Internes Konzept des Innenministeriums: Abschiebekampagne zielte auf Politiker

Mit einer umstrittenen Plakatkampagne wollte das Innenministerium vorgeblich Asylbewerber dazu bewegen, Deutschland zu verlassen. Das interne Konzept zur Kampagne, das wir veröffentlichen, zeigt aber: Die Zielgruppe waren auch deutsche Politikerinnen und die deutsche Bevölkerung. Auskünfte des Innenministeriums dazu waren offenbar falsch.

Dieses Motiv wurde Ende 2018 großflächig plakatiert. –

Gibt es unter Berliner Behördenmitarbeitern besonders viele ausreisepflichtige Ausländer? Wohl kaum. Dennoch standen die Beamten im Fokus der Abschiebekampagne „Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!“ von Innenminister Horst Seehofer, die im vergangenen Jahr öffentlich stark diskutiert und kritisiert wurde. Das interne Konzept zur Plakatierung, das wir nach einer IFG-Anfrage veröffentlichen, zeigt jetzt: Offenbar zielte die Kampagne nicht alleine, wie vorher vom Innenministerium behauptet, auf ausreisepflichtige Personen ab. Die Plakate der Kampagne wurden gezielt in der Nähe von Bundesministerien in Berlin platziert.

Laut Konzept bot die vom Innenministerium beauftragte Werbeagentur Jost von Brandis dem Ministerium in der Planungsphase der Kampagne verschiedene mögliche Standorte für die Plakate an. Darunter auch der „Politikeransatz“, der „als besonders wichtig eingestuft“ wurde und der, wie eine interne Nachricht des Ministerium zeigt, letztlich auch gebucht wurde.

„Politikeransatz [...] [wurde] als besonders wichtig eingestuft“

„Politikeransatz [...] [wurde] als besonders wichtig eingestuft“
Hervorhebung von uns

Auskunft ans Parlament falsch

Mit dem „Politikeransatz“ sollten zusätzliche Plakate in den Regierungsvierteln von Berlin und Bonn aufgestellt werden. In einer Antwort auf eine kleine Anfrage zu dem Thema gab die Bundesregierung jedoch an, dass kein Gebiet gesondert angewählt wurde (Hervorhebung von uns).

Frage: Hängen die Plakate in größeren Städten, wie etwa Berlin, gleichmäßig über das gesamte Stadtgebietverteilt oder nur in ausgewählten Stadtteilen, und wie wurden die Stadtteile gegebenenfalls ausgewählt?  

Antwort: Die Plakate wurden soweit möglich gleichmäßig über die Städte verteilt.

Offenbar war die Auskunft der Bundesregierung gegenüber dem Parlament nicht korrekt. Der „Politikeransatz“ führte nämlich dazu, dass die Plakate ungleichmäßig über die Stadt verteilt wurde. Auf Nachfrage von FragDenStaat erklärt das Bundesinnenministerium dazu, dass „eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Plakate in den Städten angestrebt“ wurde, „die durch die vorgegebene Struktur des ÖPNV-Netzes und die Anzahl verfügbarer Flächen eingeschränkt war.

Die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke von der Linksfraktion kritisiert das Vorgehen des Innenministeriums gegenüber FragDenStaat:

Dass sich jetzt herausstellt, dass Migranten gar nicht die primäre Zielgruppe der Kampagne waren, überrascht mich nicht. Offenbar ging es der Bundesregierung darum, der deutschen Mehrheitsbevölkerung ein hartes Vorgehen gegen ausreisepflichtige Geflüchtete zu signalisieren und sich so dem rechten Wählerrand anzubiedern.

Plakate im Berliner Regierungsviertel

Plakate im Berliner Regierungsviertel

Wohnorte mit „hohem Migrantenanteil“

Offenbar sollten aber nicht nur Politikerinnen, sondern auch „potentiell freiwilligen Rückkehrer/-innen“ und die generelle Öffentlichkeit von der Kampagne erfahren. Das Konzept nennt explizit „Die Bevölkerung“ als Zielgruppe der Plakate.

Die „Bevölkerung“ als Zielgruppe

Die „Bevölkerung“ als Zielgruppe
Hervorhebung von uns

Die Agentur Jost von Brandis präsentierte dem Innenministerium zwei unterschiedliche Ansätze zur Auswahl der Standorte. Neben dem Regierungsviertel wollte es mithilfe eines „Geomarketingansatzes“ vor allem „Wohnorte mit einem hohen Migrantenanteil aussteuern“.

„Wohnorte mit hohen Migrantenanteil“

„Wohnorte mit hohen Migrantenanteil“
Hervorhebung von uns

Die Agentur wollte mit diesem Ansatz „Gruppen von Migranten selektieren“. Die Gruppe für Osteuropa umfasste auch EU-Bürgerinnen wie z. B. die über zwei Millionen Polen in Deutschland. Da die russische Flagge als „russisches Element“ in dem Plakat vorkommt, sei sie dennoch in Betracht zu ziehen.

