#beFragDenStaat mit Nancy Waldmann

Die #beFragDenStaat-Interview-Reihe geht weiter. Da unterschiedliche Blickwinkel immer bereichernd sind, wollen wir unsere Nutzerinnen und Nutzer weiterhin zu Wort kommen lassen, um ihre Geschichten zu erzählen und Erfahrungen sowie Erfolge zu teilen. Los geht’s mit einer journalistischen Perspektive von Nancy Waldmann, die für ihre Cross-Border-Recherche Informationen freigeklagt hat.

Foto: Peggy Lohse

#beFragDenStaat

Nancy Waldmann
Journalistin

„Für mich bedeutet Informationsfreiheit, dass für die Allgemeinheit wichtige Fragen über das Handeln von Behörden beantwortet werden müssen.“

Nancy Waldmann ist Lokalreporterin einer Kleinstadt. Als Journalistin stehen ihr verschiedene Rechercheinstrumente zur Verfügung: Vor-Ort-Recherchen, Anfragen bei Pressestellen sowie Archive gehören dazu. IFG-Anfragen sind ebenfalls Teil des Repertoires. Inwiefern sich diese für ihre Arbeit lohnen und was sich ändern müsste, hat sie uns im Interview erzählt.

Was bedeutet für dich Informationsfreiheit? 

Für mich bedeutet Informationsfreiheit, dass für die Allgemeinheit wichtige Fragen über das Handeln von Behörden beantwortet werden müssen.

Auf unserem Blog haben wir deine Recherche zum Verkauf der Trolleybusse der Stadtwerke Solingen veröffentlicht, die du noch als freie Journalistin mit Osteuropa-Schwerpunkt durchgeführt hast. Wie bist du damals auf FragDenStaat gekommen?

Unsere Cross-Border-Recherche fand innerhalb des n-vestigate-Netzwerks statt. Das war von n-ost initiiert. Von FragDenStaat hatte ich früher mal gehört, aber darauf die Plattform im Rahmen meine Rechercheaufgabe zu nutzen, haben mich die damaligen Projektkoordinatorinnen von n-ost gebracht.

Du musstest fast zwei Jahre auf deine angefragten Informationen bei der Stadt
Solingen warten. Letztlich hast du geklagt. Was ist dein Fazit aus dieser Erfahrung?

Die Stadtwerke Solingen, welche eine verhältnismäßig kleine kommunale Einrichtung sind, kannten FragDenStaat nicht und verstanden in den ersten E-Mails nicht, was das ist und was ich von denen wollte. Dieser Mailverkehr zog sich einige Wochen hin. Als das geklärt war, war FragDenStaat sehr wichtig, um die juristischen Bezüge herzustellen.

Und die Klage?

Das Klagen selbst war eine gute, ermutigende Erfahrung in dem Sinne, dass ich erfahren konnte, dass der Rechtsstaat funktioniert, wenn ich ihn brauchen würde.

Wie ging es deinem Recherchepartner damit?

Tatsächlich war es mein Recherchepartner in der Ukraine, der die Information für so relevant erachtete, dass wir uns für die Klage entschieden haben. Ich persönlich habe geklagt, weil ich nicht hinnehmen wollte, dass die Behörde mir – ohne nachvollziehbaren Grund – die Information verweigerte. Daneben war das Verfahren für mich die Chance, einmal durchzuexerzieren, wie so etwas geht. Die Zeit drängte nicht allzu sehr und ich konnte in Ruhe abwarten, bis ich Recht bekam. Wäre die Information ein sehr wichtiger Puzzlestein unserer Recherche gewesen, hätte ich vielleicht kein so positives Fazit ziehen können. Die Klage hat schließlich länger als ein Jahr gedauert.

Was müsste passieren, dass IFG-Anfragen für Journalisten attraktiver werden?

Die Antwortfristen für die Behörden müssten kürzer sein. Überhaupt wäre es gut, wenn das Verfahren schneller ginge. Für ein anderes größeres Rechercheprojekt habe ich in Polen regelmäßig IFG-Anfragen gestellt, um an Informationen und Dokumente von Behörden und Gemeinden zu gelangen. Das hat in den meisten Fällen sehr gut funktioniert. Die Frist zu Beantwortung liegt in Polen bei nur zwei Wochen statt vier wie in Deutschland. Das ist viel recherchefreundlicher.

Was schätzt du an FragDenStaat?

Die Plattform ist einfach und handlich und man kann bis zum Ende, also bis zur Klage, gehen, weil das Projekt Transparenzklagen der Gesellschaft für Freiheitsrechte die Gerichtskosten trägt – das ist großartig! 

Was würdest du Leuten sagen, die keine Idee für eine Anfrage haben? Warum lohnt es sich?

Mein Tipp ist einfach, mit wachen Augen durch die eigene Stadt oder das eigene Umfeld zu gehen, sich Fragen zu stellen und zu schauen, wo man die stellen kann. Oder man besorgt sich erst Informationen und stellt sich dann Fragen dazu. Dafür kann man sich natürlich von FragDenStaat und seiner tollen auto-complete-Suche inspirieren lassen, wo man einfach den Namen der eigenen Stadt oder des eigenen Bundeslands eingeben kann und schon ploppen Behörden und gestellte Anfragen auf. Es lohnt sich grundsätzlich, den eigenen Handlungsspielraum als Bürger*in zu erkunden, dafür ist FragDenStaat sehr gut geeignet.

Danke, Nancy!

Alle Interviews der #beFragDenStaat Reihe sind hier zu finden.
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Bild des Autors

Judith Doleschal

Judith arbeitet bei FragDenStaat für die Community-Entwicklung, Kommunikation sowie Fundraising.

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