswert, bei möglichst jedem relevanten Einsatz die Zeit- und Funktionsvorgaben einzuhalten, wobei sich dies in der Regel auf nennenswert bebaute Bereiche bezieht (als etablierte Definition kann der Begriff „im Zusammenhang bebaute Ortsteile“ nach § 34 Baugesetzbuch (BauGB) herangezogen werden). Häufig wäre z.B. die Sicherstellung der Hilfsfristen bei Einzelobjekten im Außenbereich nur durch eine unverhältnismäßige oder unrealistische Standortstruktur lösbar. Allerdings darf der Zielerreichungsgrad nicht zur rechnerischen Korrektur von zeitlich nicht abgedeckten, aber nennenswert besiedelten Bereichen eingesetzt werden. D.h., planerisch sollten Einsätze in den zu versorgenden Gebieten zu 100% erfüllbar sein. Um auch den nicht planbaren Einflussgrößen (z.B. Witterungsbedingungen, Paralleleinsätze) Rechnung zu tragen, werden in der Praxis in der Regel Zielerreichungsgrade zwischen 95% und 80% angesetzt. Diese dienen auch der Auswertung der Einsätze und somit als ein wichtiges Bewertungskriterium im Hinblick auf die Leistungs- fähigkeit der Feuerwehr. Von den in Deutschland gebräuchlichen Zielerreichungsgraden sollte ein planerischer Wert von 90% angesetzt werden. Es wird abweichend vom bisherigen Wert von 83% ein Zielerreichungsgrad von 90% definiert. Brandschutzbedarfsplan der Stadt Geseke Stand: 15.03.2019
3.4 Schutzzieldefinition 34
Schutzzieldefinition der Stadt Geseke
Bemessungsszenario: Kritischer Wohnungsbrand
1. Eintreffzeit: 10 Minuten 2. Eintreffzeit: + 5 Minuten = 15 Minuten
Stärke: 9 Funktionen Stärke: + 7 Funktionen = 16 Funktionen
Zielerreichungsgrad: 90%
Anmerkungen
Aus den definierten Funktionen ergeben sich auch Anforderungen an die Qualifikationen [vgl. Abschnitt 3.2].
Das Schutzziel gilt nur in relevant besiedelten Bereichen. Als Orientierung kann die Begrifflichkeit „im Zusammenhang
bebauter Ortsteil“ gemäß § 34 Baugesetzbuch herangezogen werden.
Die Schutzzielkriterien basieren zwar auf dem Szenario „kritischer Wohnungsbrand“. Die Kriterien – insbesondere die
1. Eintreffzeit – sollten jedoch auch bei anderen zeitkritischen und personalintensiven Einsätzen als Zielgröße und
Bewertungsmaßstab herangezogen werden.
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Stand: 15.03.2019
4 Einsatzauswertung 35
Übersicht zur Auswertung des Einsatzgeschehens
Bedarfsplanrelevante Auswertungen und deren Betrachtungszeiträume:
Langfristige Entwicklung des Einsatzgeschehens (hier: 2008-2017)
Quelle: Jahresberichte und -statistiken der Feuerwehr Geseke
Jahresauswertung (hier: 2017)
Quelle: Einsatzberichte der Feuerwehr Geseke
Ausrückzeiten und Eintreffzeiten (hier: 2017)
Quelle: Einsatzberichte der Feuerwehr Geseke und Protokolle der Kreisleitstelle
Schutzzielauswertung / Zielerreichungsgradanalyse (hier: 2017)
Quelle: Einsatzberichte der Feuerwehr Geseke und Protokolle der Kreisleitstelle
Zeitbereiche
Durch eine Abfrage der arbeitsplatzabhängigen Tagesverfügbarkeit bei den ehrenamtlichen Kräften wurde der
Zeitraum Mo.-Fr. von 6:56 Uhr bis 16:13 Uhr ausgewertet und auf 7:00 Uhr bis 16:30 Uhr als Zeitbereich 1 (ZB 1)
mit eingeschränkter Personalverfügbarkeit gerundet.