Der „Geomarketingansatz“

Der „Geomarketingansatz“

Das Innenministerium entschied sich letztlich jedoch gegen das „Geomarketing“ und zusätzlich zum „Politikeransatz“ für eine „ÖPNV-Variante“, bei der Plakate in der Nähe von Haltestellen des Nahverkehrs wie U- und S-Bahn platziert wurde. Das Resultat rief große Kritik hervor. Um darauf zu antworten, erstelle das Ministerium ein FAQ. Darin behauptete es jedoch wiederum, die Kampagne richte sich nicht an Menschen, „die rechtmäßig in Deutschland leben“.

Tatsächlich erreichte das Ministerium aber durch seine Kampagne durchaus eine breite Öffentlichkeit. Bisher ließ das Innenministerium offen, ob es eine Neuauflage der Kampagne geben würde. 

→ zur Anfrage

→ zum Konzept

→ Weitere Veröffentlichungen zum Thema Migrationspolitik

JOST VON BRANDIS | BUNDESMINISTERIUM DES INNEREN/ BAMF

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Das Briefing.

=  |dealer Kampagnenstart ab Dek. 31 /KW47
= Spätester Kampagnenstart in Dek. 33 / KW 49
- (Ve in/n (inkl. Mwst.)
"» Zielgruppe:
—  Potentielle freiwillige Rückkehrer/-innen
- Die Bevölkerung
« _Standflächen (keine Wechsler)
« Planung von zwei Varianten:
-  Geomarketingansatz mit GF und CLP in Wohngebieten
-  ÖPNV-Ansatz in Top 100 Städten mit GF und CLP
PLANUNGSANSÄTZE

» Die Bevölkerung (in Marktmediastudien
gerne als E14+ bezeichnet) erreichen wir
durch sämtliche Maßnahmen ohnehin.
Dies lässt sich wunderbar mit Zahlen
belegen.

® Die Migranten erreichen wir einerseits
durch Schaltungsmaßnahmen rings um
den ÖPNV und andererseits durch einen
Geomarketingansatz, bei dem wir v.a. auf
Wohngebiete mit einem hohen
Migrantenanteil aussteuern.

"= Planung von zwei Varianten:

- Geomarketingansatz mit GF und CLP
in Wohngebieten

-  ÖPNV-Ansatz mit GF und CLP in Top
100 Städten

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ECKDATEN

Großfläche: 18/1

"=  Leistungsstarkes Massenmedium mit
breiter, nationaler Abdeckung

" Basismedium (i.d.R. hoher Stellenbestand
pro Ort)
«= Hauptmedium in Orten < 100 TEW

“ Lage: Stadtgebiet (Straßenverkehr)
Bahnhof, PoS, Parkhaus

«  Einzel- und Mehrfachstandorte
a Wirtschaftlicher TKP
“  Optionierung nicht möglich

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Beleuchtung Inkannufunuunn 100 %

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@® Stellenbastand

STATISTIK

Großfläche: 18/1

Format: (Bx H)}:
Laufzeit:
Stellenanzahl:

Anteil Gesamtbestand:

Anteil Beleuchtung:
8 PpS:

2 PpS-Index:
8-Tagespreis:
8-TKP (brutto):
8-TKP-Index:
Rücktritt:

356 x 252 cm
Dekade
144.185
43,0%
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60 Tage

In 5.304 Orten mit 76,0 Mio. EW vertreten

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GROSSFLÄCHE | STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

Stärken
« Leistungsstarkes Massenmedium mit breiter, nationaler Abdeckung
(bis in kleine Ortsgrößenklassen)

= Gutes Preis-/ Leistungsverhältnis
“  Einzelstellenselektion sichert leistungsstarke Flächen - Aussteuerung Touchpoint | Pol
“ Über Einzelbelegung gute regionale und lokale Streuerung durch Berücksichtigung von Mindestabständen

Schwächen

"= Geringe Präsenz im Innenstadtbereich

"« Teilweise eingeschränkte Sichtbarkeit (dunkle Jahreszeit)

« Sehr hoher Anteil mit mäßigen Leistungswerten

= Bei zu später Buchung, häufig eingeschränkte Verfügbarkeit der Top-Standorte

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GROSSFLÄCHE | TECHNISCHE DATEN

Papiergewicht: ca. 115-120 g/m?
Konterdruck: nein

Druckkosten: (GE
Nassklebung: ja

18/1
Großfläche: 4er, 6er, 8er Teilung möglich

 

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Johannes Filter

Johannes Filter ist freier Referent bei FragDenStaat. Daneben arbeitet er als freiberuflicher Software-Entwickler und Datenanalyst. Seine Website und sein Twitter-Account.

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