Der resultierende übrige Zeitbereich 2 (ZB 2) umfasst Mo.-Fr. 16:30 bis 7:00 Uhr sowie Wochenenden und
Wochenfeiertage. Wo möglich und sinnvoll, wurde bei der Einsatzauswertung – neben der zeitlichen Gesamt-
betrachtung – zusätzlich zwischen diesen beiden Zeitbereichen differenziert.
Um den verschiedenartigen Anforderungen des Brandschutzbedarfsplans gerecht zu werden, wurde das Einsatz-
geschehen mehrstufig analysiert.
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Stand: 15.03.2019
4.1 Langfristige Entwicklung des Einsatzgeschehens 36
Einsatzentwicklung 2008-2017
250
Technische
Rettungen
Technische
200 Hilfeleistungen
Brände
150
Anzahl Einsätze
100
50
0
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Jahr
198 133 166 165 167 160 176 243 220 192 Summe Einsätze
In den letzten 10 Jahren wurde die Feuerwehr Geseke zu durchschnittlich rund 180 Einsätzen jährlich alarmiert,
darunter durchschnittlich rund 80 Brandalarmierungen. Insbesondere die Anzahl der Technischen Hilfeleistungen
war jedoch relativ stark schwankend.
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4.2 Jahresauswertung (1) 37
Betrachtungszeitraum: 01.01.2017 - 31.12.2017
Datenmenge, Häufigkeit, Wahrscheinlichkeit
Die Tabelle zeigt die Anzahl der ausgewerteten Einsätze im Betrachtungszeitraum sowie die Einsatzhäufigkeiten
und die Einsatzwahrscheinlichkeit in Bezug auf die beiden Tageszeitbereiche (ZB 1 und ZB 2).
ZB 1 ZB 2
Zeitraum / 01.01.2017 - Einsatz- Einsatz- Einsatzwahr-
Mo.-Fr. 16:30-7 h
Zeitbereich 31.12.2017 Mo.-Fr. 7-16:30 h häufigkeit häufigkeit scheinlichkeit
Sa./So./Feiertag
["alle x Stunden"] ["alle x Stunden"] in ZB 1 ggü. ZB 2
Anzahl Stunden 8.760 h 2.375 h * 6.385 h
Anzahl Einsätze 192 52 46 140 46 gleich verteilt
davon zeitkritisch 79 22 108 57 112 erhöht um +4%
Anteil zeitkritisch 41% 42% 41%
* 260 Werktage à 9,5 h
abzgl. 10 Wochenfeiertage
Im Betrachtungszeitraum (2017) ereigneten sich 192 Einsätze. Davon wurden 79 Einsätze als zeitkritisch
alarmiert.
Bei der Einsatzwahrscheinlichkeit ergab sich eine homogene Verteilung in Bezug auf die bedarfsplanrelevanten
Tageszeitbereiche (ZB 1 und ZB 2). Auch bei den zeitkritischen Einsätzen war die Erhöhung (um 4%) nur minimal.
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4.2 Jahresauswertung (2) 38
Betrachtungszeitraum: 01.01.2017 - 31.12.2017
Einsatzverteilung nach Monaten
25
nicht zeitkritisch
20
zeitkritisch
15
Anzahl Einsätze
10
5
0
Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Monat
15 18 19 18 7 23 21 16 10 18 17 10 Monatssumme
Dargestellt ist die Verteilung der Einsätze des Betrachtungszeitraumes (2017) auf die Monate. Grafisch wird
zudem zwischen zeitkritischen und nicht zeitkritischen Einsätzen differenziert.
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4.2 Jahresauswertung (3) 39
Betrachtungszeitraum: 01.01.2017 - 31.12.2017
Wochenverteilung
Die Grafik zeigt die Häufigkeit der 192 Einsätze des Betrachtungszeitraumes (2017) in Bezug auf Wochentage
und Stundenintervalle.
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23
Montag 0 0 0 1 0 0 0 0 3 0 1 2 1 0 1 2 3 2 2 2 1 1 2 1
Dienstag 0 1 0 0 0 0 0 0 0 1 2 6 2 0 1 0 0 1 2 2 0 2 1 0
Mittwoch 1 0 0 1 1 0 1 1 0 1 1 1 1 1 0 3 3 3 0 2 0 0 0 1
Donnerstag 0 1 0 0 0 1 0 1 1 2 0 1 1 1 2 0 1 3 1 1 7 0 0 0
Freitag 0 0 1 0 0 0 0 1 1 1 0 0 4 0 2 2 3 1 6 1 3 2 0 0
Samstag 0 1 0 2 2 1 1 0 2 1 2 4 0 2 2 3 1 4 1 2 0 0 0 1
Sonntag 5 0 0 0 1 2 0 2 1 1 3 1 2 6 2 1 2 2 3 1 2 1 0 2
Anmerkungen: Anzahl Einsätze:
Die Zahlen kennzeichnen den jeweiligen Beginn (Uhrzeit) eines Stundenintervalls. Kein Einsatz
Beispiel: 2 = 2:00 Uhr bis einschließlich 2:59 Uhr 1 bis 2 Einsätze
Einsätze an Wochenfeiertagen (Anzahl hier: 4) wurden nicht separat bewertet. 3 bis 4 Einsätze
5 bis 6 Einsätze
>= 7 Einsätze
Eine erhöhte Häufigkeit ist im Bereich Montags bis Freitags von 7/8 bis 20/21 Uhr sowie ganztägig an Samstagen
und Sonntagen erkennbar.
Brandschutzbedarfsplan der Stadt Geseke
Stand: 15.03.2019
4.2 Jahresauswertung (4) 40
Betrachtungszeitraum: 01.01.2017 - 31.12.2017
Einsatzverteilung nach Einsatzorten 2017 / Gesamt
Alarmstichwort bzw. Bönning- Ehring- Eringer- Ermsing- Langen- Mittel- Mönning- Stör- über-
Gesamt Geseke BAB
Einsatzart hausen hausen feld hausen eicke hausen hausen mede örtlich
Kleinbrand 26 0 0 3 0 18 2 0 0 3 0 0
Mittelbrand 10 1 0 1 1 4 1 0 1 1 0 0
Großbrand 1 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0
Fehleinsatz BMA 27 0 0 5 0 22 0 0 0 0 0 0
VU mit Menschenrettung 2 0 0 0 0 0 1 0 0 0 1 0
THL Gefahrstoff 3 0 0 0 0 1 1 0 0 0 1 0
THL Person in Gefahr 9 0 0 1 0 6 0 0 0 1 1 0
First Responder 1 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0
Zwischensumme
79 1 0 11 1 52 5 0 1 5 3 0
"zeitkritische Einsätze"
THL Unwetter 7 0 0 0 0 5 0 0 2 0 0 0
THL Ölspur 21 0 1 3 0 9 2 1 0 3 2 0
THL sonstige 23 0 0 4 1 13 1 0 0 2 2 0
Fehleinsatz sonstiger 14 0 0 0 0 14 0 0 0 0 0 0
Unterstützg. Rettungsd. 9 0 0 2 0 6 0 0 1 0 0 0
Brandsicherheitswache 32 0 0 0 0 15 11 0 0 6 0 0
sonstiges 7 0 0 0 0 4 0 0 1 1 0 1
Summe 192 1 1 20 2 118 19 1 5 17 7 1
Anteil 100,0% 0,5% 0,5% 10,4% 1,0% 61,5% 9,9% 0,5% 2,6% 8,9% 3,6% 0,5%
Die meisten Einsätze (rund 61%) ereigneten sich im Ortsteil Geseke, was mit den Erkenntnissen aus dem
Gefahrenpotenzial korreliert (u.a. Einwohneranteil, Anteil besonderer Objekte).
Brandschutzbedarfsplan der Stadt Geseke
Stand: 15.03.2019